Das Bündner Dorf Brienz/Brinzauls rutscht weiterhin rasch talwärts und wird zudem von einem Bergsturz bedroht. Die letzten Analysen zeigen deutliche Hinweise, dass es schon innerhalb weniger Jahre zu einem grossen Bergsturz oder einer grossen Rutschung kommen kann. Die engmaschige Überwachung des Berges wird fortgesetzt, die Gemeinde hat sich aus Sicherheitsgründen auf eine rasche Evakuierung des Dorfes vorbereitet. 

Das Dorf Brienz/Brinzauls wird weiterhin von einem Bergsturz bedroht. Zwar hat sich die Situation in den letzten Wochen nicht verschlechtert. Falls sich die Geschwindigkeit der Rutschung am Berg aber so weiterentwickelt wie heute, muss schon innerhalb der nächsten Jahre mit einem grossen Bergsturz oder einer grossen Rutschung in Richtung des Dorfes gerechnet werden. Ein solches Ereignis kann die Sicherheit des Dorfes Brienz/Brinzauls und von Teilen der benachbarten Ortsteile Vazerol, Tiefencastel und Surava sowie der Verkehrswege im Gebiet akut bedrohen.

Ein grosser Abbruch kündigt sich erfahrungsgemäss über mehrere Wochen im Voraus an und kann deshalb prognostiziert werden. Für den kommenden Monat ist ein solches Ereignis sehr unwahrscheinlich. Dennoch werden die Bewohner von Brienz/Brinzauls und der Ortsteile Vazerol, Tiefencastel und Surava in den kommenden Tagen schriftliche Informationen erhalten, wie sie sich bei einer Evakuierung innerhalb weniger Stunden verhalten sollen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass eine so rasche Evakuierung nötig werde, sei sehr klein, sagte Daniel Albertin, Präsident der Gemeinde Albula/Alvra, zu der Brienz/Brinzauls gehört, am vierten Informationsanlass für die betroffene Bevölkerung vom Freitagabend. Im Interesse der Sicherheit der betroffenen Bevölkerung wolle die Gemeinde aber vorbereitet sein, auch rasche Massnahmen geordnet durchführen zu können.

Auch das Dorf Brienz/Brinzauls selber rutscht talwärts. Es bewegt sich auf einer bis zu 150 Meter dicken Felsscholle mit rund einem Meter pro Jahr. Die Bewegung ist im Moment konstant, aber auf sehr hohem Niveau. Sollte sie sich weiter verstärken, droht die Gefahr von neuen, grösseren Schäden an der Infrastruktur der Gemeinde und den privaten Immobilien.

Überwachen und erforschen

Mittels Laser-, Satellitenortungs- und Radartechnik werden die Rutschungen des Dorfes und des darüber liegenden Berghanges ständig genau überwacht. Dies erlaubt den Fachleuten die laufende Beurteilung der Situation und eine frühzeitige Warnung an Gemeinde und Bevölkerung, sollte sich die Lage zuspitzen. Bei Bedarf können das Gebiet und die Verkehrswege kurzfristig gesperrt und evakuiert werden.

Um die Rutschungen zu untersuchen und Möglichkeiten zu derer Sanierung zu finden, werden in und um Brienz/Brinzauls weitere Sondierbohrungen und Messungen mit verschiedenen Techniken durchgeführt. Zudem werden die Wasserströme im Untergrund untersucht.

Bei der Erforschung der Rutschung, der Beobachtung und Beurteilung der Lage und der Vorbereitung der vorbeugenden Massnahmen wird die Gemeinde durch zahlreiche Experten des Kantons und externe Fachleuten unterstützt. Von kantonaler Seite sind Dienststellen aus allen Departementen und die Gebäudeversicherung Graubünden GVG involviert; die Kantonsregierung und der kantonale Führungsstab wurden über die Lage informiert.

Information der Bevölkerung

Die Informationsveranstaltung vom Freitag war bereits die vierte ihrer Art. Die Gemeinde wird die Bevölkerung und die Öffentlichkeit wieder informieren, sobald eine Veränderung der Lage eintritt oder wichtige Entscheidungen gefällt wurden. Im Internet wurde unter www.albula-alvra.ch eine Informationsseite zum Brienzer Rutsch eingerichtet, über Twitter (www.twitter.com/AlbulaAlvra) werden aktuelle Informationen publiziert. Für Fragen aus der betroffenen Bevölkerung steht die Gemeinde zur Verfügung – sie hat eine telefonische Hotline unter der Nummer 079 936 39 39 eingerichtet.

 

(Bild: zVg.)