Churer Sportvereine machen oft mit erfreulichen Leistungen auf sich aufmerksam. Aber ebenso regelmässig bleibt es bei diesen Ehrenmeldungen – es fehlt der letzte entscheidende Schritt zum noch grösseren Erfolg, wie es uns der HC Davos vormacht. Woran liegt das wohl?

GRHeute möchte anhand einiger Beispiele aus der entfernten und nahen Vergangenheit kurz auf diese Frage eingehen.

Chur 97 ist im freien Fall von der 1. Liga in die regionale 2. Liga abgestiegen. Die Verantwortlichen hatten es verpasst, rechtzeitig Gegensteuer zu geben. Man hatte das Gefühl, dass die Churer sich nicht mit letzter Konsequenz gegen den zweimaligen Abstieg wehren würden. Immerhin hat man aus dem damaligen sportlichen Debakel anscheinend die richtigen Lehren gezogen und ist auf dem besten Weg, Ende der Saison zumindest wieder in die interregionale 2. Liga aufzusteigen.

Nachdem das 1. Liga-Team der Frauen von Rätia Volley in der Schlussphase der Meisterschaft auf unnötige Art und Weise die grosse Chance verpasst hatte, sich für die Aufstiegs-Playoff in die NLB zu qualifizieren, sprach deren Coach und Trainerin Evelyn Hösli davon, das doch sehr bescheiden gesetzte Saisonziel, ohne Angst die Ligazugehörigkeit zu wahren, übertroffen zu haben. Aber das Erreichen der Playoffs wäre keine kleinere Sensation gewesen, sondern wäre absolut dringelegen und zweifellos eine grandiose Erfahrung für das junge Team gewesen.

Nachdem ein Sportjournalist vor der letzten Saison verkündet hatte, das Saisonziel des EHC Chur müsste der Schweizer Amateur-Meistertitel oder zumindest der Ostschweizer Meistertitel sein, war der Sportöffentlichkeit eigentlich klar, dass der Stadtclub nur verlieren konnte. Klubpräsident Urs Knuchel scheint mit dem Erreichen der Playoff-Halbfinals, in denen man nach dem Break in Biasca zwar alle Vorteile auf seiner Seite zu haben schien, schliesslich dann aber doch noch ausschied, zufrieden zu sein. Was aber am Out im Halbfinal gut gewesen sein soll, ist schwer nachvollziehbar, auch wenn im Hinblick auf die Zukunft ein Umbruch stattfinden sollte. Während der Präsident des EHC Chur nun aber versucht, den Puck einigermassen flach zu halten und einräumt, in nächster Zukunft vielleicht kleinere Brötchen backen zu müssen, spricht besagter Sportjournalist nun bereits wieder von der Pflicht der Hauptstädter, am Ende der nächsten Saison in die Swiss Regio League aufsteigen zu müssen!

Chur Unihockey reiste kürzlich nach Zürich, um im fünften Spiel des Playoff-Viertelfinals gegen die Zürcher Grasshoppers die letzte Chance auf ein Weiterkommen wahrzunehmen. Schon nach dem ersten Drittel waren aus den Träumen aber Schäume geworden, lagen die Churer doch zu diesem Zeitpunkt bereits vorentscheidend mit 0:4-Toren zurück und schieden dann auch aus. Gross an die Wende geglaubt zu haben schienen sie wahrlich nicht.

Dieses in entscheidenden Situationen auf breitester Front sportliche Scheitern kann ganz einfach kein Zufall sein. Vielmehr scheint es bei Verantwortlichen und Spielern eine Frage der Einstellung zu sein. Man ist mit zu wenig zufrieden, um über sich hinauswachsen zu können, und Stagnation bedeutet nun einmal Rückschritt. Man darf durchaus Fehler machen, wenn man daraus dann die richtigen Lehren zieht. Und man kann sich sicher realistische Ziele setzen, sollte diese dann aber auch konsequent verfolgen, allenfalls anpassen und nicht auf halbem Weg umkehren.

Ansonsten tritt man an Ort und Fortschritte bleiben aus.

 

(Bild: EQ Images)