Eine fiktive Explosion einer Gasflasche in einem Festzelt in Ilanz führte zu mehr als 40 teilweise schwer verletzten Personen. Das Spital Ilanz hatte als primäre Anlaufstelle für die Verletzten alle Hände voll zu tun. Interessant: Die Mitarbeitenden des Spitals wussten im Vorfeld nichts von der Übung – und wurden wie im Ernstfall alarmiert.

Im vergangenen Jahr wurde am Regionalspital Ilanz die bestehende Konzeption für ein Grossschadenereignis  in einer kleinen Arbeitsgruppe überarbeitet und an die aktuellen personellen und infrastrukturellen Gegebenheiten angepasst. Nach Schulung der Mitarbeiter ist die Durchführung einer sogenannten «Katastrophen-Übung» die einzige und beste Möglichkeit, diese Planung zu überprüfen und notwendige Anpassung daraus abzuleiten. Aus verschiedenen Vereinen unterstützten letzten Donnerstagabend darum 50 Personen als moulagierte Verletzte, fiktive Angehörige oder gar Journalisten beim Katastrophen-Szenario mit. Sie leisteten mit ihren Schauspielkünsten einen wesentlichen Beitrag zur Darstellung eines möglichst realitätsnahen Szenarios und damit auch zum Gelingen der Übung.

Nach einer fiktiven Explosion in einer grossen Menschenmenge in Ilanz wurden somit über vierzig Patienten innerhalb von 90 Minuten ins Regionalspital Surselva eingewiesen. Die übungsbedingt angenommenen, schlechten Witterungsverhältnisse sowie blockierte Strassenverbindungen verhinderten zunächst den Abtransport und die Verlegung der Patienten in weitere Spitäler. Kaum wurde das Ereignis bekannt und suchten erste Verletzte das Spital auf, wurde der sogenannte GSE-Alarm ausgelöst und zuvor definierte Mitarbeitergruppen telefonisch alarmiert. Bereits nach wenigen Minuten fanden sich viele der Alarmierten im Spital ein und wurden sogleich auf die verschiedenen Funktionen und Standorte verteilt.

Immer mehr sorgfältig moulagierte Patienten mit unterschiedlichsten Verletzungsmuster wurden an die eingerichtete Triagestation gebracht und nach einer Erstbeurteilung auf die entsprechenden Stationen verwiesen. Schwerer verletzte Patienten wurden umgehend auf die Notfallstation verlegt, leichte Patienten zunächst in einen Warteraum verwiesen, wo dennoch eine reduzierte medizinische Betreuung und Überwachung sichergestellt war. Die Figuranten spielten ihre zugewiesenen Rollen sehr überzeugend und wurden bis auf invasive Massnahmen wie richtige Patienten behandelt und betreut. Auch besorgte Angehörige sowie aufsässige Journalisten wurden gespielt und stellten für das Spitalpersonal eine zusätzliche Herausforderung dar. Während fast zwei Stunden herrschte emsiges Treiben, da und dort etwas Verwirrung und Unordnung. Die gemäss Organigramm definierten Leitungsfunktionen führten durch das Grossschadenereignis und konnten das Dispositiv schliesslich auflösen – der Patientenzustrom ebbte ab und die Verlegung und weitere Spitäler wurde möglich.

Eine erste Bilanz der Organisatoren sowie auch der Beteiligen fiel positiv aus, insbesondere ist es während der Übung gelungen, die Versorgung und Betreuung richtiger Patienten vollumfänglich zu gewährleisten. 

 

(Bilder: zVg.)

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