«Jetzt spinnt er!»

Das «House to watch the sunset» von Not Vital in Tarasp wurde gestern feierlich eingeweiht. Es ist das dritte Kunstwerk dieser Art vom Unterengadiner Künstler.

«Als sie vom Bau meines Turmes hörten, meinten die Einheimischen, dass er jetzt spinne», beginnt Not Vital seine Rede. Zur Einweihung des Turmes sind sie dennoch zahlreich erschienen. Und sie sind begeistert. Gemeindepräsident Christian Fanzun bekam die erste Flasche Champagner geschenkt. Die zweite Flasche goss Vital feierlich über die Betonstufen. Auf zwei weiteren Kontinenten stehen bereits seine «House to watch the sunset».

Die wehenden Fahnen auf dem Schloss Tarasp verraten wo. In Agadez im Niger und im Amazonas in Brasilien. In Planung stehen ein Turm aus Aluminium in Tonga im Südpazifik und in der Mongolei aus Eisen. «Alles klangvolle Namen», sagte Vital. «Stellen sie sich einmal vor, es hiesse Schweinfurt», fügte er mit einem Schmunzeln hinzu. Tarasp füge sich in die Reihe der klangvollen Namen ein. «Eine weitere kulturelle Attraktion für die Region ist entstanden», zeigt sich Gemeindepräsident Christian Fanzun begeistert. Auch Architekt und Leiter des Zentrums für Gegenwartskunst Nairs in Scuol, Christof Rösch ist begeistert. «Ich finde es interessant, wie der Turm in alle Himmelsrichtungen weist.»

Die Zahl 13 als Grundlage

Das Konzept des 13 Meter hohen Kunstwerkes sei in 13 Minuten entstanden. «Die guten Sachen entstehen schnell und sind einfach, sagen die Tuareg in Afrika», erklärt Vital. «Das Rezept des Baus für den Turm» könne jeder mitnehmen und dann nachbauen. Auf einer A5 Karte ist es abgedruckt und liegt aus. Alle «Zutaten» kommen aus der Umgebung. «Aus einem Umkreis von 13 Kilometern», sagt Vital mit einem Lächeln. Der Sand für den Beton stamme beispielsweise aus dem Inn. Die Arbeiten wurden von der Baufirma Thomas SA aus Ardez unter dem Mitwirken von Vitals Bruder Duri Vital ausgeführt. Die Baubewilligungen haben, laut Duri Vital, gleich lang gedauert wie die eigentliche Bauphase. Am Ende sind sich alle einig: Es hat sich gelohnt. 

 

(Bilder: Mayk Wendt)

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