Ein grosser Wunsch geht endlich in Erfüllung: «Das Schutzmantel-Fresko» der Klosterkirche St. Martin des Kloster Disentis steht kurz vor der Vollendung. Es prägt die Südfassade seit über 300 Jahren.

Bereits im Jahr 2007 fanden erste Vorstudien zur damals schon notwendigen Restaurierung der Klosterkirche St. Martin statt, das Projekt musste zwischenzeitlich allerdings wieder auf Eis gelegt werden, weil kein Geld mehr vom Bund kam. 2014, im Jubiläumsjahr des Klosters zu 1400 Jahren Ursprung Kloster Disentis, wurde das Restaurierungsprojekt dann zur Notmassnahme. Putzteile fielen von der Südfassade herab – ein Sicherungsgerüst musste gestellt werden, um Mönche und Besucher zu schützen. „Es war klar, jetzt müssen wir es wieder in Angriff nehmen, sonst gibt es unwiederbringliche Schäden“, beschreibt Abt Vigeli Monn den Startschuss zum finanziellen Kraftakt, 15,0 Mio. CHF für die Restaurierung der Klosterkirche St. Martin zusammen zu bringen.

Erfolgreiche Finanzierung

Basierend auf einem Masterplan für das Kloster Disentis starteten die Fundraising-Bemühungen unter Führung des Delegierten der Stiftung Pro Kloster Disentis, Arnold Kappler. Mit Hilfe eines breit abgestützten Patronatskomitees und tatkräftiger Unterstützung der Denkmalpflege Graubünden gelang es, in nur zwei Jahren 11,8 Mio. CHF für die Finanzierung der Restaurierung zu sichern. Als erste Geldgeberin konnte die Graubündner Kantonalbank (GKB) gewonnen werden, die im Herbst 2014 den Betrag von 0,5 Mio. CHF zugesagt hat. „Wir unterstützen die Restaurierung der Klosterkirche St. Martin, weil es sich um eines der wertvollsten Kulturgüter des Kantons handelt“, so Alois Vinzens, CEO der GKB. Mit dieser Finanzzusage kam der Stein ins Rollen – weitere Zusagen folgten.

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Dass die Restaurierung der Südfassade der Klosterkirche nun schon fast abgeschlossen ist, verdankt das Kloster der Unterstützung der Denkmalpflege des Kantons Graubünden unter Leitung von Simon Berger, sowie dem zuständigen Regierungsrat Martin Jäger. Von den Behörden als Notmassnahme eingestuft, empfahl der Kanton, die Restaurierung der Südfassade ein Jahr vorzuziehen. Kanton und Bund beteiligten sich gemeinsam mit CHF 0,8 Mio. CHF am insgesamt 3,2 Mio. CHF teuren Projekt „Südfassade“.

Schutzmantelfresko grösstes Sorgenkind

Im Vordergrund der Arbeiten, welche im Frühjahr 2016 starteten, stand auf der einen Seite die Ausbesserung des Verputzes, auf der anderen Seite die Restaurierung und teilweise Rekonstruktion der Fresken. Das Schutzmantelbild am Giebel der barocken Martinskirche des Klosters Disentis war das grösste Sorgenkind von Architekt Matthias Schmid und der zuständigen Restauratorin, Sylvia Fontana. Hohlstellen hinter dem Bild hatten das Fresko zum Teil von der Fassade gelöst, einzelne Teile der Malerei waren fast nicht mehr zu erkennen. Dass die wetterexponierte Malerei auch nach 300 Jahren, trotz zweier verheerender Brände (1799 und 1846) und trotz hoher Exponiertheit durch Sonne, Wind und Regen heute erneut betrachtet werden kann, ist der kenntnisreichen und kunstvollen Arbeit der Restauratorin Sylvia Fontana und ihrer Kollegen zu verdanken.

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Neue Köpfe schmücken die Südfassade

Im Laufe der Restaurierungsarbeiten entschieden die Restauratoren, unterstützt durch die Denkmalpfleger des Kantons und des Bundes, das Bild der Schutzmantelmadonna dort zu restaurieren, wo noch genügend Details sichtbar waren und dort zu rekonstruieren, wo „Leerstellen“ auftraten. So seien z. B. die Gesichter des Abtes und sechs weiterer Geistlicher nicht mehr erkennbar gewesen. „Unsere Lösung für die Leerstellen war, Abt Vigeli und sechs seiner Mitbrüder für die Neu-Zeichnung der Gesichter zu porträtieren“, erläutert Sylvia Fontana das Vorgehen der Rekonstruktion des Bildes. Heute repräsentieren nun Abt Vigeli, Bruder Gerhard, Bruder Fridolin, Abt em. Daniel und Bruder Thierry den Geistlichen Stand im neuen Schutzmantelbild.

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(Bilder/Quelle: zVg.)