Brienzer Rutsch verlangsamt sich weiter

Brienzer Rutsch verlangsamt sich weiter

GRHeute
13.02.2026

Der Brienzer Rutsch wird ruhiger. Die Geschwindigkeiten gehen langsam zurück. Offenbar zeigt der Entwässerungsstollen Wirkung. Dennoch bleibt das Dorf in der roten Zone. 

Die Lage in Brienz präsentiert sich aktuell so: 

  • Rutschung Dorf
    Die Geschwindigkeiten der Rutschung Dorf liegen verbreitet unterhalb von 20 cm pro Jahr. Die Messpunkte im Dorfgebiet zeigen mit unter 10 cm pro Jahr derzeit die tiefsten Geschwindigkeiten. Grund für die ausgeprägte Verlangsamung der Rutschung Dorf ist die aktuell sehr wirksame Entwässerung des Untergrundes aus dem Ostarm des Entwässerungsstollens.
  • Rutschung Berg
    Auf dem Rücken Caltgeras werden weiterhin abnehmende Geschwindigkeiten gemessen; aktuell liegen sie bei 20 bis 30 cm pro Jahr. Auch im darüberliegenden Bereich West (hoch über Vazerol) und auf dem Plateau haben die Geschwindigkeiten in den letzten Wochen abgenommen: sie liegen verbreitet bei weniger als einem Meter pro Jahr.
  • In der oberen und mittleren Schutthalde werden nur wenige Millimeter pro Tag gemessen. Auch hat die Geschwindigkeit im Trend der letzten Wochen weiter abgenommen.
  • In der unteren Schutthalde und im Gebiet «Pro Fop» (hoch über Brienz/Brinzauls, direkt oberhalb der Schutthalde) werden keine signifikanten Bewegungen gemessen.

 
Prognose für die kommenden ein bis zwei Wochen

Die Entwässerung der Rutschmasse aus dem Ostarm des Entwässerungsstollens ist sehr wirksam. Die Geologen erwarten deshalb, dass sich in den nächsten Wochen weitere Bereiche der Rutschung Dorf verlangsamen, wie aus einer Mitteilung des Gemeindeführungsstab Albula/Alvra vom Freitag hervorgeht. 

Durch die bremsende Wirkung der Rutschung Dorf werden in den nächsten Wochen voraussichtlich auch die Geschwindigkeiten des Rückens Caltgeras, des Bereichs West und des Plateaus leicht abnehmen. 

In der oberen und mittleren Schutthalde werden die Geschwindigkeiten bei trockenem Wetter voraussichtlich stagnieren; bei nassem Wetter werden sie leicht zunehmen.

Geschwindigkeiten 

  • obere Schutthalde:    ca. 2 m/Jahr | abnehmend
  • mittlere Schutthalde:    ca. 1 m/Jahr | stagnierend
  • Plateau:    ca. 1 m/Jahr | abnehmend
  • West:    < 1 m/Jahr | abnehmend
  • Caltgeras:    ca. 0.2 – 0.3 m/Jahr | abnehmend
  • Rutschung Dorf:    < 0.1 – 0.2 m/Jahr | stagnierend

Keine baldige Entlassung aus der roten Zone

Seit 2017 liegt das Dorf Brienz/Brinzauls in einer roten Gefahrenzone. Es dürfen dort keine neuen Bauten und Anlagen erstellt werden und bei bestehenden Bauten sind nur Erneuerungen möglich. Mit der markanten Beruhigung der Rutschung durch den Entwässerungsstollen stellt sich für die Eigentümerschaften von Immobilien die Frage, ob das Dorf bald aus der roten Zone entlassen werden kann. An der Bevölkerungsinformation vom 5. Februar dämpfte Andreas Huwiler, Bereichsleiter Naturgefahren und Schutzbauten beim Amt für Wald und Naturgefahren, diese Hoffnungen.

«Damit Schutzbauen wie der Entwässerungsstollen in der Gefahrenbeurteilung berücksichtigt werden können, muss man über viele Jahre beobachten, ob sie sich bewähren», sagte der Geologe, der auch Mitglied der zuständigen Gefahrenkommission 2 ist. Im Falle von Brienz/Brinzauls brauche es eine lange Bewährungszeit, um zu sehen, ob der Entwässerungsstollen wirklich nachhaltig sei. «Wir wollen nicht, dass wir in zwei Jahren sagen, man kann wieder bauen und dann in fünf Jahren sagen müssen, alles werde wieder rote Gefahrenzone.»

Wie die Lage in Brienz/Brinzauls in fünf oder zehn Jahren aussehe, wisse man noch nicht, sagte Huwiler. Es brauche eine genügend lange Zeit, um zu prüfen, ob der Entwässerungsstollen langfristig funktioniere. «Erst dann kann die rote Gefahrenzone für Brienz/Brinzauls aufgehoben oder umgewandelt werden. Ich gehe davon aus, dass wir nach der Fertigstellung des Stollens und seiner Bohrungen mindestens zehn Jahre beobachten müssen.»

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