Brambrüesch ist «kein Luxusprojekt»

Brambrüesch ist «kein Luxusprojekt»

Die neue Brambrüesch-Bahn ist noch immer nicht gebaut. Fast erscheint sie wie eine ewige virtuelle Baustelle, über die am 8. März wieder abgestimmt wird. Am Dienstag haben die Befürworterinnen und Befürworter ihre Pro-Argumente präsentiert. 

Brambrüesch ist der Berg, den man von weitem sieht, wenn man in Richtung Chur fährt. Abends leuchtet die Mittelstation, und im Winter bewegen sich kleine leuchtende Käferchen am Berg: Die Pistenfahrzeuge sind im Einsatz für den nächsten Tag. Im Frühling und im Sommer steigt der Dunst aus den Falten der Felsen und zeichnet Bilder, die man für immer einfrieren möchte. Kurz: Der Berg ist das Wahrzeichen von Chur, das schleckt keine Geiss weg. 

Doch das Wahrzeichen von Chur hat eine Achillesferse: Die Bahn, die es erschliesst. Alt und marode; so gar nicht Wahrzeichen würdig. Pläne für eine Erneuerung wären vorhanden. Das Churer Stimmvolk sagte sogar schon einmal zu. Jetzt muss es nochmals darüber abstimmen – alles ist viel teurer als gedacht. Corona, die Ukraine und die Teuerung haben ihre Spuren in die Pläne gefräst. 

«Es liegt ein langer Weg hinter uns», sagte Martina Domenig am Dienstag vor den Medien in Chur. «Ich hoffe, es geht nicht mehr so lange.» Martina Domenig ist an diesem Nachmittag zuerst in der Brambrüeschbahn und danach im Va Bene zusammen mit einigen anderen vor Ort, um ihre Stimme für die Brambrüeschbahn zu erheben. Vera Stiffler, FDP-Grossrätin und Churerin durch und durch, spricht davon, dass der Berg schon seit Generationen da ist und hoffentlich noch viele Generationen da sein wird. 

Mit dasein meint sie die Erschliessung, das Programm, das oben geboten wird: Skifahren im Winter, biken im Sommer – und alles dazwischen. Es gibt keine weitere öffentlichen Verkehrsmittel auf den Berg; man kann mit dem Postauto bis zur Malixer Tankstelle und von da zwei Stunden lang hinauflaufen. Mit der Bahn ist man auch jetzt in einer Viertelstunde oder so oben. 

Nino Schurter ist Fan

Die Instandhaltung kostet die Stadt Chur viel Geld. 350’000 Franken pro Jahr. Und deshalb ist FDP-Grossrat Oliver Hohl auch nur aus finanziellen Gründen für die neue Brambrüeschbahn. «Lieber einmal investieren als jedes Jahr 350’000 Franken», sagt er. Ein weiterer Grund ist: Würde die Brambrüeschbahn abgelehnt, bliebe die Talstation, wo sie ist. Das nimmt dem Stadthallen-Areal wesentliches Potential weg. 

«Die Brambrüeschbahn macht Chur einzigartig», sagt Ex-Moutainbiker Nino Schurter. Er ist mit seiner Tochter oft auf den Trails unterwegs. «Es ist ein gern genutztes Gelände für Enduro-Fahrer.» Dafür kommen die Bikerinnen und Biker aus ganz Europa. 

Es gibt noch ein paar ganz andere Gründe für einen Umbau, wie Geschäftsführer Patrick Arnet darlegt. So werden bei einer Ablehnung sofortige Umbauten für barrierefreie Zugänge nötig. Die Talstation müsste in diesem Fall sowieso abgebrochen werden und könnte die Bahn für anderthalb Jahre lahm legen. Die Seile müssen bald einmal ausgewechselt werden, was Kosten von über drei Millionen Franken verursacht – davon allein je eine Million pro Seil. Die Pendelbahn ist 20 Jahre alt, die Gondelbahn 40 Jahre alt. «Wir sind am end of life», sagt Patrick Arnet. Jedes Jahr müssten kleine sechsstellige Investitionen getätigt werden, um sie am Leben zu erhalten. «Sie sehen es: Die Brambrüeschbahn ist kein Luxusprojekt.» 

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(Bild: GRHeute)

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Rachel Van der Elst

Redaktionsleiterin/Region
Rachel Van der Elst mag Buchstaben: analog, virtuell oder überall, wo Menschen sind. In einem früheren Leben arbeitete sie unter anderm bei der AP, beim Blick, bei 20Minuten, beim Tages-Anzeiger und bei der Südostschweiz. In ihrer Handtasche immer dabei: Jasskarten.