Patrik Degiacomi soll trotz eines Testverfahrens wegen Verdacht auf Corona an einer Kata-Sitzung teilgenommen und damit andere angesteckt haben. Stadtpräsident Urs Marti wiegelt ab.

Der Coronavirus meldete sich beim Churer Stadtrat Patrik Degiacomi mit einem Halskratzen. «Er hat sich bei mir erkundigt, ob er an Sitzungen teilnehmen dürfe», sagte der Churer Stadtpräsident Urs Marti auf Anfrage. Gemeinsam wurde entschieden, dass der Erkrankte zu Hause bleiben würde. Ein Test vom Arzt vorerst abgelehnt – auch, weil Patrik Degiacomi nicht zu den Risikopatienten gehört.

Die persönlichen Kontakte mit dem erkrankten Stadtrat wurden gemäss Urs Marti sofort eingestellt. «Er führte nur Telefon- oder Videokonferenzen, so zum Beispiel auch die Stadtratssitzung vom Dienstag», sagte Urs Marti. Am gleichen Morgen entschied der Arzt offenbar überraschend, dass Patrik Degiacomi doch getestet werden sollte – weil er eine Person des öffentlichen Lebens ist.

«Während der ganzen Woche hat Patrik Degiacomi im Einklang mit den Weisungen des BAG und des Kantons nur elektronisch gearbeitet und wenn er persönlichen Kontakt hatte, dies nur unter sehr grossem Abstand zu anderen Personen durchgeführt», sagte Urs Marti. Aber stimmt das auch? Gemäss der Präsidentin der Spitex, Barla Cahannes, soll Patrik Degiacomi am Freitag, während des laufenden Testverfahrens, persönlich an einer ausserordentlichen Dienststellen-Sitzung teilgenommen haben, wie sie auf ihrer Facebook-Seite schrieb.

«Wir wussten, dass es alle treffen wird»

Tatsächlich war Patrik Degiacomi an dieser Sitzung persönlich anwesend, wie Urs Marti bestätigte. «Patrik Degiacomi sass nicht in der Runde der Versammlung, sondern separat und distanziert in einer Ecke des neu gewählten und grosszügigen Sitzungsraums.» Dieses Verhalten des Stadtrats sei allen erklärt worden, damit auch verstanden würde, was für grosse Vorsichtsmassnahmen durchgesetzt worden seien. Am Freitagabend hatte der Stadtrat das Resultat in der Hand: positiv.

Bisher gab es trotz dieser Nähe keine weiteren Ansteckungen innerhalb des Coronastabs. Urs Marti selbst misst jeden Tag Fieber oder beobachtet, ob er Husten hat. «Der Corona-Stab arbeitet isoliert. Die Mitglieder des Stabes, so auch ich, dürfen sich nur von zu Hause zum Büro des Stabes bewegen, müssen zu Hause getrennt schlafen ud Distanzen einhalten. Es ist den Mitgliedern des Stabes verboten, die Verwaltung zu betreten, es ist den Mitgliedern der Verwaltung verboten, die Stabsräume zu betreten. Die Eingänge sind getrennt», sagte der Stadtpräsident weiter. Derzeit wird für den Fall weiterer Erkrankungen ein Parallelstab aufgebaut.

Ist es nicht eine Ironie, dass ausgerechnet ein Mitglied eines Stadtrats am Coronavirus erkrankt ist, das die restriktivsten Regelungen fast der ganzen Schweiz hatte? «Das ist keine Ironie, das ist unsere Vorhersage. Wir wussten, dass es alle treffen wird, auch uns. Die Erkrankung von Patrik Degiacomi ist bestes Zeichen dafür, dass unsere Beurteilung richtig war und es jeden treffen kann, aber nach Möglichkeit nicht alle gleichzeitig. Darauf haben wir hingearbeitet», sagte Urs Marti.

(Bild: zVg)