Nein, nicht die nationalen Wahlen 2019 sind Thema meines Beitrages. Vielmehr möchte ich einige Gedanken teilen zum aktuellen Thema der Koexistenz von Bikern und Wanderern in den Bergen. 

11’000 Kilometer Wegnetz stehen Wanderern und grösstenteils auch Bikern in Graubünden zur Verfügung. Grundsätzlich ist jeder Weg im Kanton auch ein Bike-Weg, mit wenigen Ausnahmen verzichten wir in Graubünden auf Verbote. Zu Recht bewahren wir uns die Freiheit in den Bergen und schaffen Zugang für alle. Wir tun dies mit Freude und Bedacht. 

Eine erfolgreiche Koexistenz der verschiedenen Interessengruppen hängt ab vom respektvollen Umgang miteinander. Im Auftrag des Kantons ist dazu soeben eine «Fairtrail»-Kampagne lanciert worden, die auf humorvolle Weise für rücksichtsvolle Begegnungen wirbt.  Nett – ist doch auch politisch 😉 –, «suuber und parat», so gehen wir Bündnerinnen und Bündner mit der nötigen Gelassenheit eine Herausforderung an, die andernorts für rote Köpfe sorgt. 

Mountainbiken hat den Tourismus verändert

Es ist Tatsache. Das Mountainbiken hat den Sommertourismus verändert, das E-Mountainbiken wird es noch mehr tun. Bereits ein Drittel der neu verkauften Bikes hat heute elektronischen Antrieb. In Zukunft ist ein «E» Standard. Auch in den Bündner Bergen werden künftig noch mehr Zweiradfahrer anzutreffen sein. Dennoch: Laut dem Tourismus Monitor Schweiz von Schweiz Tourismus kommen 55 Prozent der Sommergäste wegen des Wanderns nach Graubünden. Für zehn Prozent stehen Spass und Erholung auf dem Bike im Vordergrund. 

Doch das Potenzial aus touristischer Sicht ist enorm. Nicht nur wir Schweizer, auch zunehmend Gäste aus Deutschland, den Benelux-Staaten und aus dem Vereinigten Königreich steigen aufs Bike. Wir sind bereit für die neuen Gäste. Denn nebst respektvoller Koexistenz entflechten wir die Wege dort, wo es nötig ist, wie zum Beispiel an stark frequentierten Stellen. Die Lenkung der Gästegruppen lässt Probleme gar nicht erst entstehen. Denn Mountainbiker gehen dorthin, wo das beste Angebot besteht. Graubünden als Home of Trails hat es.

2500 Kilometer sind im Kanton speziell als Mountainbike-Routen signalisiert. Von flowigen über technische Trails können Biker sämtliche Schwierigkeitsgrade wählen. Und in den gut besuchten Bikeparks sowie auf den beliebten Bikepisten der verschiedenen Destinationen (z.B. Lenzerheide, Flims, Chur, Klosters, Arosa) kommt sich niemand in die Quere, Bikerinnen und Biker sind dort unter sich.

Graubünden ist vorne dabei

Vor Jahren hat Graubünden den Bike-Trend erkannt und seither ein starkes und vielfältiges Angebot aufgebaut. Heute profitieren nicht nur die Gäste davon. Als Home of Trails kann Graubünden Gäste in die richtige Richtung führen, und wo Konflikte bestehen, kann gehandelt werden. Graubünden kann agieren. Da haben es andere Ferienregionen heute schwerer, sie müssen meistens reagieren und somit sind deren Probleme grösser. Doch wir dürfen diesen Vorsprung nicht verspielen. Denn ich weiss aus eigener Erfahrung als Biker: Manchmal kann es auch in unseren Bergen etwas eng werden. Dann gilt gegenseitiger Respekt. Darüber sprechen wir. Und neue Lösungen entstehen dadurch.

Die kritischen Stimmen nehmen wir ernst. Niemand soll sich bei uns auf seinen beliebten Wegen zurückgedrängt fühlen. Wichtig ist, dass Wanderer und Biker in einem Dialog bleiben. Nur so können wir voneinander und den verschiedenen Bedürfnissen lernen. Graubünden Ferien unterstützt mit Information und der Kommunikation von differenzierten Angeboten. Wir sind überzeugt: Miteinander wird es auch in Zukunft klappen.

Hier noch ein paar Tipps aus der aktuellen «Fairtrail»-Kampagne:

Beim Biken:

  • Du machst dich mit der Glocke frühzeitig bemerkbar
  • Du lässt den Wandernden immer den Vortritt
  • Du passierst im Schritttempo oder steigst kurz ab

Beim Wandern:

  • Du weisst, dass du natürlich den Vortritt hast
  • Wenn genug Platz vorhanden ist, gehst du zur Seite
  • Du behinderst die Bikenden nicht unnötigerweise

Allen weiterhin viel Spass und Freude in den Bündner Bergen!

 

Martin Vincenz, CEO Graubünden Ferien

 

Die Tourismus-Total-Expertenrunde von GRHeute berichtet einmal wöchentlich über aktuelle Tourismusthemen für Graubünden. Heute für Sie unverblümt und direkt von der Front: Martin Vincenz, CEO Graubünden Ferien.