Das Gerüst am fünfstöckigen Westbau der Evangelischen Mittelschule Schiers (EMS) ist verschwunden, das Klopfen und Hämmern verhallt. Die EMS hat eine weitere Etappe ihres Sanierungsplans erreicht. Nun bricht die letzte Phase der gut 6 Millionen Franken teuren Renovierung an. 

Rund drei Jahre dauert die umfangreiche Renovierung des Hauptgebäudes der EMS unter der Projektleitung des Architekten Ueli Marugg. Angefangen mit einer technischen Sanierung im Jahr 2017. In den letzten Monaten dämmte die Schule den Energieverlust mit neuen Fensterisolationen ein. Der Hauptfokus lag ausserdem auf dem dritten Stock. Diese Räume für kreatives Arbeiten konnten Schülerinnen, Schüler und Lehrpersonen kürzlich beziehen. Die modernen Schulzimmer für bildnerisches Gestalten und Werken beherbergen neu zwei Ateliers, eine Werkstatt mit Brennöfen und Maschinen, einen zentralen Materialraum und einen technisch fortschrittlichen Medienraum. Dieser enthält ein Fotostudio, einen Grossformatdrucker und Arbeitsstationen mit professionellen Grafik- und Designprogrammen.

Im Zimmer nebenan findet sich nach wie vor ein grosser Fundus an Requisiten und Materialien für gestalterische Experimente, Modellbau und Projektarbeiten. Durch die Kombination von analogem und digitalem Schaffen schärft der Kunstunterricht der EMS die Gestaltungs- und Medienkompetenz der Jugendlichen. Die jungen Erwachsenen erhalten einen Einblick in verschiedene Berufsfelder, wie etwa Architektur, Fotografie, Grafik- und Produktdesign – die ideale Voraussetzung für grenzenlose Kreativität. 

Gesteigerte Lernatmosphäre

Die letzte Etappe der Renovierung widmet sich nun dem gesamten Erdgeschoss, den Stockwerken 1, 2 und 4 sowie der Aula. Vor allem die nüchternen Aufenthalts- und Arbeitsräume sowie der Eingangsbereich des Westbaus erhalten ein frisches Aussehen. Die Decke wird angehoben und Schulkästen werden in grösserer Anzahl ins Untergeschoss versetzt. Es entsteht mehr Platz. Licht durchflutet die Räume. Die Atmosphäre wirkt anregender und angenehmer. Die neue Ausstattung soll das Lernklima zusätzlich steigern und die Zusammenarbeit unter den Schülerinnen und Schülern fördern. Ausserdem erweitert die EMS die Bibliothek um zusätzliche Arbeitsplätze. Eine sanftere Sanierung erfahren die Aula sowie die Schulzimmer in den oberen Stockwerken. Hier überholen die Handwerker Böden, Wände, Decken und Beleuchtung. Dank neuer Isolation und neuer Fenster verbessert sich künftig auch die Energiebilanz der Aula.

Die EMS startete mit der letzten Etappe der Renovierung in den Sportferien. Bis im Herbst will sie den Grossteil der Renovierung abschliessen. Auf den Unterricht, insbesondere die Abschlussprüfungen, nimmt die Schule speziell Rücksicht: Zur Prüfungszeit herrscht ein Baustopp. 

Mit Winkelschleifer und Frässcheibe bearbeitet eine Schülerin das Täfer.

In Wände meisseln, den Fussboden bemalen, Storen durchlöchern und Figuren ins Täfer schnitzen … Wann bietet sich einem die Chance, legal mit Meissel, Hammer und Pinsel riesige Wände und Böden zu bearbeiten? Das dachte sich Künstlerin Muriel Baumgartner. Im Rahmen der Sonderwoche der EMS bot sie den Kurs «Intervention im Raum» an. Mit den Schülerinnen und Schülern der ersten Klasse durfte sie in einem der sanierungsbedürftigen Räume kreativ wirken, ehe die Renovation weiterging. Den Jugendlichen stand ein praktisch leerer Raum zur Verfügung. Keine Vorgaben, nur wenige Spielregeln. Muriel Baumgartner inspirierte die Jugendlichen dazu, das Vorhandene einzubeziehen: Storen, Wände, Boden, Wasserbecken. Sie brachte ihnen neue Techniken und ungewöhnliche Werkzeuge näher: mit einem Hohleisen ins Holz schnitzen, einen Winkelschleifer nutzen oder mit Stechbeitel und Klüpfel Reliefs aus den Wänden schlagen.

Das angewandte Lernen hat die Jugendlichen sehr motiviert. Sie sind physisch an ihre Grenzen gegangen, haben sich der zähen Arbeit gestellt und geistige Flexibilität bewiesen. Entstanden sind grosse und noch grössere Kunstwerke im Raum. Schade nur, dass diese nun der Renovierung weichen müssen. 

 

(Bilder: zVg./Titelbild: Zwei Schülerinnen schlagen mit Stechbeiteln und Klüpfel die Weltkarte aus der Wand.)