Aus der Traum von einer Medaille in der Königsdisziplin an den Weltmeisterschaften 2019, der Abfahrt der Männer. Besonders hart traf das widrige Wetter die Schweizer: Beat Feuz verpasste eine Medaille bei dichtem Schneetreiben um einen Wimpernschlag, die Bündner Mauro Caviezel und Carlo Janka wurden richtiggehend verblasen. Schade, dass die WM-Abfahrt unbedingt durchgeboxt werden musste.

Die Organisatoren der Ski-WM 2019 wollten die Männer-Abfahrt am Samstag unbedingt hinter sich bringen. Das dicht gedrängte Programm hätte im Fall einer Verschiebung auf den Kopf gestellt werden müssen, zumal auch der morgige Sonntag – Abfahrtstag der Frauen – keine Wetterbesserung verspricht. So wurde zuerst entschieden, den ersten Streckenteil zu kippen und ab dem Super-G-Start zu beginnen. Dann wurde das Rennen von 12.30 Uhr nach hinten verschoben, bis letztlich um 13.30 Uhr grünes Licht gegeben wurde. Nur dass da deutlich dichteres Schneetreiben und schlechtere Sicht herrschte als noch eine Stunde zuvor…

Reichelts unsportliches Manöver

Und da auch die Startnummer 1, der Österreicher Hannes Reichelt, nach einem ziemlich unfairen Manöver -Reichelt erschien aus taktischen Gründen nicht zur Startnummernausgabe und durfte/musste daraufhin gemäss Reglement erst nach Startnummer 45 starten – Reichelt erhoffte sich dadurch bessere Wetterbedingungen – nicht den Schneepflug spielen musste, waren die ersten Startnummern in der Männer-Abfahrt praktisch auf verlorenem Posten. Glücklicherweise wurde Reichelts neunmalkluge «Ich-tricks-euch-alle-aus-Taktik» nicht belohnt: Das Wetter hatte sich bis zu seinem Start zwar tatsächlich verbessert, nach einem frühen Fehler blieb der 38-Jährige aber chancenlos. Mauro Caviezel half dies alles natürlich nichts: Der Bündner musste mit der Startnummer 3 als Zweiter auf die Piste und machte seine Sache den Umständen entsprechend gut. Mehr als der 9. Rang – mit einem Rückstand von einer halben Sekunde aufs Podest – lag für den Lenzerheidner aber schlicht nicht drin. Dass Caviezel erstmals an einem Grossanlass in der Abfahrt einen Top-10-Platz herausfuhr, war natürlich ein schwacher Trost.

 

Noch dicker kam es für Carlo Janka, der ein perfektes Rennen bei perfekten Bedingungen gebraucht hätte, um einen Coup zu landen. Beides fehlte und so war dem Obersaxner nach seiner Verletzungsmisere die Unsicherheit im Nebel auch deutlich anzusehen. Letztlich landete der einstige Weltmeister, Olympiasieger und Gesamtweltcup-Sieger unter ferner liefen auf Rang 35. «Sie wollten das Rennen halt unbedingt durchboxen, aber es war am Limit», haderte der 32-Jährige im Ziel, «die Warterei hat überhaupt nichts gebracht, um halb zwei war die Sicht noch schlechter als eine Stunde zuvor.»

Am härtesten traf es aus Schweizer Sicht Beat Feuz, der aus den Top 20 die schlechtesten Wetterverhältnisse überhaupt hatte und das Podest dennoch nur um elf Hundertstel verpasste. «Die Verhältnisse waren nicht WM-würdig, aber ich muss mir nichts vorwerfen, ich habe alles versucht und einer muss Vierter werden», gab sich der entthronte Weltmeister von St. Moritz sportlich.

Svindals triumphaler Abschied

Immerhin war das Podest einer WM würdig: Kjetil Jansrud mit seinem ersten WM-Titel sowie der strahlende Aksel Lund Svindal in seinem letzten Rennen feierten einen norwegischen Doppelsieg (und verdienten ihn auch, mussten sie doch ihrerseits ebenfalls bei schlechten Bedingungen auf die Piste). Und auch der drittplatzierte Österreicher Vincent Kriechmayr hat seinen Platz auf dem Stockerl definitiv nicht gestohlen. Trotzdem war diese WM-Abfahrt der Männer leider alles in allem keine Sternstunde für Are 2019. 

 

(Bild: Screenshot SRF)