Je ein WM-Super-G mit Bündner Beteiligung bei den Frauen und bei den Männern (mit drei Ausfällen), dazu eine frustrierende Herren-Abfahrt vom Samstag: Nur noch Jasmine Flury kann am Sonntag bei der Abfahrt der Frauen die Speed-Ausbeute der Bündner Ski-Cracks an der alpinen WM in Are retten. Wir haben fünf Gründe aufgezählt, warum Graubünden dieses Wochenende eine Medaille holt – oder auch nicht. Geblieben ist nur noch einer. 

 

1. Jasmine Flurys letzte WM-Chance

Die Nummer 1 brachte Jasmine Flury im Super G kein Glück. Nach dem verletzungsbedingten WM-Out von Michelle Gisin ist die Davoserin in der Abfahrt vom Sonntag – neben Super-G-Bronzegewinnerin Corinne Suter, Lara Gut-Behrami und Joana Hählen – als eine der Team-Leaderinnen gefordert.

Pro Medaille: Flury weiss, dass sie schnell sein kann, sehr schnell. Auch dieses Jahr hat sie dies mit dem 4. Rang in Val Gardena bewiesen. Ausserdem wird die 25-Jährige in ihrem letzten WM-Rennen in Are alles in die Waagschale werden. 

Contra Medaille: In den anderen fünf Abfahrten des Winters ist Flury nie über den 19. Rang hinausgekommen. Nach der vielversprechenden letzten Saison hat sie damit in diesem Winter einen kleinen Schritt zurück gemacht. Flury kann schnell fahren, ihr Potenzial ist phasenweise bei fast jedem Rennen zu sehen. Leider stimmt aber oft die Balance zwischen Risiko und Zurückhaltung nicht, sie verschätzt sich dadurch zu oft und beraubt sich oft mit einem einzigen grösseren Fehler jeglicher Chancen. 

 

Vor dem Herren-Rennen vom Samstag:

2. Die Erfahrung machts

Muss der Abfahrtsstart der Männer nach unten verlegt werden – oder kann überhaupt erst am Sonntag gefahren werden. Die Wetteraussichten für Samstag sind in Are schlecht. Am Morgen wird besichtigt, die angesprochenen Entscheidungen könnten sich bis in den Nachmittag hinziehen – vorgesehener Start wäre 12.30 Uhr. 

Pro Medaille: Wird der Start immer wieder nach hinten verschoben und je nachdem auch verlegt, bekommt die Routine eines Abfahrers eine immer grössere Bedeutung: Sowohl Mauro Caviezel (30 Jahre) wie auch Carlo Janka (32 Jahre) haben diese. Und falls die Abfahrt verkürzt wird, zeichnet sich an der Spitze eine Entscheidung um Hundertstelsekunden ab – die Chancen sind in einem kurzen Rennen grösser für Caviezel und Janka. 

Contra Medaille: Die Erfahrung dürfte den beiden Bündnern in der Abfahrt helfen, allerdings sind auch die stärksten Downhiller der Welt (wie die Italiener Dominik Paris, frisch gebackener Super-G-Weltmeister und am Freitag Trainingsschnellster, sowie Christof Innerhofer und Johan Clarey) ältere Semester, die sich durch ein paar Wetterkapriolen nicht aus der Ruhe bringen lassen. Vom Schweizer Teamleader Beat Feuz ganz zu schweigen (wobei wir eine Medaille des Titelverteidigers natürlich nur zu gerne nähmen).

 

3. Die Bündner als hoffnungsvolle Aussenseiter

Mauro Caviezel ist in dieser Saison der zehnbeste Abfahrer der Welt (und die Nummer 2 der Schweiz hinter Feuz), Carlo Janka hingegen (Nummer 21 im Abfahrtsweltcup) konnte sich erst gestern im internen Qualirennen den fünften Starterplatz sichern. Neben den drei Erwähnten sind Niels Hintermann und Gilles Roulin für die Schweiz am Start.

Pro Medaille: Caviezel ist diese Saison in Beaver Creek (2. Platz) aufs Podest gefahren, dazu fuhr er zwei weitere Male (Val Gardena 8., Wengen 7.) in die Weltspitze. Mit einem Exploit ist ein Podestplatz nicht unmöglich. Von Janka sah man diese Saison in der Abfahrt zwar wenig (mit einem 11. Platz in Beaver Creek als bestem Ergebnis). Mit immerhin neun Karriere-Podestplätzen in Abfahrten (darunter drei Siege) darf man immer auf den Iceman hoffen.

Contra Medaille: Der letzte Podestplatz Jankas liegt bald zwei Jahre zurück und Caviezel hatte nach den ausserordentlich starken Nordamerika-Rennen zu Beginn des Winters auf europäischem Schnee Mühe, mit den Allerschnellsten mitzuhalten.

 

4. Carlo Jankas Comeback?

Nach seinem Sturz in Kitzbühel und seiner schweren Knieverletzung im letzten Winter ist es fast ein Wunder, dass sich Carlo Janka erneut einen Startplatz im Schweizer Team gesichert hat. 

Pro Medaille: Mit zwei Top-10-Klassierungen in den Trainings hat er gezeigt, dass vieles möglich ist, wenn alles aufgeht. Die harte Piste gefällt Janka, das Material stimmt. Ein Janka-Abfahrts-Comeback auf dem WM-Podest wäre nach seiner Vorgeschichte Hollywood-reif.

Contra Medaille: Hollywood ist fast immer fake.  

 

5. Statistiken lügen nie, oder?

Die Abfahrt ist traditionell die beste Schweizer Disziplin im alpinen Skizirkus. Seit 1985 hat die Schweiz (an 17 Weltmeisterschaften bei den Männern 7 (und bei den Frauen 3) WM-Abfahrtstitel geholt (Österreich im Vergleich 4, bzw. 3). In der Königsdisziplin bei den Männern haben Patrick Küng und Beat Feuz die WM-Titel an den letzten beiden Austragungen geholt. 

Pro Medaille: Wenn nicht Feuz, welcher Schweizer dann?   

Contra Medaille: Seit David Zogg 1934 ist kein Bündner an einer WM-Abfahrt zuoberst aufs Podest gefahren.