Der Wahlkampf 2015 spitzt sich zu. Wie GR Heute erfuhr und worüber ’20 Minuten‘ in der heutigen Ausgabe berichtet, bedient sich der grünliberale Nationalrat Josias Gasser in seinem Wahlkampf fragwürdiger Methoden.

Josias Gasser ist ohne Frage der Bündner Botschafter der Energiewende. Diese Positionierung, unterstützt durch sein omnipräsentes grün-beschriftetes Öko-Mobil, verhalf ihm vor vier Jahren in den Nationalrat – und auch 2015 soll dieses Rezept den umtriebigen Unternehmer in Bern halten.

Die neusten Entwicklungen, über die heute auch die grösste Schweizer Zeitung ’20 Minuten‘ berichtet, sorgen allerdings für Stirnrunzeln. Grund des Anstosses sind mehrere Wahlveranstaltungen in Graubünden. Josias Gasser soll dabei gemäss übereinstimmenden Zeugenaussagen mit seinem Skoda angereist sein. Auf einem Anhänger transportierte Gasser jeweils sein bekanntes Ökomobil mit. Einige Hundert Meter vor dem jeweiligen Wahlpodiumsort parkierte Gasser seinen PKW, lud sein Öko-Mobil ab und fuhr damit vor den Event-Ort. Offenbar wollte sich Gasser den Besuchern mit seinem Gefährt zeigen, nicht aber, dass er im Grunde mit einem PKW angereist war.

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Für Valérie Favre Accola, SVP-Nationalratskandidatin und mehrfache Beobachterin dieser Szenen, ist das Ganze ein grosser Etikettenschwindel. «Natürlich kann Josias Gasser mit dem PKW zu Wahlveranstaltungen fahren», so die Davoserin, «wenn er aber kurz vorher auf sein Ökomobil umsteigt und damit die Besucher im Glauben wiegt, er sei damit hergefahren, ist das einfach eine ‚Mogelpackung‘.» Favre Accola betont, dass sie im Wahlkampf nicht auf den Mann spielen wolle, aber das gehe nun wirklich nicht. «Mir ist schon klar, dass man in einem so weitläufigen Kanton wie Graubünden nicht überall mit einem Ökomobil hinfahren kann, das erwarte ich gar nicht», sagt Favre Accola gegenüber 20 Minuten. Aber das Gefährt auf einem Anhänger anzukarren könne kaum die Lösung sein. «Wenn man schon für Ökologie wirbt, muss man diese auch leben und sie nicht nur als Marketing-Instrument benutzen. Gassers Aktion steht doch im Widerspruch zu dem, wofür seine Partei eigentlich steht.»

Die Vorfälle ereigneten sich an mindestens drei Wahlkampfveranstaltungen: In Poschiavo (26.8.), woher die Bilder kommen, dann aber auch auch in Pontresina, in Savognin und offenbar auch an anderen Orten. Auch Gassers Nationalratskollege Heinz Brand reagiert mit Unverständnis: «Damit führt man die Wähler hinters Licht», so Brand gegenüber 20 Minuten. Man könne doch nicht Wasser predigen und Wein trinken.

Ökomobil wie ein Wahl-Prospekt?

Der grünliberale Nationalrat selbst spielt den «Autotausch» gegenüber 20 Minuten runter. «Andere Parteien laden ihre Tische und Equipment auf den Anhänger, ich eben meine Rikscha», so Gasser. Die Rikscha sei sein fahrender Wahlkampf-Stand, das hebe ihn von anderen Nationalratskandidaten ab. «Soll ich die Rikscha etwa im Zug mit an die Wahlveranstaltung nehmen?»

Favre Accola entgegnet gegenüber 20 Minuten, die SVP Graubünden habe kein solches Werbemobil, «wegen der Weitläufigkeit des Kantons müssten wir ihn aber auch oft verladen. In Graubünden wäre das aber ökologisch nicht sinnvoll. Deshalb beschränken wir uns in diesen Fällen auf das Mitnehmen eines ‚Werbesegels‘ und bilden wenn immer möglich Fahrgemeinschaften».

Diese Tatsache wiederum lässt Gasser auf 20 Minuten nicht unkommentiert. Was sein Engagement für nachhaltige Entwicklung angeht, habe er sich überhaupt nichts vorzuwerfen. «Ich bin jederzeit bereit, mich mit Frau Favre Accola zu messen, um herauszufinden, wer den grösseren ökologischen Fussabdruck hat», so Gasser.

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(Bilder: zVg. / unten: Facebook-Seite Josias Gasser)

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