Olympia 2038: Klappt es diesmal?

Olympia 2038: Klappt es diesmal?

GRHeute
15.01.2026

Die Olympischen und Paralympischen Winterspiele könnten 2038 erstmals seit 90 Jahren wieder in der Schweiz stattfinden. Mit der Kandidatur Switzerland 2038 verfolgt der Verein hinter dem Projekt einen neuen Ansatz: Nicht eine einzelne Stadt oder Region soll Gastgeberin sein, sondern das ganze Land. Graubünden nimmt dabei eine zentrale Rolle ein.

Geplant ist ein dezentral organisiertes Grossereignis mit rund 120 Wettkämpfen in mehr als einem Dutzend Wintersportarten. Zehn Kantone und 14 Gemeinden stehen laut den Initianten geschlossen hinter dem Projekt. Ein entscheidender Unterschied zu früheren Bewerbungen liegt im Konzept: Die Spiele sollen sich konsequent auf bestehende, erstklassige Sportstätten stützen und auf teure Neubauten verzichten. Damit will man ökologische Bedenken entschärfen und die Akzeptanz in der Bevölkerung erhöhen.

Für Graubünden bedeutet die Kandidatur eine Rückkehr auf die olympische Bühne – allerdings in neuer Form. Anders als bei früheren Projekten, bei denen sich vieles auf einzelne Orte konzentrierte, ist der Kanton nun Teil eines landesweiten Netzwerks. Konkret sind in Graubünden vier Austragungsorte vorgesehen: St. Moritz, Celerina, Silvaplana und Lenzerheide. Dort sollen Wettbewerbe im Biathlon, Ski Alpin, Snowboard, Bob, Rodeln und Skeleton stattfinden. Gerade St. Moritz, das bereits 1928 und 1948 Olympische Winterspiele ausrichtete, steht sinnbildlich für die lange olympische Tradition des Kantons.

Auch Paralympische Spiele in Graubünden

Auch für die Paralympischen Spiele ist Graubünden fest eingeplant. Lenzerheide und St. Moritz sollen Austragungsorte sein, während die Eröffnungs- und Schlussfeiern in Bern stattfinden sollen. Insgesamt will das Projekt die sprachliche und kulturelle Vielfalt der Schweiz abbilden – von Genf über Lausanne bis ins Engadin.

Ein zentrales Thema bleibt die Finanzierung. Das Gesamtbudget für die Spiele und die Vorbereitungsphase beläuft sich gemäss Verein auf rund 2,2 Milliarden Franken. 82 Prozent davon sollen von privater Seite getragen werden, lediglich 18 Prozent von der öffentlichen Hand. Besonders betont wird, dass es keine öffentliche Defizitgarantie geben soll. Selbst die vom Internationalen Olympischen Komitee geforderte Defizitabsicherung von 200 Millionen Franken soll privat finanziert werden. Diese klare Trennung ist eine direkte Reaktion auf frühere Kritik und soll Vertrauen schaffen – auch in Graubünden.

Gute Chancen für die Schweiz

Politisch steht der Kandidatur dennoch ein anspruchsvoller Weg bevor. Der Bund muss bis spätestens 2026 die nötigen Grundsatzentscheide fällen, damit die Schweiz ihre Bewerbung Ende 2027 einreichen kann. Das IOC will im zweiten Quartal 2027 über die Vergabe der Winterspiele 2038 entscheiden. Der Zeitplan ist ambitioniert, zumal Grossprojekte dieser Art in der Schweiz traditionell breit abgestützt sein müssen.

Gerade in Graubünden ist die Erinnerung an frühere Abstimmungen noch präsent. 2013 lehnten die Bündner Stimmberechtigten eine Bewerbung für die Winterspiele 2022 ab. Vier Jahre später, 2017, folgte ein noch deutlicheres Nein zur Kandidatur für 2026: Über 60 Prozent sagten Nein zu einem Verpflichtungskredit von 25 Millionen Franken. Selbst klassische Wintersportorte wie St. Moritz oder Davos stellten sich damals gegen das Projekt. Kritisiert wurden unter anderem finanzielle Risiken, mangelnde Transparenz und der Eindruck, Olympia werde als Allheilmittel für wirtschaftliche Probleme verkauft.

Diese beiden Volksabstimmungen prägen die heutige Diskussion. Die Verantwortlichen von Switzerland 2038 wissen, dass ein Erfolg nur möglich ist, wenn Lehren aus der Vergangenheit gezogen werden. Der Verzicht auf eine kantonale oder kommunale Defizitgarantie, die starke Dezentralisierung und die Einbettung Graubündens in ein nationales Gesamtkonzept sind auch als Antwort auf das damalige Misstrauen zu verstehen. Sicher ist: Die Durchführung von Olympischen Spiele sind für einen stark touristisch ausgerichteten Kanton wie Graubünden zweifellos ein spannendes Projekt. Allerdings ist auch klar, dass die Gegnerschaft mittlerweile fundamental gegen ein Projekt dieser Grössenordnung ist und sich entsprechend aufstellen wird. 

 

(Symbolbild: zVg.)

 

author

GRHeute

www.grheute.ch
GRHeute Redaktion