Die ibW Höhere Fachschule Südostschweiz hat am Freitagabend ihre alljährliche Generalversammlung durchgeführt – Corona-bedingt erst im Herbst statt wie üblich im Frühling. Derweil sich die Studierendenzahlen der grössten Erwachsenenschule in der Höheren Berufsbildung in der Südostschweiz weiterhin erfreulich entwickeln, gab es an der Spitze des ibW-Fördervereins einen personellen Wechsel: Für den zurückgetretenen Ständerat Stefan Engler übernimmt neu Nationalrat Martin Candinas das Präsidium. In den Vorstand des ibW-Trägervereins wurde neu Grossrat Severin Geisseler gewählt.

Regierungsrat Jon Domenic Parolini, Ständerat Stefan Engler, Nationalrat Martin Candinas, Standespräsident Martin Wieland, der Churer Stadtrat Patrick Degiacomi, der Präsident des Bündner Gewerbeverbands Viktor Scharegg, Hotelleriesuisse-Präsident Andreas Züllig – um nur einige zu nennen: Unter den rund 80 Teilnehmenden an der Generalversammlung der ibW Höhere Fachschule Südostschweiz fand sich am Freitagabend eine illustre Schar aus Politik, Gewerbe und Wirtschaft. Und natürlich war Corona das grosse Thema, obwohl an der Versammlung im Grunde das Geschäftsjahr 2019 abgeschlossen wurde.

ibW-Präsident Rico Monsch berichtete in seiner Ansprache von der Wertschöpfungsstudie der FH Graubünden, die der ibW eine «erhebliche regionalwirtschaftliche Bedeutung» attestiert. «Für jeden Franken, der in die ibW investiert wird, entsteht eine regionale Wertschöpfung von 3.40 Franken», zitierte Monsch aus der Studie. «Nicht eingerechnet ist dabei der Mehrwert einer Weiterbildung, der durch die zusätzlich erworbenen Fachkompetenzen nicht nur für die Studenten selbst, sondern kurz-, mittel- und langfristig auch für die regionalen Unternehmen entsteht», so Monsch. Und dieser sei erheblich: 93% der Unternehmen in Graubünden, die in der Studie befragt wurden, gaben an, eine regionale Ausbildungsanbieterin wie die ibW sei für Graubünden wichtig. Stolze 60% meinten, dass durch eine Weiterbildung der Mitarbeitenden die Konkurrenzfähigkeit des Unternehmens unmittelbar gesteigert würde.

«Professional Bachelor» als Chance für die Höhere Berufsbildung?

Auch Regierungsrat Jon Domenic Parolini nannte in seiner Ansprache die Wertschöpfungsstudie der FH Graubünden und die grundsätzliche Bedeutung der Höheren Berufsbildung in der Schweiz. Handlungsbedarf sieht er weiterhin in der internationalen und nationalen Positionierung der Höheren Berufsbildung und nannte dabei den sich anbahnenden, internationalen Abschluss eines «Professional Bachelors», der zuletzt Bewegung in die Bildungslandschaft gebracht habe.

ibW-Direktor Stefan Eisenring freute sich, dass das Geschäftsjahr 2019 mit 1292 Studierenden, rund 3600 Kursteilnehmenden und gegen 50’000 erteilten Unterrichtslektionen zu den erfolgreichsten der bald 30-jährigen Geschichte der ibW gehörte. Ohne zu stark in die Zukunft zu blicken, sei die Entwicklung der Studierenden-Zahlen auch 2020 trotz Corona-Krise ermutigend, verriet der Direktor der ibW Höhere Fachschule Südostschweiz. Ansonsten sei 2019 «auf den ersten Blick wenig spektakulär, aber zukunftsweisend» gewesen, da viele Weichen für die Zukunft – zum Beispiel in der Digitalisierung – gestellt wurden.

Corona-GV an der ibW Höhere Fachschule Südostschweiz.

Dies wurde in den Ausführungen von Remi Crameri, Leiter des ibW-Corona-Krisenstabs im Frühling, deutlich, der in seinem Vortrag eindrücklich aufzeigte, wie die ibW Mitte März innert eines Wochenendes den gesamten Betrieb auf Fernunterricht umstellte und so gut wie alle Angebote trotz der Corona-Krise regulär durchführen konnte. Ständerat Stefan Engler meinte, dass «die Krise in ein paar Jahren vielleicht gar als zentraler Katalysator für die Digitalisierung in der Bildung» angesehen werde. Auch Viktor Scharegg, Präsident der Bündner Gewerbeverbands sprach davon, dass die meisten Branchen «bisher mit einem blauen Auge davongekommen seien.» Er verwies in seiner Ansprache zudem auf die überregionale Bedeutung der ibW gerade auch mit den Standorten Sargans und Ziegelbrücke. HotellerieSuisse-Präsident Andreas Züllig blickte in seinem Referat dem bevorstehenden Winter für den Tourismus mit Sorge entgegen..

Martin Candinas ersetzt Stefan Engler

Personell gab es im Förderverein der ibW einen prominenten Wechsel zu verzeichnen: Für den zurückgetretenen Ständerat Stefan Engler übernimmt neu Nationalrat Martin Candinas das Präsidium des ibW-Fördervereins. «Es ehrt mich, dass ich dieses tolle Unternehmen acht Jahre lang begleiten durfte», so Engler in seiner Abschiedsrede, «die ibW ist wichtig. Es wäre ein grosser Verlust für Graubünden, wenn junge Berufsleute nach Zürich, St. Gallen oder Luzern reisen müssten, um sich weiterzubilden.» Englers Nachfolger Martin Candinas war bisher als Vorstandsmitglied im Trägerverein der ibW tätig – ersetzt wird er da durch Grossrat Severin Geisseler.

Severin Geisseler, Rico Monsch, Martin Candinas (v.l.n.r.).

Candinas freut sich auf seine neue Aufgabe, sieht ihr aber auch mit Respekt entgegen. Als ehemaliger ibW-Student im Lehrgang Sozialversicherungsfachmann mit eidgenössischem Fachausweis ist der Nationalrat allerdings überzeugt von seiner Aufgabe, Weiterbildungen an der ibW zu fördern. Neben Engler gab auch der Finanzverantwortliche des ibW-Fördervereins, Hans Geisseler, seinen Rücktritt bekannt.

 

(Bilder: zVg.)

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