Eine Bahnhoferöffnung in Lavin, ein Feuerwerk in Sagliains und ein Galadinner für die kleine Rote in Klosters: So lässt sich das Fest zum 20 Jahre alten Vereina zusammenfassen. Das einhellige Befinden lautet: Ohne Vereina wäre das Unterengadin nicht das, was es heute ist.

Wenn die RhB Party macht, dann macht sie es richtig. Dann wird alles aufgefahren, was man sehen will: Zum Beispiel den Pullman-Express. Sich eine kurze Fahrt von Lavin nach Klosters wie ein König fühlen, das gehört auch dazu. In Lavin liegt der Schnee schon hoch; Kinder schippen mit kleinen Schaufeln Schnee. Es ist eisig und kalt. In der Kälte stehen Not Carl und ein Freund, die ein Schild hochhalten, auf dem die Verlängerung der RhB-Strecke von Scuol nach Mals propagiert wird. Es ist das einzige Mal, dass diese Möglichkeit zur Sprache kommt.

In Lavin wird am Donnerstag später Nachmittag in der Mehrzweckhalle das Fest «20 Jahre Vereina» eröffnet. «Vor 20 Jahren wurde das Netz der RhB auf einen Schlag um 22 Kilometer verlängert», sagt Direktor Renato Fasciati. Seither war der Tunnel ununterbrochen in Betrieb.

Proteste gegen den Vereina

Der Gemeindepräsident von Zernez, zu der Lavin politisch gehört, spricht davon, dass ihn der Vereina politisch seit Jahren begleite. «Ich war am Durchstich dabei, ich war beim 10-jährigen Jubiläum dabei und ich bin jetzt dabei. Mein Fazit: Ich bin zu lange dabei», sagt Emil Müller. Seine erste politische Handlung als 18-Jähriger sei ein Protest gegen den Vereina gewesen. «Wir wollten die Flüelastrasse ausbauen. Aber ich wollte das als Töfffahrer, die anderen waren einfach gegen den Tunnel. Zum Glück haben wir nicht recht bekommen.» Später eröffnet Emil Müller zusammen mit Verwaltungsratspräsident Stefan Engler den neugebauten Bahnhof Lavin, der jetzt eine Unterführung hat, die direkt auf den Pausenplatz der Schule führt.

Die Gesellschaft, deren Frauenanteil im Promille-Bereich liegt, fährt mit dem Pullman nach Sagliains, wo ein Feuerwerk gezündet wird, das an die Arbeit der Mineure erinnert. Es wird entzündet, als die Gesellschaft von 10 rückwärts bis «Bumm!» zählt. Renato Fasciati zündet das Feuerwerk, es leuchtet den dahinter liegenden Berg an und da ist es wieder: Wenn die RhB eine Party feiert, dann feiert sie richtig.

Noch immer im Pullman-Express durchfährt die Gesellschaft, zu der viele illustre Namen gehören, die damals einen wichtigen Beitrag geleistet haben, zusammen den Vereina. Ja, man kann es sich nicht mehr vorstellen, wie es ohne sein könnte. Dass man für die Arbeit oder den Spatenstich auf der Südseite über das Albula-Tal fahren musste. Drei Stunden dauerte die Fahrt vor dem Vereina von Lavin nach Landquart. Heute ist man in drei Stunden in Bern.

Vieles in Klosters verändert

Dritte und letzte Station ist die Klosters Arena. Ein Dinner mit Tartar und Capaccio, mit Kalb, Nudeln und Steinpilzen, und zum Abschluss Beeren mit Merengue und Eis. Die hauseigene Blasmusik spielt, auf der Bühne werden über ein übergrosses Bild vom Vereina-Eingang Bilder aus vergangenen Zeiten projeziert. Moritz Leuenberger mit Leon Schlumpf. Mineure beim Durchstich. Es geht wirklich nicht: Sich vorzustellen wie es ohne Vereina wäre.

Stefan Engler spricht von der Erfolgsgeschichte. «Wir transportieren heute jährlich 1,5 Millionen Reisende durch den Vereina. Die Albula-Linie hätte diesen Zuwachs nicht bewältigen können.» Gemeindepräsident Kurt Steck spricht davon, dass «dieses Bauwerk vieles in Kloster verändert hat». Die touristischen Destinationen seien entscheidend näher gekommen. Regierungsrat Mario Cavigelli, der einen Tag zuvor Geburtstag gefeiert hatte, spricht davon, dass es wirklich schwierig sei, eine negative Stimme zu finden.

Eine Fee für eine Doppelspur

Die Party zum 20. Geburtstag des Vereina endete in Klosters mit einem Talk unter Vereina-Urgesteinen: Ex-Direktor Silvio Fasciati, Ex-Oberingenieur Willy Altermatt, Ex-Nationalrat Duri Bezzola und Stv-Direktor Christian Florin. Auch sie sind sich absolut im Klaren, dass es eine Welt ohne Vereina nicht geben kann. Dabei kamen interessante Dinge zu Tage: Silvio Fasciati beispielsweise besucht die Bergahorne, die bei der Eröffnung auf beiden Seiten gepflanzt wurden, auf der Engadiner Seite einmal im Jahr. «Der auf der Klosterser Seite wurde schon nach ein paar Tagen geköpft. Wir nehmen an, das waren Gegner des Tunnels.» Der Baum wurde selbstverständlich wieder gepflanzt. Es geht ihm gemäss Silvio Fasciati nicht so gut wie dem Bruder im Engadin.

Christian Florin, heutiger Leiter Infrastruktur, wünschte sich, «wäre eine Fee hier», eine Doppelspur im Tunnel. «Wir sind Opfer unseres Erfolgs geworden.» Aber wie er selbst bemerkte, war keine Fee da. Renato Fasciati sagte es so: «Wir sind am Ende des Fests, aber nicht am Ende der Entwicklungen.» Ob da eine Doppelspur im Vereina oder die Verlängerung nach Mals drin ist, muss noch dahin gestellt werden. Die Gesellschaft trennte sich: Die einen wieder durch den Vereina ins Engadin, die andere in Richtung Chur. Wenn die RhB Party macht, dann richtig.

(Bilder: GRHeute)