Der Muchetta, der Hausberg von Filisur, wird seit fast zwei Jahren regelmässig von Twitterern in Gedichten «besungen». Manchmal sind sie lustig, manchmal melancholisch, oft ist ein Foto dabei. Wer den richtigen Leuten folgt, hat bald einmal das Gefühl, der Muchetta sei beliebter als das Matterhorn.

Vor der Gemeindefusion von Filisur und Bergün verlief die Gemeindegrenze über dem Gipfel, wie Wikipedia zu entnehmen ist. Muchetta bedeutet auf Romanisch Löschütchen, seine Spitze liegt auf 2622,8 Meter über Meer.

Es gibt Tage, an denen sich die #Muchetta-Ambassadoren wahre Gedichte-Battles liefern. Als begeisterte Leserin sitzt man an solchen Tagen da und fragt sich: Woher nehmen die nur die Ideen her? Die Worte?

In Bergün und in Filisur, wo der Muchetta wie erwähnt als Hausberg gilt, ist er gemäss Gemeindepräsident Luzi C. Schütz nur sehr wenig bekannt. Der Grund: «Man sieht den Gipfel weder von Bergün noch von Filisur aus.» Nicht von ungefähr war Ständerat Stefan Engler einer der Begründer des Muchetta-Kults – man sieht ihn in Surava, wo Stefan Engler ein Haus besitzt, viel besser. Gleiches gilt auch für Thomas Kollegger, dem Leiter des Amtes für Gemeinden, der in Alvaneu zu Hause und einer der eifrigsten Muchetta-Barden ist.

Sowenig wie der Muchetta von Bergün und Filisur aus zu sehen ist, sowenig sind die Tweets über ihn in diesem Teil des Albulatals bekannt. «Aber diejenigen, die es kennen, haben grosse Freude daran», sagt Luzi C. Schutz, der jedes Jahr mindestens einmal auf den Muchetta wandert. Es gab einen Sommer, in dem er sogar 12 Mal oben war, aber das ist schon eine Weile her.

Man fragt sich, warum Graubünden Ferien, die Rhätische Bahn und auch die Gemeinde Bergün noch nicht auf die Idee gekommen sind, aus den Tweets ein Buch zu machen. Wie es sich für einen Berg, voll mit Gedichten, gehört. Natürlich bräuchte man das Einverständnis der Muchetta-Barden, es geht ja auch um Copyright und andere Fragen, die geklärt werden müssten. «Ich würde ja schon, aber ich möchte mich da auch nicht mit fremden Federn schmücken», sagt Luzi C. Schutz.

Ich sage: Vergesst das Landwasser-Viadukt (gibt es da Gedichte drüber?), vergesst was auch immer – das wahre Wahrzeichen von Graubünden ist der Muchetta. Und sollte niemals ein Büchlein daraus entstehen, empfehle ich den Twitter-Hashtag #Muchetta. Ein wahrlich königliches Vergnügen!

(Bild: GRHeute)