Die Bündner Grünliberalen wollen den vor vier Jahren verlorenen Sitz im Nationalrat zurückgewinnen. In den Ring steigt die Partei auch wieder mit alt-Nationalrat Josias Gasser, dem 65-jährigen Aushängeschild der Bündner GLP, wie das Regionaljournal von SRF gestern berichtete. Ohne ein «Päckli» mit der SP dürfte der Weg nach Bern aber schwierig werden.

Die Bündner Parteien bringen sich langsam in Stellung für die Parlamentswahlen vom nächsten Jahr. Derweil im Ständerat mit den bisherigen Bündner Vertretern Stefan Engler (CVP) und Martin Schmid (FDP) für keine andere Partei etwas zu holen ist, wird im Nationalrat ein Grosskampf erwartet. Vor acht Jahren hatte die FDP ihren Sitz überraschend an die Grünliberalen verloren: Josias Gasser profitierte damals von der Listenverbindung mit der SP und wurde prompt gewählt. Vor vier Jahren dann die Ernüchterung: Nach einem Zerwürfnis mit der SP half der GLP auch die Listenverbindung mit den Sozialisten nicht*. Prompt verlor Gasser seinen Sitz an die SVP, die mit Magdalena Martullo ein zweites Mandat gewann.

Kein Wunder, streben die Grünliberalen für die Wahlen 2019 wieder eine Allianz mit der SP an. «Diesmal sind wir früh dran und sind in den Diskussionen», bestätigt Parteipräsident Gaudenz Bavier, der selbst auch zusammen mit dem Unternehmer Jürg Kappeler und der Juristin Laura Oesch auf der GLP-Liste steht. Gasser selbst ist motiviert, wie er gegenüber dem Regionaljournal ausführte. «Ich fühle mich gesund, und habe viel Energie, natürlich erneuerbare», lacht der Unternehmer, der nun auch mehr Zeit habe, weil die Nachfolge in seinem Unternehmen in Haldenstein geregelt sei. 

Schlägt jetzt die Stunde für Jon Pult?

Für die SP selbst scheint Jon Pult, nachdem er sowohl 2011 und vor allem 2015 nur knapp gescheitert war, eine sichere Wahl zu sein. Die bisherige SP-Nationalrätin Silva Semadeni wird nicht mehr antreten. Die Sozialisten dürften aber zumindest Interesse daran haben, dem politischen Gegner SVP das zweite Mandat zu entreissen, selbst wenn dieses nicht an die eigene Partei fallen würde.

Die SVP selbst dürfte wieder mit den bisherigen Heinz Brand und Magdalena Martullo antreten. Die Tochter von SVP-Übervater Christoph Blocher, die bereits in ihrer ersten Legislatur regelmässig schweizweit mediale Präsenz erhielt, ist in der Rangordnung der nationalen SVP deutlich aufgestiegen. Die Ems-Chefin könnte auch ihren bisherigen Nationalratskollegen Heinz Brand, der vor vier Jahren noch als möglicher Bundesratskandidat gehandelt wurde, überflügeln. Brand, der gerade zum zweiten Vizepräsidenten des Nationalrates gewählt wurde, vertritt Graubünden seit sieben Jahren und würde bei einer Wiederwahl den Nationalrat 2021 turnusgemäss präsidieren – als erstem Bündner Vertreter nach rund 30 Jahren.

Viele Gelüste auf den zweiten SVP-Sitz

Auf den zweiten SVP-Sitz dürften es aber auch die FDP und die CVP abgesehen haben: CVP-Nationalrat Martin Candinas ist eine feste Grösse im Schweizer Politzirkus und dürfte problemlos wiedergewählt werden. Nach den Erfolgen bei den Regierungsratswahlen dürfte die Bündner CVP aber zumindest schüchtern mit einem zweiten Sitz liebäugeln. Auch die Nationalratsvorbereitungen der FDP haben Fahrt aufgenommen: Mit den Grossräten Vera Stiffler und Michael Pfäffli, sowie Andreas Züllig, Gastgeber des Hotels Schweizerhof auf der Lenzerheide, haben die Liberalen vor kurzem drei Kandidaten für die Hauptliste präsentiert.

Bleibt die BDP, die ihren Sitz an den letzten Nationalratswahlen mit dem  Engadiner Duri Campell verteidigte, in den letzten Jahren nicht zuletzt aber wegen des Baukartell-Skandals auch in Graubünden etwas in Schieflage geraten ist. Die Frage wird sein, ob sich die abtretende Regierungsrätin Barbara Janom, die kürzlich zur Präsidentin des Bankrats der Schweizerischen Nationalbank gewählt wurde, auf die BDP-Liste setzen lässt, um die vielleicht nötigen Stimmen für die BDP zu holen – mit der Gefahr, dass sie selbst ihren Parteikollegen aus Bern verdrängt. 

 

*Korrektur: Die GLP ging auch 2015 eine Listenverbindung mit der SP ein. Wir entschuldigen uns für den Fehler. 

 

(Bild: Josias Gasser wills nochmals wissen/zVg.)