Antonio Nigro mag eigentlich gar keinen Gin. Jetzt stehen in seinem Keller dutzende Flaschen davon – alle selbst gemacht. Einen «Cranich» für den Sommer und einen für den Winter. Einen, den auch Antonio Nigro mag. Erste Tastings verliefen vielversprechend.

Die Geschichte vom «Cranich» beginnt so: Antonio Nigro und sein Arbeitskollege Marco Crameri sassen beim Mittagessen und sprachen über Gin. Wobei Gespräch eventuell das falsche Wort ist: «Ich mag keinen Gin», sagt Antonio Nigro, «und Marco, der Gin-Kenner, schon.» Einige Minuten später stand der Plan fest: Die Männer wollen ihren eigenen Gin kreieren. Marco will Antonio beweisen, dass Gin gut sein kann, und Antonio will es sich selbst beweisen.

Die beiden Männer lernen in den nächsten Wochen ganz viel über die Zubereitung von Gin. Dass der Wacholder, die Kräuter und die Früchte, die im Alkohol lagern, «Botanicals» genannt werden. Mehrere Tage lang testeten die beiden Männer verschiedene «Botanicals» bis sie schliesslich die vorerst ideale Mischung gefunden hatten: «Ein Geheimrezept», sagt Antonio Nigro, «das verrate ich nicht.» Was ausser «Botanicals» sonst noch drin war: Ein Kristall, den Antonio Nigro oberhalb Disentis selbst gesucht hat.

Nur noch wenige Flaschen

Die Geschichte, die Antonio Nigro und Marco Crameri ein paar Wochen später bei einem ersten Guerilla-Tasting am Weihnachtsessen erzählten, geht so: «Wir haben einen Gin erfunden, den Antonio trinken kann. Eine Weihnachts-Edition mit Apfel und eine Sommer-Edition mit Orange.» Die Weihnachtsessen-Gäste teilten ihre Meinung: Von den 158 Flaschen ist die Hälfte schon weg. Auch wegen Mund-zu-Mund-Propaganda.

Die Geschichte, die eine Marketing-Klasse hören würde, geht so: Zwei Männer haben einen Gin in zwei Editionen erfunden. Für den Namen haben sie etwas spezielles gesucht und in der Zusammensetzung ihrer Namen gefunden: der Cranich. Cra(meri)ni(gro)ch. Das CH steht für die Schweiz, es ist ein Bündner Produkt von Bündnern gemacht. «Der Cranich ist ein sehr vielseitiges Tier. Er verbringt den Sommer an einem anderen Ort als den Winter und fliegt auf seiner Reise über die Schweiz», sagt Antonio Nigro. «Der Cranich steht für das Erhabene in der Natur und passt zu unseren ausgewählten Botanicals.» So wurde aus dem Gin der Cranich Gin. Eine Weihnachts-Edition, die man mit einem Apfelschnitz, und eine Sommer-Edition, die man mit einem Orangenschnitz und einem neutralen Tonic geniessen kann.

Die Geschichte, die wir hier leider erzählen müssen, geht so: Es hat fast keine Flaschen mehr. Einige wenige können noch unter cranich.ch bestellt werden.

(Bilder: zVg)

 

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