In einem schwierigen EM-Qualifikationsspiel tritt die Schweizer Football-Nationalmannschaft am Samstag um 18 Uhr an der Churer Ringstrasse gegen Österreich an. Die meisten Experten räumen der Schweiz geringe bis keine Chancen ein. GRHeute hat mit dem in Chur wohnhaften Headcoach Chris Winter gesprochen.

Chris Winter, Ihr tretet am Samstag im EM-Qualifikationsspiel gegen Österreich an, eines der besten Teams in Europa. Eine «Mission Impossible»?

Nein, das sehe ich nicht so. Ein hartes Stück Arbeit – sicher. Aber «Impossible» ist übertrieben.

 

Was sind die Stärken , bzw. Schwächen der Schweizer Nati?

Unsere Stärke ist, dass wir ein guten Mix aus ältere, erfahrene Spieler zusammen mit jungen, wilden Spieler haben. Dieser Mix aus Erfahrung und Energie ist sehr gut. Die Schwäche ist, dass uns ein paar sehr gute Spieler nicht zu Verfügung stehen. Aber ich denke, das ist nicht nur bei uns der Fall.

 

Was macht Österreich zu einem derart starken Gegner?

Da ihre Liga relativ einseitig und klein ist, haben sie viele Spieler von wenigen Teams, was bedeutet, sie kennen einander sehr gut und sind under Coach Shuan Fatah auch sehr gut gecoacht. Diese Kombination machte sie in den letzten Jahren zu einem der besten Teams Europas.

 

Die Churer Ringstrasse ist bekannt für die gute Football-Stimmung an den Broncos-Heimspielen. Was dürfen die Fans am Samstag vom EM-Qualifikationsspiel erwarten?

Es wird sicherlich eine gute Show geben. Wir haben nichts zu verlieren und Österreich will sicher den Erwartungen gerecht werden. Das ist ein Super-Rezept für ein interessantes Spiel.

 

Es sind auch diverse Broncos im Team der Schweizer Nationalmannschaft, vor allem in den Lines. Wie beurteilen Sie die Bündner Nationalspieler?

Wir sind natürlich sehr froh, dass die schweren Jungs ihrem OL-Coach Bastian Nau in die Nati gefolgt sind, um für ihr Land zu spielen. Sie haben mehr Erfahrung gegen solche Gegner als die meisten Spieler in der Schweiz, was natürlich sehr wertvoll ist.

Schweizer Trainingscamp vor zwei Wochen an der Oberen Au in Chur.

 

Der Schweizer Football ist an diversen Fronten auf dem Vormarsch, sowohl sportlich wie auch organisatorisch. Wie beurteilen Sie als Nationaltrainer die Situation im Football in der Schweiz?

Dem kann ich nur zustimmen. Es spielen Jahr für Jahr mehr Jungs – und Mädels – Football in der Schweiz. Die Zahl der Teams wächst rasant und damit auch die Popularität bei den Fans. Noch nie zuvor hatten wir ausserdem so viele Spieler, die im Ausland – vor allem in Colleges in den USA, aber auch Deutschland, Italien oder Frankreich – spielen.

 

Sie sind jetzt seit über 20 Jahren in der Schweiz, nachdem sie 1998 damals zu den Broncos gestossen sind. In der Folge haben Sie in Zürich eine Football-Dynastie gegründet und sind seit vielen Jahren wieder zurück in Graubünden und seit einigen Jahren als Schweizer Nationalcoach tätig. Wie hat sich der Football-Sport in der Schweiz aus Ihrer Sicht in den letzten 20 Jahren gewandelt?

Definitiv zum Guten. Wir sind haben hauptsächlich in Sachen Coaching enorme Fortschritte gemacht und das widerspiegelt sich bei den Spielern. Die Dichte an guten Teams, die vorne mitspielen, ist in unserer höchsten Liga eine Ausnahme in Europa.

 

Die ausgeloste EM-Qualigruppe mit Österreich und Italien ist für Sie als Coach trotzdem ziemlich brutal, oder? Wären einfachere Gruppengegner nicht willkommener gewesen?

Wir wollen wissen wo wir stehen und das sind genau solche Gegner, an denen wir uns messen wollen. Und nicht zu vergessen ist auch, Italien haben wir auch schon geschlagen.

 

Zu guter Letzt: Wie bereitet Ihr Euch nun die letzten Tage auf das grosse Spiel vor?

Wir hatten sehr gute Vorbereitungs-Camps und haben unsere Aufgaben gemacht. Jetzt müssen wir Theorie in Praxis umsetzen und sehen, was passiert. Wir geben alles und schauen am Samstag um 20:30 Uhr, was das Scoreboard anzeigt.

 

(Bilder: Sergio Brunetti/stockpix.it, GRHeute)