Der Lieblingsbuchstabe von Martin Candinas, ein Fachmann für Süsses und einmal Nein und zwei Mal Ja für die Kantonalen und Eidgenössischen Vorlagen: Die CVP hat ihr Wahlprozedere abgeschlossen.

Es hat etwas Sakrales, und es passt zur CVP und ihrer Delegiertenversammlung vom Mittwochabend in Landquart: Der Weber-Saal des Plantahof. Wie ein Fels erhebt er sich im Tal, und so sieht sich auch die CVP: «Wir wollen die zweitstärkste Partei im Kanton werden», sagt Parteipräsident Stefan Engler den 87 anwesenden Delegierten und gut zwei Dutzend Gästen. Der Wähleranteil soll von 16, 7 auf 18 Prozent wachsen.

Stefan Engler ist der Fels in der Partei, als Ständerat und -Kandidat unumstritten. Die Partei wählt ihn mit tosendem Applaus; ihm zur Seite werden im Nationalratswahlkampf, man weiss es bereits, Gianna Luzio, Yvonne Brigger, Carmelia Maissen, Franz Sepp Caluori und der bisherige Martin Candinas gestellt.

«Ein Fachmann für Süsses»

Die Kandidaten stellen sich gegenseitig vor: «Der Lieblingsbuchstabe von Martin Candinas ist L – wie Linus, Laurin und Lena», sagt Yvonne Brigger. Es sind die Namen der Kinder. Über Yvonne Brigger sagt Stefan Engler: «Yvonne Brigger kneift nicht. Sie ist eine Frau für schwierige Fälle.» Carmelia Maissen sagt über Stefan Engler: «Für dich ist Politik Dienst am Erfolgsmodell Schweiz.» «Franz Sepp Caluori ist Fachmann für Süsses», sagt Gianna Luzio, die ihrerseits von Martin Candinas gesagt bekommt: «Sie ist verwurzelt in Graubünden und bestens vernetzt in Bern.» Und Franz Sepp Caluori sagt über Carmelia Maissen: «Sie ist in guten Händen. Mehr Privates gibt es nicht.»

«I have a dream» singt ein Frauen-Duo, Celine und Fabienne Vetter aus Landquart, und da ist das Sakrale wieder: Der Weber-Saal hat eine unglaubliche Akkustik. Es ist das erste Mal an diesem Abend still im Saal. Das Duo schliesst seine Vorstelllung mit «Jede brucht si Insle» von Peter Reber, es soll ein Wunsch sein: Für Inseln in einer hektischen Wahlkampfzeit.

Wie die Kandidaten gewählt werden können, das bekamen die Anwesenden von Parteipräsident Gerhard Pfister persönlich zu hören: «Werfen sie unsere Listen unverändert hinein und panaschieren sie nicht wild in der Gegend herum.» Gerhard Pfister ist ein Alt-Disentiser; Stefan Engler war eine Klasse über ihm. «Das prägt fürs Leben», sagte er. «Ich schaue noch immer zu ihm hoch.»

Kuhhandel im Plantahof

Die CVP stimmte der Steuer- und AHV-Vorlage grossmehrheitlich zu. «Es besteht dringender Handlungsbedarf», hatte Gerhard Pfister argumentiert. Die Bevölkerung würde direkt profitieren. Ein Votant hatte zur allgemeinen Belustigung erklärt: «Im  Plantahof wurde zu einem guten Kuhhandel noch nie nein gesagt.»

Die Initiative zur Abschaffung der Sonderjagd soll nach dem Beschluss der CVP  abgelehnt werden. In einer von «Südostschweiz»-Redaktorin Ursina Straub geleiteten Podium hatten Renatus Casutt und Jakob Dönz allgemein bekannte Argumentationen für das Initiativkomitee; Robert Brunold und Nina Ganser für die Gegenseite präsentiert.

Er wollte, hatte Stefan Engler eingangs der Versammlung gesagt, um 20.45 Uhr fertig sein. Um 20.10 Uhr bat er darum, auch um 21.10 Uhr noch im Saal zu bleiben, «das Programm lässt es nicht anders zu.» «Ich entschuldige mich, dass ich das erste Mal in meiner Amtszeit überzogen habe», sagt Stefan Engler zum Schluss. Es ist 21.16 Uhr.

(Bild: GRHeute)