Was macht man, wenn die Schäfchen in grossen Herden die Kirche verlassen? Richtig: Man passt sich der Zeit an und wird digital. Wie die Reformierte Kirche Chur.

Die Mitgliederzahl der Reformierten Kirche in der Schweiz haben sich seit den 70er Jahren halbiert. Gleichzeitig ist die Zahl derer, die in Yogakurse und ins Pilates gehen,   gestiegen. «Abdriften in eine Ersatzreligion», nennt Präsident Curdin Mark das, «die Leute brauchen Gemeinschaft.»

Und was lernt die Reformierte Kirche daraus? «Wir müssen den Leuten zeigen, dass sie auch in der Kirche Gemeinschaft haben können», sagte Curdin Mark am Montag vor den Medien in der Comanderkirche in Chur. Die Strategie dazu: Auf digitalem Weg näher zu den Menschen. Aus der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde wurde schon im Reformationsjahr letztes Jahr die Reformierte Kirche Chur. Jetzt gab es noch ein neues Logo dazu: Es ist dreiteilig und lässt sich am ehesten als eine dreiteilige Ähre beschreiben. Die Bildsprache ist mit Händen gestaltet; sie soll vor allem Geborgenheit vermitteln.

Pilotprojekt für die Landeskirche

Nicht nur Name und Logo sind neu, auch die Website wurde den Gepflogenheiten der neuen Zeit angepasst: Aus 18 Bereichen wurden 7 Themenfelder in den Bereichen Gemeinde, Leben, Senioren, Familie, Jugend, Freizeit und Soziales. «Wir wollen die Menschen direkt ansprechen», sagt Curin Mark. Jede Zielgruppe soll ihr Angebot schnellstmöglichst finden. Es gibt einen Blog, in der Aktivitäten beschrieben und bebildert sind, und es gibt Informationen über Ansprechpersonen und Anlässe. Das Angebot ist gross und ansprechend aufbereitet – nicht umsonst gilt diese Umsetzung als Pilotprojekt für die Landeskirche.

Eine grosse Zielgruppe ist denn auch die Jugend von heute. Mit dem Lehrplan 21 haben die Kirchen nur noch eine Lektion Religion in der Schule. «Sie können mit der Kirche für das Leben lernen», sagte Paola Cotti-Maurizio, Vorstandsmitglied und zuständig für Bildung, Kinder und Jugend. «Wir wollen die religiöse Ausdrucksfähigkeit fördern, ein Bibelverständnis aufbauen und christliche Praxis entdecken.» In der Praxis sieht das so aus: Tageslager in den Ferien, ein Kinderlager in den Frühlingsferien, Mittagsaktivitäten und vieles mehr, ganz nach den Bedürfnissen der heutigen Zeit. »Die Kinder sind bei uns gut aufgehoben», sagte Paola Cotti-Maurizio.

Die Reformierte Kirche Chur besteht im Moment aus 11’300 Mitgliedern, 200 traten im letzten Jahr aus. In einigen Fällen handelt es sich um Todesfälle, andere traten bewusst aus. Der achtköpfige Vorstand besteht zur Hälfte aus Frauen. «Wir sind Online und mit allem bereit», fasste Curdin Mark die aktuelle Situation zusammen. «Wir sind aufgefordert, alle Massnahmen zu treffen, dass es wieder aufwärts geht.»

Die neue Seite findet sich hier: Reformierte Kirche Chur.

(Bilder: GRHeute)