Nach den von Skandalen geprägten Regierungsratswahlen 2018 stehen am 20. Oktober 2019 die Ständerats- und Nationalratswahlen bevor. Aus bündnerischer Sicht zeichnen sich interessante und spannende Wahlen ab. Ein kurzer Überblick.

Die Wahlen 2011 brachten insofern eine Überraschung, als die FDP ihr Mandat verlor. 2015 überraschte die SVP mit dem Gewinn eines zweiten Mandats. Im Ständerat wurden die beiden bisherigen Ständeräte Engler und Schmid in einer voraussehbaren und damit eher langweiligen Wahl bestätigt. 

Ständeratswahlen 2019

Die Ständeratswahlen 2019 dürften wohl weniger harmonisch verlaufen, auch wenn die Wiederwahl der bisherigen Ständeräte Engler und Schmid unbestritten erscheinen. Ob der Bauskandal, der die Regierungsratswahlen arg durcheinander schüttelte, wieder aufleben wird, bleibt offen. Ausschliessen kann man es nicht, nachdem beide Ständeräte enge Beziehungen zur Baubrache pflegten, bzw. pflegen. Auch die verschiedenen Mandate, die von den Kandidaten neben oder dank ihrem politischen Amt ausgeübt werden,  dürften zumindest Diskussionen über die Unabhängigkeit der Vertreter unseres Kantons in Bern auslösen. Allerdings dürften solche Diskussionen kaum wahlentscheidend sein, dies umso mehr, als sich kaum jemand finden wird, der als Kandidatin oder Kandidat gegen Engler/Schmid antreten wird. Vielleicht kommt es zu einem zweiten Auftritt des unabhängigen Künstlers Linard Bardill: Dies wäre aber wohl mehr eine Propagandaaktion in eigener Sache als eine ernsthafte Kandidatur, obwohl Bardill an den Regierungsratswahlen bereits ein überraschend gutes Resultat erreichte.

Nationalratswahlen 2019

Die Nationalratswahlen 2019 prägen einerseits personelle Fragen, anderseits die Frage, ob die FDP ihren an die SVP 2011 verlorenen Sitz zurückerobern kann. Aufgrund der aktuellen Umfragen zur Stärke der einzelnen Parteien, ist es durchaus denkbar, dass die FDP wieder in den Nationalrat einziehen wird. Allerdings darf man diesen Umfragewerten noch nicht zu grosse Bedeutung beimessen. Sie werden sich bis zu den Wahlen mehrmals in die eine oder andere Richtung verschieben.

Im personellen Bereich zeichnen sich folgende interessante Fragen bzw. Fakten ab:

  • Wird Jon Pult, der schon lange ein wichtiges politisches Amt anstrebt, endlich die Nachfolge von Silvia Semadeni antreten können? 
  • Solle die SVP einen Sitz verlieren: Trifft es Heinz Brand oder Magdalena Martullo?
  • Wird Barbara Janom versuchen, ihren etwas farblosen BDP-Parteikollegen Duri Campell in Bern abzulösen oder gar den zweiten SVP-Sitz angreifen? 
  • Wen wird die FdP als Spitzenkandidatin bzw. Spitzenkandidaten portieren? 
  • Keine Änderung wird es für die CVP geben: Medienliebling Martin Candinas wird es ohne Probleme wieder schaffen.
  • Und die Grünliberalen? Nachdem sie vor Jahren dank einer Listenverbindung mit der SP mit Josias Gasser für eine Amtperiode ein Mandat gewonnen haben, sind sie zuletzt von der Bildfläche verschwunden – bis sie kürzlich ankündigte, antreten zu wollen. Kron-Favorit: Der 2015 abgewählte Ex-Nationalrat Josias Gasser. Allerdings kann die GLP wohl nur von einem Mandat träumen, wenn sie wie 2011 von der SP unterstützt würde. In diesem Fall allerdings dürfte es Parteipräsident Gaudenz Bavier noch schwerer haben, die Grünliberalen als bürgerliche Partei zu profilieren.

GRHeute und die Wahlen 2019

Die heutige Ausgangslage für die Wahlen 2019 zeigt noch viele Fragen auf. Entscheidend wird sein, welche Themen die Wahlen beherrschen werden und die Entwicklung des Images der einzelnen Parteien bis zu den Wahlen. GRHeute wird bis zu den Wahlen regelmässig über den Formstand und die Chancen der einzelnen Parteien berichten. 

 

(Bild: GRHeute)