2006 wurde von ein paar Filmfreaks aus Zug ein Experiment gestartet. Sie wollten unter dem Leitsatz «Tauschen statt Kaufen» eine Plattform starten. Es war zwei Jahre später, als ich die Webseite entdeckte. Seit diesem Tag bin ich stolzer Exsilianer.

Exsila.ch bot von Anfang an ein System an, das mir persönlich sehr zusagte. Die Sammelwut, welche ich von meinem Grossvater geerbt hatte, nahm nämlich in meiner Jugendzeit erhebliche Ausmasse an. Bei Exsila konnte man anfangs DVDs und CDs, die in den Regalen begonnen hatten zu verstauben, mit einer raschen und simplen Technik anbieten.

Denn anders als bei anderen Anbietern genügte das Abtippen des EANs des Produktes und es konnte losgehen. Vorbei waren die Zeiten, des mühsamen Produktbeschriebs, der Suche von irgendwelchen Bildern und vor allem, der Wichtigste aller Gründe, das monatliche Bezahlen von überhöhten Rechnungen für etwas, das man schlicht und ergreifend fast nicht mehr los wurde. Exsila war frischer, cooler und völlig unkompliziert in der Bedienung. Die ganze Geschichte war zu Anfang noch nur auf Punkte aufgebaut und deshalb eigentlich gratis. So gingen alte Waren von mir zur Zweitnutzung an andere Sammler und ich fand mit den Punkten, vergriffene Tonträger, von denen ich mir niemals erträumt hätte, sie jemals zu besitzen.

Seit dem Beginn ist zwar einige Zeit vergangen und doch hielt der Vorstand von Exsila seine treue Anhängerschaft niemals zum Narren und/oder mutierten zu Goldgräbern. Heute zahlt man einen minimalen Betrag, aber erst wenn man wirklich etwas verkauft hat.

Trotz dieser bewundernswerten Einstellung des Exsila-Teams sind sie heute erfolgreicher denn jemals zuvor. Doch was steckt alles hinter Exsila? Wir haben direkt beim Geschäftsführer Remo Uherek nachgefragt.

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Herzlichen Glückwunsch zum 10. Geburtstag! Hättet ihr euch das zu Beginn erträumen lassen, dass es Exsila so lange geben würde?

Wenn man bedenkt, dass ein grosser Teil der Neugründungen das fünfte Jahr nicht überlebt, sind wir natürlich schon etwas stolz. Das 10-jährige Jubiläum feiern zu dürfen, ist etwas ganz Besonders. Es zeigt aber auch, dass das Tauschen ein echtes und langfristiges Bedürfnis ist.

Ihr wurdet an eurem Jubiläumstag Ende August regelrecht überrannt. Was ist da passiert?
Unseren Geburtstag feierten wir mit einer 24h-Aktion. Wir riefen alle Schweizer auf, ihre Wohnungen zu räumen und ungebrauchte Dinge bei unserer Tauschbörse anzubieten. An nur einem Tag wurden 40’000 neue Angebote eingestellt und 8’000 Bestellungen ausgelöst. Die Aktivität war 40-mal höher als an einem durchschnittlichen Tag. Unsere Server sind fast zusammengebrochen.

Wie erklärt ihr euch euren anhaltenden Erfolg?
Weniger Konsum, mehr Nachhaltigkeit und schonender Umgang mit der Natur. Das wünscht sich jeder. Und warum wegwerfen, wenn man es noch brauchen kann? In diesem Spannungsfeld bewegt sich Exsila. Für viele unserer Mitglieder gehört es zum Lebensstil, ungebrauchte Dinge in den Kreislauf zurückzugeben.

Zwei clevere Innovationen waren entscheidend: Zum einen ist die Nutzung unserer Plattform extrem einfach. Strichcode abtippen bzw. mit App scannen genügt und schon hat man ein Buch oder einen Film angeboten. Zum anderen wird bei uns mit der virtuellen Tauschwährung «Exsila-Punkte» gehandelt. Dies ermöglicht ein nicht-kommerzielles Tauschgefühl, und sorgt dafür, dass der Warenumlauf hoch ist. Denn, eine virtuelle Währung wird viel schneller ausgegeben, als echtes Geld. Viele Exsilaner sind erstaunt, wie schnell sie ihre alten Sachen bei uns loswerden. Das ist wohl unser Geheimnis: Es funktioniert einfach!

Ihr feiert grosse Erfolge mit kleinem Team. Müsst ihr bald ausbauen, personell?
Exsila wird von einem sehr kleinen, leidenschaftlichen Team betrieben. Kürzlich haben wir unser Team mit zwei App-Entwicklern erweitert, da unsere Zukunft ganz klar mobil und lokal ist. Insgesamt sind wir aktuell 7 Leute. Effizienz und schlanke Strukturen sind uns sehr wichtig.

Wie finanziert sich Exsila eigentlich? Ihr nehmt ja fast nichts von den Usern?
Neben der Erhebung einer kleinen Tauschgebühr finanzieren wir uns massgeblich durch den Verkauf von Exsila-Punkten. Wer zu wenig Exsila-Punkte hat, kann diese bei uns zu speziell guten Konditionen kaufen. Dies wird von jenen Mitgliedern gerne genutzt, die mehr kaufen als verkaufen möchten.

Das Punktesystem von Exsila ist nicht tot zu kriegen. Würdet ihr ein solches System auch bei anderen Geschäftsmodellen sehen?
Unser Punktesystem funktioniert in der Tat sehr gut. Sicherlich könnte man so ein System auch in anderen Bereichen anwenden. Auf eine virtuelle Währung zu setzen war wohl die wichtigste Entscheidung, die wir je getroffen haben.

Wie viele Menschen aus Graubünden haben einen aktiven Exsila-Account?
In Graubünden, wie auch in den meisten anderen Teilen der Schweiz, haben wir tausende aktive Mitglieder. Die Durchdringung von Exsila erstaunt mich immer wieder. So wohnen an meiner eigenen Strasse in Basel 17 aktive Exsilaner.

Wird es Exsila irgendwann auch mal im Ausland geben?
Aktuell konzentrieren wir uns auf die Deutschschweiz. Es gibt hier noch so viele Menschen, die Exsila nicht kennen. Und so viel Material in Kellern und Schubladen, welches bei uns getauscht werden könnte. Ich bin überzeugt, dass die Anzahl Transaktionen, allein in der Deutschschweiz, verzehnfacht werden können.

Was war das kurioseste Ding, das jemals über eure Webseite verkauft wurde?
Kürzlich wurde ein Gugelhupf aus Beton verkauft. Das Verrückte an Exsila ist: Vieles was man einstellt, wird tatsächlich gekauft. Weil unser Punktesystem zu Spontankäufen anregt. Ich selber habe kürzlich eine Steckdose aus dem OBI, die ich fehlerhaft gekauft habe, und eine geschenkte LED-Laterne verkauft. Bei der letzten Aktion hat eine Person übrigens 200 Barbie Puppen an einem Tag eingestellt. Dutzende davon wurden sofort bestellt.

Welche Produkte kriegt man aktuell über Exsila?
Sehr stark sind wir in den Bereichen Bücher, Filme, Musik und Games. Inzwischen kann man jedoch auch Elektronik, Kleidung, Spielzeug und vieles mehr bei uns tauschen.

Sind auch Produkte aus dem Lebensmittelbereich geplant?
Die Kategorie Verschiedenes ist unser Experimentierfeld. Dort können Exsilaner alles anbieten, was sonst nirgends reinpasst. Sobald wir sehen, dass ein Bereich besonders gut läuft, gliedern wir diesen in eine eigene Kategorie aus. Es sind auch schon Lebensmittel angeboten worden, aber erst in kleinem Umfang.

In eurem Jubiläumsjahr habt ihr einige Spezialaktionen auf dem Programm. Was sind die nächsten Highlights?
Da die letzte 24h-Aktion so gut funktioniert hat, werden wir dieses Format jetzt sicherlich häufiger einsetzen. Manchmal braucht es einfach eine Aktion oder ein spielerisches Element, um Menschen zum Handeln zu bewegen. Ein grosses Highlight wird die Weiterentwicklung unserer App. Alle paar Wochen erweitern wir den Funktionsumfang.

Was für Tipps gebt ihr anderen Jungunternehmern mit auf den Weg?
Mutig sein. Sich nicht beirren lassen. Einige Experten waren überzeugt, dass unser Punktesystem nicht funktionieren würde. Wir haben es trotzdem gemacht und das Gegenteil bewiesen. Und natürlich muss man auch seine Kunden beobachten: Nur weil jemand sagt, er würde ein Produkt kaufen, heisst es nicht, dass er es auch tut. Deshalb messen wir uns an der rohen Aktivität unserer Mitglieder: Wie viele Angebote werden eingestellt? Wie viele Bestellungen werden ausgelöst? Nur so können wir sehen, ob Exsila einem echten Bedürfnis entspricht. Und dies können wir ganz klar bejahen!

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Jetzt reinschauen auf www.exsila.ch und tauschen, bis alle Regale auseinander fallen.