Die FA Raetia hat das sehr faire Freundschaftsspiel gegen eine Auswahl von Flüchtlingen aus Chur mit 11:1 für sich entschieden.

Es regnet und ein kalter Wind bläst durch Chur. Das Ringstrasse Stadion hat schon vieles erlebt. Ob dies heute eine Premiere ist, dass Flüchtlinge mit einem Status N (Asylsuchende im Asylverfahren) Ausweis hier einen Match bestreiten, mag gut sein.

Die Spieler der Fussball-Auswahl Raetia sind zahlreich erschienen. Der Coach Pascal Amrein kann also aus einer ordentlichen Anzahl von guten lokalen Spieler schöpfen.

Pünktlich um 13:30 treffen die Gäste aus dem Erstaufnahme-Zentrum Chur Foral an der Ringstrasse ein. Ismael Karak, ein gut gekleideter Herr Mitte 40, führt die Gruppen an. Der erste Eindruck, den er mir verleiht, ist wie ein Secondo, der das Heim leitet. Doch auch er ist Asylsuchender Staus N. Wir unterhalten uns auf Englisch, Französisch und Deutsch. Fehlende Schuhe, Schoner und ein kompletter Trikot-Satz erhalten die Gäste von der FA Raetia. Jeder Spieler der FA Raetia hat seine Sachen mitgebracht, die er nicht mehr braucht. Natürlich dürfen die Flüchtlinge diese Ausrüstung behalten.

Bei der Aufstellung erklingt «A Tgalavaira» die raetische Nationalhymne, live gesungen von Giuliana Felix. Der Regen hat aufgehört und die Sonne versucht durch die Wolken zu brechen.

Das Spiel geht los, beide Seiten tasten den Gegner ab. Schnell wird klar, dass die Gäste aus Afghanistan und Syrien sich technisch nicht verstecken müssen. In der 15. Minute fällt das 1:0 für Raetia. Bis zur Pause folgen zwei weitere Tore für die FA Raetia. Die Flüchtlingsmannschaft kann zwar ordentlich tschutten, aber das Zusammenspiel ist schwierig.

Nach der Pause lassen die Kräfte bei den Gästen doch etwas nach. Coach Ismael Karak erklärt mir nach dem Match, dass gut die Hälfte der Spieler im Ramadan sind. Bis zur 89. Minuten kann die FA Raetia auf 11:0 erhöhen. In der 90. Minute fällt dann doch noch der befreiende Ehrentreffer für die Gäste. Schlusspfiff – der Schuh des Benedikt geht auch dieses Jahr an die FA Raetia.

Schuh Kopie

Diese Tatsache ist für Coach Karak keinen Grund für Trübsal. Seine Mannschaft verbringt hier einen sportlich anerkennenden Nachmittag. Seine Spieler, wie z.B. Hussein und Hosseini, haben in ihrer Heimat vor dem Krieg in einem Club der lokalen Liga Fussball gespielt. Karak selbst war in seiner Heimat als Coach und Journalist tätig. Eloquent meint er: «Das Resultat spielt eine nicht so grosse Rolle, wichtig sind die zufriedenen Spieler».

Im Restaurant Sportplatz hat der FA Raetia Präsident Yacine Azzouz für die Gäste reserviert – sie sind eingeladen.

Gruppe Kopie

 

(Bilder: zVg.)