Gestern hat in der türkischen Hauptstadt ein Autobombenanschlag auf einen Militärkonvoi mindestens 28 Todesopfer gefordert. Die Verantwortlichen konnten noch nicht ermittelt werden.

Erinnerungen an den 10. Oktober des letzten Jahres werden wach. Damals erschütterte der schwerste Terroranschlag in der Geschichte der Türkei die Hauptstadt Ankara und forderte 102 Todesopfer und hunderte Verletzte. Zu der Tat bekannt hatte sich der «Islamische Staat». Gestern kam es zu einem weiteren Terroranschlag in der Nähe eines Militärstützpunktes. Die Täter zündeten ersten Einschätzungen zufolge eine Autobombe in unmittelbarer Nähe zu Bussen der türkischen Armee. Etwa um 18:30 Uhr, mitten im Berufsverkehr, fielen dem Anschlag mindestens fünf Soldaten und 23 Zivilisten zum Opfer, mindestens 45 Personen wurden verletzt.

Ministerpräsident Davutoğlu verurteilte den terroristischen Angriff und sagte seine Reise zum EU-Gipfel in Brüssel ab, bei welchem auch die Flüchtlingskrise thematisiert werden sollte. Auch Staatspräsident Erdogan verschob seine Reise nach Aserbaidschan.

Die Sicherheitslage in der Türkei wird zunehmend instabiler: Nach dem Anschlag im Oktober wurden im Januar zehn Deutsche in der Nähe der Blauen Moschee von einem Selbstmordattentäter getötet. Für die Verschärfung der Sicherheitslage ist eindeutig der IS Hauptverantwortlicher. Im Sommer kam allerdings der Friedensprozess zwischen Kurden und der Türkei zum Erliegen. Seit dem neu entflammten Konflikt mit der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK verübt auch diese immer wieder Anschläge auf türkische Sicherheitskräfte.

Für mutmassliche Schuldzuweisungen ist es noch zu früh. Trotzdem lässt sich aus der fragilen Sicherheitslage in der Türkei ein Fazit ziehen: Der neueste Anschlag verdeutlich einmal mehr, dass die Türkei ihren Kampf auf eine Konfliktpartei des syrischen Bürgerkrieges (namentlich den IS) konzentrieren sollte, statt die Instabilität der Region zu einem Rundumschlag gegen alte Feinde zu nutzen. Die Kurden sind wertvolle Verbündete der Anti-IS-Koalition, genauso wie die Türkei, und interne Auseinandersetzungen verzögern nur die endgültige Niederlage der Terrormiliz.

 

(Bild: Getty Images)