Der Klima-Aktivist Dario Schwörer und seine Frau Sabine sitzen derzeit in der Schweiz fest. Spätestens Ende November wollen sie wieder zurück nach San Diego zu ihrem Segelboot – und dann ab in die Arktis.

Der grosse Knall, der alles veränderte, kam an einem Strand in San Diego. Dario Schwörer, seine Frau Sabine und ihre Kinder Salina, Andri, Noe und Alegra gaben ein Fest – ein Dankeschön für all die Lehrer, mit denen sie während ihrer Zeit an der Westküste Amerikas zusammen gearbeitet hatten. Der «Knall» zerriss die Achillessehne von Dario Schwörers linkem Fuss. Sechs Stunden später waren die Schwörers nicht auf der Weiterreise  in die Arktis, sondern auf dem Flug in ein Spital in Rheinfelden AG, wohin ein Freund von Dario den Bergführer vermittelt hatte.

Die absolvierte Route der Schwörers.

Die absolvierte Route der Schwörers.

Monate später sitzen die Schwörers noch immer in der Schweiz fest. Der Fuss, das Werkzeug eines jeden Bergführers, lässt sich mit der Heilung Zeit. Die Kinder besuchen erstmals in ihrem Leben Schweizer Schulen, und von der Terrasse eines Hauses im Unterengadiner Dörfchen Vnà, wo die Schwörers zum Kaffee zu Gast sind, lässt Andri, der Zweitälteste, mit zwei Seilen und einem Brett eine Schaukel die Wand hinab. Noe fährt mit einem Like-a-Bike hin und her und will die Sekunden zählen; Salina kümmert sich um ein ebenfalls anwesendes Baby und Alegra spielt mit zwei gleichaltrigen Jungs mit einer Raupe.

Die Idylle ist perfekt; und Dario Schwörer würde am liebsten in Vnà bleiben. Hier war er als Kind oft; er läge den Bergen, die er so sehr liebt, praktisch vor den Füssen. Aber auch hier, in der hintersten Ecke Graubündens, auf fast 2000 Metern, werden die Häuser immer teurer. Dario Schwörer arbeitet unterwegs immer wieder als Bergführer. Die unentgeltlichen Vorträgen und Workshops, die er auf der ganzen Welt an Schulen hält, wären ohne die Unterstützung von Sponsoren nicht möglich. Die Mission der Schwörers: die Welt zu einem sauberen Platz zu machen. Schüler, Erwachsene – allen soll bewusst werden, welche Ressourcen jeden Tag kaputt gehen. Und wie man die Erde nur ein kleines Stück besser machen könnte.

DarioKäptn

Das Boot, die Pachamama, der Lebensmittelpunkt der Schwörers, liegt ebenfalls fest – im Hafen von San Diego. Einen grossen Plan haben sie noch: von Pol zu Pol: durch die Arktis und dann zum Mount Vinson in der Antarktis. Drei Jahre hatten sie sich vor dem grossen Knall am Hafen von San Diego darauf vorbereitet, lebten zwei Jahre in Alaska. Die Bedingungen für eine derartige Expedition müssen stimmen: Die Packeis-Verhältnisse müssen stimmen, der Wind muss stimmen, die Kondition muss stimmen.

Der Kondition geht es derzeit nicht gut. Im Spital in Rheinfelden gab es Komplikationen; aus Platzmangel kam Dario Schwörer auf die Geburtsabteilung, wo aus noch ungeklärten Gründen vergessen ging, den Druckverband zu wechseln. Die Schmerzen wurden im Halbstundenstakt stärker, selbst Opiate nutzten nichts. Das Bein wurde nicht richtig durchblutet. In den nächsten Tagen wurde die Wunde schwarz, bei der Aufarbeitung der Umstände waren Dokumente plötzlich verschwunden. Das Bein des Bergführers ist ein Sicherheitsrisiko geworden – ohne eigene Schuld. Doch die Schwörers geben nicht auf, noch drei Jahre wollen sie als Freiwillige im Projekt mitwirken, dann wollen sie sesshaft werden. Am liebsten in Vnà.

Familie

Fragt man die Kinder, wo sie lieber wären, auf einem Schiff im Meer oder hier in der Schweiz in einem kleinen Dorf in den Bergen, so wählen sie derzeit das Schiff. «Für die Kinder ist es einfacher, den Ort immer und immer wieder zu wechseln. Sabine und mir fehlt ein Daheim», sagt Schwörer. Seine Kinder sprechen fliessend Englisch; unterrichtet werden sie entweder in öffentlichen Schulen vor Ort, von den Eltern oder ab und zu von einem Lehrer, der das Projekt begleitet. «Ich hoffe sehr, dass sie irgendwann keine Nachteile haben, weil ihre Eltern diese Furzidee mit der Weltumsegelung hatten», sagt Schwörer.

Bis Ende November, so hoffen die Klima-Aktivisten, können sie wieder zurück nach Amerika, auf ihr Schiff, in ihr altes Leben. Wo Alegra mit zwei Jahren das erste Mal Schuhe trug, Andri von einem Fischer Geige spielen lernte und Noe weiterhin seine Abseil-Experimente durchführt. Dann mit einem kleinen Geschwister, dem sie das Leben mit Wind und Wellen, Rückschlägen und Erfolgen beibringen können. Und auch wenn Schreiben und Lesen manchmal zu kurz kommen, die wichtigste Lektion haben alle Schwörers gelernt: Wenn man auf sich allein gestellt ist, dann wächst der Zusammenhalt. Und die Schwörers, da sind sich alle Familienmitglieder einig, sind eine eingeschworene Gemeinschaft.

Die «TOP to TOP Climate Expedition» startete 1999 in der Schweiz – zu Fuss stiegen Dario und Sabine Schwörer auf jeden höchsten Gipfel der Schweizer Kantone.

KarteStart

Die Reise ging weiter in alle Klimazonen unserer Erde und auf jeden höchsten Gipfel jedes Kontinents. Wichtig dabei: Klimaneutral reisen. Zu Fuss, per Velo oder per Segelschiff. In über 100 Ländern haben die Schwörers über 80 000 Schülerinnen und Schüler besucht.

Ein nächster Halt findet am Sonntag, 25. Oktober um 19 Uhr im Kursaal Bad Ragaz statt. Der Eintritt ist für Mitglieder des SAC Piz Sol gratis; für andere Besucher gibt es eine Kollekte.

Wer mehr über die Schwörers wissen will, findet Infos unter www.toptotop.org. Videos aus den verschiedensten Destinationen der Welt gibt es auf dem Videokanal auf der Top-to-Top-Facebook-Seite. Einen Vorgeschmack gibts im folgenden Video, wo auch die Kinder der Schwörers auf hoher See zu sehen sind. Was für eine Familie!

TOPtoTOP north-pacific-crossing teaser-nic from TOPtoTOP on Vimeo.