Der HCD hat es am Sonntagabend verpasst, erstmals in der Klubgeschichte Schweizer Cupsieger zu werden. Die Bündner verloren in Lausanne den Final gegen das völlig entfesselte, zweitklassige Ajoie mit 3:7. Eine herbe Enttäuschung, weil der HCD den Sieg unbedingt wollte und am Ende von einer Lawine jurassischer Emotionen überfahren wurde. 

Nach dem missglückten Spengler Cup und der bitteren Cupfinal-Niederlage bleibt dem HCD nur noch eine – ungleich schwierigere – Möglichkeit, dieses Jahr einen Titel zu gewinnen (nicht dass man vor Saisonbeginn unbedingt damit gerechnet hätte). Die Niederlage tut weh, weil sie der HCD mit vielen unnötigen Strafen, die zu fünf Gegentreffern führten, selbst zuzuschreiben hat. Dabei wäre ein Sieg einiges wert gewesen. Er hätte die Rückkehr des HC Davos in diesem Jahr ins «Schweizer Hockey-Geschäft» symbolisiert, eine erste Krone auf die Premieren-Saison der neuen Trainer Christian Wohlwend und Manager Raeto Raffainer, die es mit ihrer Staff geschafft haben, den HCD in kürzester Zeit in eine moderne Sport-Organisation umzuformen. Dass es im Jahr 1 seit der Legende Arno del Curto gar zu einem Titel reichen würde? Das wär schon was gewesen. 

 

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Sportlich ist der Schweizer Cup und damit auch die sonntägliche Niederlage als mässig bedeutend einzustufen. Im Schweizer Eishockey gilt in erster, zweiter und dritter Linie die Meisterschaft. Die Playoff-Qualifikation ist für alle Teams immer das erste Saisonziel. Dann folgt eine erfolgreiche Regular Season, die möglichst mit dem Überstehen der Viertelfinals ihre Fortsetzung findet.

Die Playoff-Quali hat der HCD schon fast auf sicher, auch für das Playoff-Heimrecht (bei einem Platz in den Top 4) sind die Bündner in einer guten Ausgangslage: Der Vorsprung auf Lausanne beträgt zehn Runden vor Ende der Regular Season sechs Punkte. Ein Jahr nach dem grausigen Gang in die Playouts ist die Saison so oder so ein beachtlicher, wenn nicht gar grosser Erfolg, den so niemand auf der Rechnung gehabt hat. Und gelänge nach der Playoff-Qualifikation im März gar der Einzug in die Halbfinals, dann könnte man ohne übertreiben vom Schweizer Teamsport-Comeback des Jahres sprechen.  

 
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Der Spengler Cup und auch der Schweizer Cup sind lohnenswerte «Sidekicks» in der Hockey-Saison, nicht mehr und nicht weniger. Dass HCD-Trainer Christian Wohlwend am Spengler Cup nicht alle Ressourcen für einen Erfolg ins Turnier warf, spricht eine klare Sprache: Es ist zwar sportlich sehr wertvoll, sich in einem Turnier gegen Weltklasse-Mannschaften durchzusetzen, alles andere als ein Sieg am Spengler Cup interessiert aber niemanden. Und wenn die Interessensabwägung ergibt, dass die Chancen auf einen Spengler-Cup-Sieg kleiner sind als der Nutzen für den weiteren Meisterschaftsverlauf, ist der Fall klar, wo der Trainer seine Prioritäten setzt.

Dasselbe gilt für den Cup: Verliert man, ists für keine Mannschaft wirklich schlimm. Wir erinnern uns noch gut daran, wie der HCD unter ADC den Schweizer Cup noch vor wenigen Jahren praktisch boykottierte. Unter der neuen Staff hat sich dies allerdings etwas geändert. Und steht man dann im Final, dann will man natürlich auch den Pott. Und sicher nicht vor ausverkauftem, ekstatischem Haus gegen einen Unterklassigen untergehen. Diese Niederlage abzuhaken dürfte deshalb nicht ganz leicht werden (zumal es die dritte in Folge ist). Dem HCD bleibt nichts anderes übrig, als sich auf sein wichtigstes Saisonziel zu fokussieren: Playoffs first. 

 

 
 
(Bild: Screenshot SRF)