In einer Dienstagsausgabe im Bündner Tagblatt im März schrieb Patricia Deflorin: Digitale Transformation: Wie die Industrie und der Tourismus voneinander profitieren können. In diesem Gastkommentar wird am Beispiel der Laax Inside App beschrieben, was alles mit einem Klick auf die entsprechende App bestellt werden kann und wie dadurch der Kundennutzen erhöht wird. Schön und gut, die Digitalisierung hat ihre Vorteile, aber auch ihre Nachteile. 

Kürzlich wollte ich in besagter Destination an der Talstation der Bergbahnen in Flims einen Kaffee trinken. Beim Bestellen wurde ich darauf hingewiesen, dass hier «online ordering» gilt, was so viel heisst wie: Es kann nur online bestellen werden. Da ich mein Handy nicht ständig bei mir trage und nicht 24 Stunden online bin, musste meine Tochter den Kaffee für mich bestellen. Soviel zum Kundennutzen. 

Im erwähnten Artikel wird weiter beschrieben, wie die Unternehmen auf die Erleichterung des Handels mittels Digitalisierung setzen. Die digitalen Plattformen bieten im Internet alles an, Amazon und Zalando lassen grüssen. Es werden dadurch zwar neue Arbeitsplätze geschaffen, die Löhne der Mitarbeitenden dieser Firmen bewegen sich jedoch am Existenzminimum. 

Das Geschäftsmodell bei Zalando basiert auf der kostenfreien Zustellung der Güter. Dies hat zur Folge, dass der Kunde von zehn verschiedenen Artikeln neun wieder retournieren kann. Diese Artikel werden nicht per Bahn geliefert, sondern von Firmen, die sich mit entsprechend grossen Fahrzeugen auf schnelle Zulieferung spezialisiert haben und meist mit übersetztem Tempo von Kunde zu Kunde rasen. Was dies bei Millionen von Paketen weltweit für Auswirkungen für den Detailhandel und für die Umwelt hat, ist dem Kunden meist egal. Hauptsache schnell und billig. 

Wir haben erlebt, wie beispielsweise der Streaming-Dienst für Musik oder Videos den Detailhandel in der Musik- und Filmindustrie ruiniert hat. Wir erleben heute, wie die fortschreitende Digitalisierung den Detailhandel zerstört und damit Arbeitsplätze gefährdet. Skis werden im Internet bestellt und dann dem Sporthändler zur Montage gebracht. Ich kenne keinen Sporthändler, der vom Anpassen der Skibindungen leben kann. 

In den Lobhudeleien der Digitalisierung wird immer erwähnt, wie hochwertige Arbeitsplätze geschaffen werden. Welche Arbeitsplätze für weniger gut ausgebildete Menschen verloren gehen, wird verschwiegen. Nicht zu sprechen von der fehlenden Internalisierung der externen Kosten. 

Glücklicherweise hat unser Bundesparlament die Zeichen der Zeit erkannt und nimmt Einfluss auf die digitalen Anbieter, so beispielsweise bei «Booking.com» oder wie kürzlich mit der Besteuerung von Artikel aus China. Diese Anbieter haben bis jetzt keine Mehrwertsteuer bezahlt und dem Bund sind über 100 Millionen Franken pro Jahr entgangen.  

 

Am 20. Oktober wird in der Schweiz das neue Parlament gewählt. Im Politforum von GRHeute diskutieren bis zu den Wahlen verschiedene Kandidaten über Themen, die ihnen unter den Nägeln brennen. Heute: GLP-Nationalratskandidat Gaudenz Bavier.

 

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