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Als es drauf an kam, hat der HC Davos geliefert: Die Bündner liessen im Playout-Final gegen Rapperswil-Jona nie das grosse Zittern aufkommen, siegten am Donnerstagabend im Spiel 5 mit 3:1 und gewannen die Serie mit 4:1. Damit hat der HCD den Ligaerhalt letztlich souverän geschafft. Ein Kommentar.

Der HC Davos war über die ganze Serie gesehen die bessere Mannschaft als die SCRJ Lakers und bleibt verdient in der National League: Auch wenn am Donnerstagabend Youngster Yannick Frehner mit zwei Toren zum Matchwinner des Rekordmeisters avancierte, waren es am Ende die arrivierten Kräfte, die in der gesamten Serie den Unterschied ausmachten: Captain Andres Ambühl und Verteidiger Felicien DuBois überzeugten in den fünf Playout-Spielen mit insgesamt je sechs Skorerpunkten. Die offensiven Söldner Perttu Lindgren und Anton Rödin steuerten vier, bzw. fünf Punkte bei, je drei beim vorentscheidenden 5:3-Auswärtssieg vom Dienstag in Rapperswil. Und auch weitere Routiniers wie Enzo Corvi (vier Punkte, gestern mit dem finalen Saisontor zum 3:1), Marc Wieser und Inti Pestoni (je drei Punkten in den Playouts) bastelten tatkräftig an der Mission Ligaerhalt mit.

Zwei Auswärtssiege stellten die Weichen in der Serie gegen Rapperswil.

Ein Spaziergang war die Serie gegen Rapperswil nicht, alle Spiele waren umkämpft und forderten vom HCD Disziplin und Aggressivität ab. Trainer Harjis Witolinsch hat seine Aufgabe gut gelöst: Nach einigen Wochen Anlaufschwierigkeiten starteten die Bündner ab Februar richtig durch und gehörten im letzten Qualifikationsviertel punktemässig gar zu den Top 4 der Schweiz. In der völlig überflüssigen Relegationsrunde nahm der Lette etwas Tempo raus, liess mehrere angeschlagene Cracks ihre Blessuren kurieren und kehrte mit seinem Team dann wieder in solider Form in die entscheidende Playout-Phase zurück. Ein Masterplan, der für den HCD aufging, wenn man bedenkt, in welch katastrophaler Situation sich der Verein Ende November befand. Und dies alles, obwohl Witolinsch angesichts zahlreicher Verletzungen im Frühjahr gezwungen war, auf diverse sehr junge Davoser zu setzen, die ihre National-League-Feuertaufe oft auch von Erfolgserlebnissen gekrönt sahen. Chapeau!

Yannick Frehners Doppelpack

Auch das fünfte Spiel am Donnerstagabend verlief hart umkämpft, mit einem Gegner, der nicht bereit war, sich kampflos zu ergeben. Doch erneut zeigten die Bündner, dass sie die erfahrenere, bessere und effizientere Equipe in dieser Serie stellten – was sie auf dem Papier natürlich auch sein sollten. Den Unterschied machte ein Junger: Der 21-jährige Churer Yannick Frehner, der 13. Stürmer auf dem Matchblatt, skorte in der 3. Minute des ersten Drittels und in der 5. Minute des zweiten Drittels zur 2:0-Führung vor 3480 Zuschauern in der Vaillant Arena. Nicht, dass der HCD besonders berauschend gespielt hätte: Ab Spielhälfte schwammen die Davoser gehörig, konnten sich aber auf einen gross aufspielenden Gilles Senn verlassen, der in seinem letzten Spiel im Davoser Dress nochmals seine ganze Klasse auspackte – der Walliser wird sein Glück nächste Saison in der Organisation der New Jersey Devils versuchen.

Gilles Senn: Ein grosses Spiel zum Schluss.

So endet die Saison für den HC Davos nach einem desaströsen, tumultartigen Herbst, der im Rücktritt der HCD-Legende Arno del Curto und einer kollektiven gelb-blauen Depression gipfelte, einigermassen versöhnlich. Natürlich muss man die Saison nicht schönreden, aber man kennt im Sport mehr als genug Beispiele, wo eine Abwärtsspirale richtig tief im Sumpf endete. Der HCD hat die Krise gemeistert. Zuerst liess man sich Zeit mit der Trainersuche und holte mit Harjis Witolinsch den richtigen Mann. Dann wurden frühzeitig die Weichen für die nächste Saison gestellt (z.B. mit den Vertragsverlängerungen von Andres Ambühl und Enzo Corvi sowie der Verpflichtung des Nati-Direktor Raeto Raffainer als neuem Sportchef). Nie hatte man nach der Amtsübernahme von Witolinsch das Gefühl, dass Unruhe im Team herrschte, dass die Mannschaft auseinanderfiel. Der HC Davos wurde im Verlauf der Saison gefestigter und liess – als es drauf ankam – keine Fragen offen, wer die Playout-Serie gewinnen würde. Damit hat Davos den Kopf letztlich souverän aus der Schlinge gezogen.

Die Playoff-Quali als neues Saisonziel

Was dies für die Zukunft bedeutet, ist aber noch lange nicht klar. Sicher scheint angesichts der Kaderverjüngung dieses Jahres, dass die Zeiten, als der HCD ganz vorne in der National League mitspielte, vorderhand vorbei sind. Auch sind einige grosse personelle Fragen wie die des Headcoaches oder der Goalies noch ungeklärt. Im Kampf um die Playoff-Qualifikation dürften die Bündner nächste Saison aber wieder ein gewichtigeres Wörtchen mitreden. Alles andere – sprich: so etwas wie eine Wiederholung der Seuchensaison 2018/19 – wäre für den Rekordmeister und seine erfolgsverwöhnten Fans inakzeptabel.

 

(Bilder: Twitter HC Davos/Archiv GRHeute)

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