Im Gefäss «In eigenen Worten» bieten wir Musikern in unregelmässigen Abständen eine Plattform, die Bedeutung ihrer Lieder hervor zu heben, ein wenig im Universum herum zu fabulieren und die persönlichen Hits zu küren. Alles immer frisch aus dem Bauch, frech, spontan und unverfälscht.

Heute zum Zug kommt das Album «ZooM» von mir. Ich nehme euch mit auf eine Reise zur Entstehungsgeschichte meines neuen Werks.

Nüt isch für d’ Ewigkait
Der Beat dieses Songs von Dbeatz aus Chur sollte eigentlich ursprünglich auf «Dunkelblau» landen. Daraus sollte ein Song mit vielen Gästen werden, welches die Message rüber bringen sollte, das nichts als die Musik bleibt. Bei der Produktion zu «ZooM» fiel mir der Entwurf nochmals in die Hände und ich überarbeitete das Konzept komplett. Durch den Indianer-Vibe im Instrumental wurde ich inspiriert und schuf bei einer Session im Klangstark-Studio gemeinsam mit Lou Zarra diese musikalische Ehrerbietung an die indianische Bevölkerung von Amerika, welche ohne Grund vertrieben und leider auch fast komplett ausgerottet wurde. Das war mir extrem wichtig zu deponieren, denn viele Sachen, die wir heute als selbstverständlich erachten, gehen auf ihr Wissen zurück. Zum Beispiel die Bluesmusik wurde zu einem grossen Teil durch Indianer inspiriert oder auch viele natürliche Heilmittel gehen auf sie zurück.
Die «Hey-jas» im Refrain habe ich übrigens selbst eingesungen. 😉
Der motivierende Text, der aussagt, dass man im Prinzip alle Träume realisieren kann, wenn man es selbst will und den Glauben an die eigene Person nicht verliert, verknüpft mit dieser wundervollen Komposition von Daniel Buschauer und dekoriert von Lou Geniuz, gab dann den ersten Song, der fix als Video-Kandidat fest stand. Und das hat dann Noel Koller gemeinsam mit Thierry Rechsteiner grossartig umgesetzt, wie ich finde.

<3
Die zweite Nummer aus «ZooM», für welche am gleichen Tag ein Video gedreht wurde, war «<3». Die aktuelle Schreibweise des Liedes wollte ich unbedingt so haben, da der Song mit seinem Pop-Charakter etwas ganz Spezielles für mich darstellte. Die Komposition hat Sandro Dietrich einmal vor ein paar Jahren für mich gefertigt. Auch hier entschied ich mich dafür die Perle aus zu graben und zu polieren. Für das Video legte ich den Fokus auf einen der schönsten Flecken auf Erden, dem ich ein Denkmal zu setzen versuchte, nämlich Grossabünt in Gamprin. Gleichzeitig wollte ich in dieser Form auch meinen liechtensteinischen Kolleginnen und Kollegen für die Gastfreundschaft danken, die ich seit bald schon zwei Jahren bei der Arbeit im Fürstentum erleben darf.

 

Miar gsehnd üs wieder
Nicht gerade mein liebstes Lied auf «ZooM», was wahrscheinlich daran liegt, dass es doch eine ziemlich persönliche Geschichte beinhaltet. Der Track beschreibt den Verlust eines wichtigen Menschen, in meinem Fall, der meiner geliebten Grossmutter Rosmarie, welche ich auch zwanzig Jahre später immer noch sehr vermisse. Warum das Lied aus der musikalischen Feder von Daniel Buschauer trotzdem noch auf dem Album gelandet ist, hat vor allem den Grund, dass trotz Verlust und Trauer sich im Text eine enorme Dankbarkeit für das gemeinsam Erlebte einstellt und das Lied dadurch vielleicht einigen Menschen in schwierigen Zeiten Trost spenden kann.

Hit-Skit
Etwas Comedy gehört zu jedem guten Werk und wenn man sich selbst zu ernst nimmt, macht Musik keinen Sinn. Lou und ich gliederten die Witze in zwei Teile und wenn ich jetzt mehr dazu verraten würde, wäre es vielleicht gar nicht mehr so funny zum Nachhören.

Dr Mond und d’Stärna
Lou Zarra hat mir einige Kompositionen von Sandro Dietrich zukommen lassen , während der Arbeit an meinem Album. Der hier setzte sich von der ersten Minute sofort in meinem Gehörgang fest, weil er so anders war, als alles was ich bisher gemacht hatte. Den Pop-Groove mit der schönen Pianomelodie musste ich einfach machen und so schrieb ich am Morgen bevor ich ins Studio ging diesen Lovesong über meine Frau Corina innerhalb von 15 Minuten. Auch wenn das Lied zum Teil leicht von Schlagermusik gefärbt erscheint, ist es bis heute eine meiner liebsten Werke überhaupt.

Schlangafanga
Ähnlich ging es mir bei diesem Stück. Der Refrain des Werkes entstand auf meinem Trip durch Amerika, als mir mitten auf der Root66 und umgeben von Wüste die Idee zu den Zeilen kam. Die Geschichte rund um den Refrain entstand nach und nach in meinem Hinterstüblein, so dass ich den ganzen Song auch an einem Morgen innert kürzester Zeit in meinem Laptop tippte.

Balanceakt
Bevor ich meine Medienkarriere startete, war ich gefangen in den selbstauferlegten Fesseln des Detailhandels. Dieses Lied ist ein Zeitzeuge davon. Es behandelt eine aggressive Unzufriedenheit, welche ich dank viel Willenskraft zum Glück ablegen konnte. Thematisch hätte dieses Stück wahrscheinlich besser auf «Dunkelblau» gepasst und doch bin ich froh, dem Lied nochmals eine Chance gegeben zu haben, da es die einzige Komposition von meinem Kumpel Geesbeatz auf dem Album ist und es irgendwie schade gewesen wäre, wenn mein grösster Mentor und einer der feinsten Menschen auf der Welt nicht mit von der Partie gewesen wäre.

Lastwaga-Skit
Tüt-tüt-tüt. Lou und ich telefonieren wieder mal. 😉

Hyäna
Jetzt kommen wir zu den Songs, die ich mit dem coolen Dude Martin Hächler in Degersheim aufgenommen habe. Hyäna behandelt dabei das Thema einer zerbrochenen Freundschaft, die ich genau so erlebt habe. Wer mich gut kennt und meinen Weg in den letzten drei – vier Jahren verfolgt hat, kann recht schnell hinein interpretieren, um wen es eigentlich geht. Ich wollte nicht irgendwelche schmutzige Wäsche waschen oder zerrissene Tücher wieder zusammen nähen. Für mich ist das Lied ein Schlussstrich und eine Seelen-Therapie zugleich.

Affazirkus
Dieser Song behandelt ähnlich wie «Balanceakt» das Leben im Detailhandel, wenn auch mit deutlich viel mehr Humor und einem ebenso witzigen Beat. Wenn ich den Song heute höre, bin ich schon froh, dass ich es gewagt habe einen anderen Weg zu gehen und meinem Herzen zu folgen. Ich hoffe durch meine negativen Erfahrungen, entscheidet sich vielleicht die eine oder andere Person auch, sein Leben umzukrempeln und einen für sich passenden Weg zu beschreiten. Just do it!

Hinter Gitter
Der erste Song, den ich mit Martin Hächler in seiner «La Maison de Sound» aufgenommen habe, ist eine etwas depressive Nummer, die ich aber trotzdem als Zeugnis eines stetigen Gefühlsstrudel in meiner Seele gut so stehen lassen kann. Es kann einem nicht immer super gehen, aber wichtig ist, dass man anstatt sich darüber zu beschweren, einfach auch wirklich was dagegen unternimmt.

Machs guat

«Machs guat» ist eine Abrechnung mit dem Kapitalismus. Was ziemlich stark klingt, erschliesst sich dem Hörer erst zwischen den Zeilen, denn der Abgesang könnte auch auf eine Beziehung sein. Der Track bereitet mir in seiner Verflochtenheit sehr viel Freude und zeigt, dass Geld alleine nicht glücklich macht.

Heaven or Hell
Das letzte Stück auf «ZooM» war lange ein Single- und Video-Kandidat, da es ein starkes Stück Suizid-Prävention ist. Ich schrieb es, als ich mitbekommen habe, dass sich Chester Bennington von Linkin Park das Leben genommen hatte. Ich bin immer der Überzeugung, jeder kann zu einem grossen Teil selbst entscheiden und beeinflussen, wie heftig einem etwas nach unten zieht. Ich finde, es ist kein Tabu über Depressionen zu sprechen und gleichzeitig sollte man darauf achten, dass wenn einem Hilfe angeboten wird, man sie auch dankend annehmen sollte. Dieses Stück steht nicht nur als starkes Zeichen gegen Suizid auf der CD, sondern hat auch die Aufforderung verpackt, dass es wichtig ist mehr aufeinander zu zu gehen und sich gegenseitig aus den dunklen Tälern raus zu helfen.

Heidi
Zu diesem Song brauche ich eigentlich gar nicht mehr allzu viel zu sagen, ausser das meine Schwester einfach die Coolste ist. Entstanden ist das Lied mit einer Komposition von mir (!) im Studio von Andi Biedermann anlässlich der Kampagne «Musik unterscheidet nicht» von Pro Infirmis. Wenn die CD ein Erfolg wird, ist es dann sicher nicht wegen mir, sondern weil alle Heidi so gerne haben. 😉

Tröim gross
Bei diesem Lied war ich noch auf dem Weg. Es waren grosse und auch etwas unrealistische Träume, die ich 2016 hegte und doch ist jetzt alles fast noch schöner geworden, als ich es mir in den kühnsten Träumen ausgemalt habe. Deshalb habe ich den Song, welchen ich als erster des Albums ausgekoppelt habe an den Schluss genommen. «Es kommt die Zeit, in der das Wünschen wieder hilft.», heisst es in einem Lied von Die toten Hosen und ich finde, die Zeit ist angebrochen in der man wieder träumen darf. Mein Traum von einem neuen Album ist entstanden, weil ich ein Team voller «Geili Siacha» hinter mir habe, denen ich auf diesem Weg meinen tiefsten Dank aussprechen möchte. Merci Lou Zarra für die epische Produktion, die Geduld und das Feuer. Danke Sandro Dietrich, Daniel Buschauer, Andrea Ivo Gees, Martin Hächler und Andi Biedermann für das gemeinsame Musizieren und die zauberhaften Kompositionen. Grazie mille Marcus Duff für das wunderschön umgesetzte Cover und Inlay. Danka Davide Vittorini von Banggroovy für die Promotion. Last but not least tausend Dank an die Videogenies, die mit ihren Produktion die Lieder auch filmisch zum Leben erwecken: Noel Seth Koller (Mocho Productions), Thierry Rechsteiner und Alex Tobisch.