Sarina Bardill lebt den Hockey-Traum

Spätestens seit den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi, als die Schweizer Frauen-Eishockey-Nati mit mehreren Bündnerinnen die Bronzemedaille gewann, hat auch das «schwache Geschlecht» den schnellsten Mannschaftssport der Welt entdeckt. Eine der neuen Garde an Schweizer Eishockeyanerinnen ist die Klosterserin Sarina Bardill. Die 15-Jährige tut alles dafür, ihren Hockey-Traum so weit wie möglich zu leben.

Als Sarina Bardill einst in der GKB Hockeyschule lernte, wie man sich auf Eis bewegt und einen Hockeystock hält, war sie dem Sport sofort verfallen. Heute, als 15-jährige Obertstufenschülerin, dreht sich für Bardill fast alles um den Puck. «Das Spiel ist schnell, ein Team muss zusammenhalten», beschreibt die 15-Järhige ihre Faszination am Eishockey-Sport, «es ist ein Teamsport, aber es braucht auch individuelle Einzelleistungen.» Beim HC Prättigau-Herrschaft wird die Nachwuchsförderung seit langem hoch gehalten, und so war es auch kein Wunder, dass Bardill von Jahr zu Jahr mehr gefördert – und erfolgreicher wurde. «Der HCPH hat mir auf jeden Fall den Spass am Hockeysport vermittelt», sagt sie. Auch störe sie wenig, dass sie in den Nachwuchsteams mit lauter Jungs zusammenspiele. «Man bekommt schon manchmal das Gefühl, dass man sich mehr behaupten muss, aber das treibt mich an, immer alles zu geben», so Bardill, die sich folgerichtig den Ruf einer hartnäckigen Kämpferin auf dem Eis erarbeitet hat. Probleme habe es bei den Jungs nie gegeben, sie sei gut aufgehoben bei ihrem Stammklub. Und wie geht das mit dem Duschen nach den Spielen? «Ganz einfach und unkompliziert», verrät sie, «ich darf zuerst alleine duschen, dann erst sind die Jungs dran.»

Dass sie im Olympia-Jahr 2014, mit gerade mal 12 Jahren, erstmals in die Schweizer U13-Nationalmannschaft aufgeboten wurde, motivierte die Verteidigerin noch mehr. Plötzlich wurde Olympia selbst zu einem grossen, noch weit entfernten Traum. Neben den Einsätzen im Prättigauer Nachwuchs versuchte sie sich damals in der höchsten Schweizer Frauen-Liga in Weinfelden, wo sie auf gestandene erwachsene Eishockeyanerinnen traf. «Das kann schon etwas einschüchtern sein», erinnert sie sich. Im ersten Spiel traf sie gleich auf die mit Natispielerinnen gespickten ZSC Lions, unter anderen auf die berühmten Aroser Schwestern Nina, Monika und Isabel Waidacher, drei ihrer grossen Vorbilder. «Isabell hat mir nach dem Spiel gesagt, ich sei eine ‘Nervensäge’», erinnert sie sich lachend. Gemeint habe sie das im positiven Sinn, da Bardill schon damals durch ihre Hartnäckigkeit auffiel. Allerdings hatte sie noch verschiedene Defizite, vor allem läuferisch – die NLA war eine Nummer zu gross. Sie nahm es als weitere Motivation, liess sich in der Folge von Eiskunstlauf-Trainerin Anna-Barbara Caflisch in Lauftechnik unterrichten und wechselte runter in die NLC, ins damals neu gegründete Team von Wil, das in der ersten Saison sogleich in die NLB aufstieg. Da wird sie diesen Winter – neben ihren Einsätzen bei den Novizen des HC Prättigau-Herrschaft – ihre dritte Saison in Folge bestreiten. 

Vier Trainingseinheiten die Woche

Im Winter ist Bardill fast täglich auf dem Eis: Das Trainingspensum in Wil musste sie dieses Jahr allerdings auf einmal wöchentlich reduzieren. Neben den Reisen zu den Trainings finden auch mehrere Meisterschaftsspiele in der Westschweiz statt – vor allem unter der Woche eine grosse Belastung. «Erst in der Nacht um 2 oder 3 Uhr nach Hause zu kommen, wenn am nächsten Tag Schule ist, ist manchmal schon zu viel», sagt Mutter Edith Bardill. Zu einer Hockey-Karriere pushen will sie ihre Tochter nicht. «Es muss von ihr kommen, aber wenn sie Freude hat, dann unterstützen wir es so gut es geht», meint sie. Auf dem Eis steht sie immer noch am meisten in der Eishalle Grüsch, wo sie bei den Novizen des HCPH drei Trainingseinheiten pro Woche absolviert. 

Die Erfahrungen auf dem Eis haben ihr schon manche Tür geöffnet: So spielte sie in den letzten Jahren in Wil an der Seite von weiblichen Hockey-Cracks aus Finnland, Tschechien, Österreich und gar aus Mexiko – neben Eishockey-Talenten, die ihr Coach Marcel Herzog von überall her rekrutiert hatte. Und in der Nachwuchs-Nationalmannschaft – zurzeit ist sie in der Schweizer U16 – hat sie schon an mehreren internationalen Turnieren mitgespielt, zuletzt im April an der EM im finnischen Vierumäki, wo die Schweiz Vierte wurde – gegen die ganz grossen Eishockey-Nationen aber ziemlich unterging. Beeindrucken lässt sie sich davon aber nicht. Bardill ist eine Vertreterin der neuen Generation von Schweizer Eishockey-Spielerinnen, genau wie andere junge Bündnerinnen wie die Davoserinnen Anna Neunschwander oder Juliana Gianola. Mit einem unbändigen Willen, ihren Traum in allen Zügen zu leben: Und Ziele bietet der Eishockey-Sport auch bei den Frauen noch einige für Bardill. Es in die U18-Nationalmannschaft zu schaffen, ist das eine. Irgendwann in die NLA zurückzukehren, das zweite. Und am Ende ist die Teilnahme an Olympischen Spielen ihr grösstes Ziel. Das ist aber noch nicht alles: Die Sekundarschülerin spielt in der «Offseason» auch in der Schweizer Inline-Hockey-Nati, übrigens im selben Team mit ihrem Idol Isabel Waidacher. Im Juli findet in Italien die WM statt, Bardill hofft auf ein Aufgebot.

Frauen-Eishockey in Kanada?

Ihr «normales Leben» in Klosters geht derweil ihren Lauf: Die Sekundarschülerin hat eine Schnupperlehre in einer Sanitärinstallationsfirma gemacht und hofft auf eine entsprechende Lehrstelle. Der Support ist ihr gewiss: Sowohl die Schule wie auch die Firma mit dem Label eines «sportfreundlichen Lehrbetriebs» unterstützen den Eishockey-Traum der Prättigauerin. Und dann wäre da ja auch noch Nordamerika, oder genauer gesagt: Kanada. Einmal im Geburtsland des Eishockeys in einem Frauenteam zu spielen, das sei «ein grosses Thema» für sie. Mutter Edith schliesst auch dies nicht aus: «Möglich», sagt sie, «es kommt drauf an, wie ihre Eishockey-Kurve weitergeht».

Wer die leuchtenden Augen der Teenagerin sieht, wenn sie über Eishockey spricht, hat kaum Zweifel, dass die Prättigauerin auch dieses Ziel mit 100% Einsatz verfolgen und erreichen wird. 

 

(Bilder Sarina Bardill: GRHeute/zVg.)