Drei Jahre nach der abgelehnten Volksabstimmung in Graubünden über eine Kandidatur für die Olympischen Spiele 2022 gehen die Befürworter noch einmal aufs Ganze. Mit einem neuen Konzept wollen die Promotoren, darunter die komplette Bündner Regierung und alle bürgerlichen Parteien, Olympia 2026 nach Graubünden holen. Das Sagen hat am 17. Februar das Bündner Stimmvolk. Es geht nicht nur um den Bewerbungskredit über 25 Millionen Franken brutto für die knapp drei Jahre dauernde Kandidaturphase bis zur Vergabe der Winterspiele 2026 im Juli 2019. Es wird ein Grundsatzentscheid für oder gegen Olympische Spiele in Graubünden. Einer, der möglicherweise über alle Bündner Olympiapläne in den nächsten zwei Dekaden entscheiden wird.

Die Vorzeichen sind dieses Mal tatsächlich anders als 2013, zumindest teilweise. Das IOC ist immer noch das alte, aber es ist unter dem starken internationalen Druck weicher geworden. Die Charta 2020 beispielsweise ermöglicht dezentrale Spiele, was im neuen Bündner Konzept ausgiebig genutzt wird. Damit soll ganz Graubünden, nicht zuletzt auch das einwohnerstarke Bündner Rheintal und Chur, in die Olympischen Spiele involviert werden. Und man hat Zürich und die Zentralschweiz an der Seite, um nicht die ganze Verantwortung alleine tragen zu müssen.

Was ist Olympia nun für Graubünden? Eine drohende, teure «Ruhestörung»? Eine einmalige Chance für eine ganze Generation? Beides?

Das Projekt selbst ist nicht neu. Schon die Bündner Initianten der Olympischen Spiele 2010 propagierten dezentrale Spiele mit den Sprungwettbewerben in der Zentralschweiz und den Eissportarten in Zürich. Damals war die Bündner Kandidatur Davos 2010 im Auswahlverfahren von Swiss Olympic wegen 13 Stimmen an der Kandidatur von Bern gescheitert, die später ihrerseits vom Berner Stimmvolk abgelehnt wurde.

Ob es den Bündner Promotoren der Olympischen Spiele 2026 gelingt, die Mehrheit der Bevölkerung zu überzeugen, wird sich zeigen. Die Grundstimmung scheint nicht sehr positiv. Die Wunden aus der letzten Olympia-Abstimmung haben Spuren hinterlassen. Auch die Gegner, die die Bühne gestern zurückhaltend den Promotoren überliessen, werden sich bald zu Wort melden. Allerdings haben sich diese seit der letzten Olympia-Abstimmung auch nicht gerade mit besseren Rezepten profilieren können, und die Bündner Bewerbung 2026 hat auch tatsächlich gute Argumente. Die Talschaften und der Tourismus – nicht weniger als die Lebensader des Kantons – sind in den letzten Jahren in Schieflage geraten. Die Auswirkungen wird Graubünden noch zu spüren bekommen. Regierungsrat Jon Domenic Parolini hat darum recht, wenn er von einem grossen Problem spricht, dass viele Junge mangels Perspektiven aus den Tälern wegziehen. Eine Perspektive, eine Vision zu verfolgen und sie in die Tat umzusetzen, das tönt vielversprechend, macht Mut. Vor allem, wenn es um die Bündner Kernkompetenz Wintersport geht.

Und eigentlich liegt eine Bündner Kandidatur ja auch auf der Hand für eine Region, die für sich in Anspruch nimmt, zu den Top-Wintersport-Destinationen der Welt zu gehören. Das sind die Karten, die Graubünden in den Händen hält, ob man das will oder nicht. Das können wir, und das sollten wir auch ausspielen. Denn etwas ist so wahr wie erleuchtend: Es gibt keine Region auf der ganzen weiten Welt, die bezüglich Infrastruktur und Wintersport-Knowhow besser für Olympia geeignet ist als Graubünden.

 

Hier geht’s zu den Details der Olympia-Kandidatur in der Coverage von SRF.

 

(Bild: EQ Images)