In einem Monat ist es soweit, das «DAVOS FESTIVAL – young artists in concert» mit 50 Konzerten und 80 Musikerinnen und Musiker aus 20 Ländern sorgt in Graubünden für einen kulturellen Hochgenuss. Wir haben mit der Geschäftsführerin Anne-Kathrin Topp gesprochen.

Frau Topp, noch einen Monat bis zum Start. Wie laufen die Vorbereitungen?

Die heisse Phase beginnt, der Countdown ist sozusagen eingeläutet. Wir sind guter Dinge, dass alles gut läuft. Die Events sind zusammen, die Künstler «in den Startlöchern», die Detail-Absprachen mit den Partnern laufen. Ich denke, wir sind gut gewappnet.

Wie viel Arbeit gibt ein solcher Event?

Ich werde oft gefragt, was ich das ganze Jahre mache, ob ich so viel Zeit brauche. Ich kann nur sagen: «Ja», auch das Doppelte an Personal oder Zeit könnte man gut einsetzen. Es geht bei der Stiftung DAVOS FESTIVAL ja nicht nur darum, Konzerte zu organisieren. Es hängt ein riesiges Konstrukt an Aufgaben wie Sponsoring, Marketing, Grafik, Buchhaltung, etc. dran. Das ist wie ein Skelett, das man im Laufe des Jahres mit Fleisch füllen muss.

Wie kann man sich die Organisation des Festivals vorstellen?

Es beginnt mit Intendant Reto Bieri, der mit ersten Ideen und Vorstellungen kommt, mit wem man was umsetzen könnte. So baut sich das Festival peu à peu auf. Man hat zwar eine Vorstellung, wie das Endprodukt aussehen soll, aber es verschieben sich auch immer wieder Inhalte und es kommen neue Teile dazu, bis das Puzzle irgendwann komplett ist. Damit man die zeitlichen Dimensionen sieht: Das Puzzle für die Austragung 2017 haben wir jetzt schon fast zusammen.

Konzerte

Klassische Musik hat den Ruf einer abgehobenen, schwer zugänglichen Musikrichtung. Erschwert dies die Organisation des Anlasses?

Nein, denn wir wollen auch kein «Ufo» sein, das einmal im Jahr landet und dann wieder weggeht, sondern ein Festival, das für und mit dem Ort da ist. Wir arbeiten eng zusammen mit der Gemeinde, mit der Destination und vielen Einrichtungen wie Partnerhotels, Musikschule, dem Alterszentrum, aber auch mit solchen, die man nicht unbedingt erwarten würde. Wir waren mit unseren Kurzkonzerten den «offenen Bühnen» schon in der Migros, auf dem Berggipfel oder in RhB-Bahnhofshalle. Die Vielfalt des Angebots ist fast unendlich. Es stimmt vielleicht, dass klassische Musik nicht dem Mainstream-Geschmack entspricht, aber wir wollen mit unserem Programm auch versuchen, diese Vorurteile aufzubrechen.

Dazu setzen Sie dieses Jahr voll auf die Zielgruppe Familien?

Nicht nur, aber Davos ist natürlich eine Destination für Familienferien. Für uns hat das Festival auch eine Art «Bildungsauftrag». Wir wollen eine grosse Angebotsvielfalt mit Bezahl- und kostenlosen Programmen für jung und alt anbieten. Man kann das DAVOS FESTIVAL auf jeden Fall mit oder ohne Nachwuchs geniessen.

Können Sie etwas zu den Zahlen des Festivals sagen?

Die Stiftung DAVOS FESTIVAL verfügt über ein Jahresbudget von 750’000 Franken, wobei davon auch die Singwoche und das Neujahrskonzert finanziert werden. Die Besucherzahlen sind schwer zu definieren, weil ein Drittel der 50 Konzerte kostenlos im öffentlichen Raum stattfinden. Ich schätze, dass in den zwei Wochen des DAVOS FESTIVAL rund 4000 Besucher dabei sein werden.

Am 19. Juni veranstalten Sie zwei Wochen vor dem offiziellen Start ein Pre-Opening mit einer Opernwerkstatt. Was war der Gedanke dahinter?

Die Opernwerkstatt soll einen ersten Einblick geben, was die Besucher im kommenden DAVOS FESTIVAL erwarten können. Wir wollen sie mit unserem Highlight, der Wiederentdeckung der Oper «Die Schweizer Familie» auf den Geschmack bringen. Und wir wollen die Chance nutzen, dass Medien und Bevölkerung uns wahrnehmen.

Welches sind Ihre persönlichen Highlights des Programms 2016?

Zum einen natürlich die Kammeroper-Premiere «Schweizer Familie» in Zusammenarbeit mit der Hochschule der Künste Bern. Dabei wird auch eine fast 150 Jahre verschollen geglaubte Wagner-Arie zum Klingen kommen. Mein ganz persönliches Highlight sind ausserdem die Konzerte mit Werken unseres Composers in Residence Valentin Silvestrov (Bild), unter anderem das Konzert in der Kirche St. Johann am 10. August. Da erwartet uns auch und eine sehr spannende audiovisuelle Vorführung.

Silvestrov

 

(Foto: Anne-Kathrin Topp, Fotograf Toni Krein/Foto: Valentin Silvestrov, Privatarchiv Inga Nikolenko)