Mit einem deutlichen Ja-Anteil von rund 85 Prozent hat die Stimmbevölkerung von Chur im März Ja zur Teilrevision der Grundordnung 2017 gesagt. Damit wurden die Voraussetzungen geschaffen, um die Sportanlagen in der Oberen Au in Etappen auszubauen. Die Umsetzung des Masterplans liegt nun in den Händen der Churer Bevölkerung, die am 25. November über das vor zehn Tagen vorgestellte Generationenprojekt «Eisball» entscheiden muss. Die Pläne und Konzepte der Umgestaltung an der Oberen Au können noch bis Mittwoch im Rathaus Chur im Detail unter die Lupe genommen werden. Am Donnerstag wird sich der Gemeinderat mit der Vorlage beschäftigen.

Ein Augenschein zeigt, dass die Stadt Chur im Gegensatz zum abgelehnten Gesak-Projekt 2014 diesmal nicht mit Geld für «Luxusobjekte» um sich wirft, dafür ein zweckmässiges und doch funktionales Sportzentrum plant. Der 2016 präsentierte Masterplan wurde mit dem Kauf des Churer Hallenstadions und der Realisierung des erstes Kunstrasenplatzes bereits tatkräftig eingeleitet. Man kann dem Churer Stadtrat wahrlich nicht vorwerfen, die desolate Sportinfrastruktur in der Bündner Hauptstadt nicht ernsthaft anzugehen.

Die Zeit drängt allerdings auch: Die KEB gibts schon lange nicht mehr und auch die Tage der Churer Ringstrasse sind bald gezählt. Eine Ablehnung des Projekts «Eisball» der Churer Bevölkerung wäre für den Sport und die Interessensgemeinschaft Churer Sportvereine ICS mit ihren 5000 Mitgliedern (darunter rund die Hälfte Kinder) eine Tragödie. An einen Plan B ist im Grunde nicht zu denken. 

Die geplanten Bauten, unter anderem eine Eishockey-Trainingshalle und ein kleines, aber feines Rasensportstadion, strahlen stolze Bescheidenheit aus. Das Bjiou wird zweifellos der Vorplatz der Stadien sein, ein Treffpunkt, der der Anlage tatsächlich ein Stadion-Flair verleihen würde. Die Trainings-Halle entspricht der lokalen Nachfrage nach Eis und stärkt die langjährige Bündner Eis(hockey)-Tradition. Im Rasensportstadion hätte man zwar gerne höher angesetzte Tribünen – à la Ringstrasse – gesehen, ebenso ein etwas atmosphärischerer Stadion-Abschluss gegenüber der Haupttribüne. Immerhin ist Platz für – bei grösseren Anlässen – mobile Gegentribünen. Abgerundet wird das Stadion-Ambiente unter anderem durch einen stimmigen Skatepark gleich neben dem Stadion-Vorplatz.

Ob Zeitdruck oder nicht: Das Konzept ist trotz verhältnismässig tiefer Kosten – «Eisball» war mit rund 40 Millionen Franken das Projekt mit den tiefsten Erstellungskosten der fünf Eingaben – wertig und bedeutet einen Gewinn für den (Sport-)Standort Chur. Ein Besuch im Churer Rathaus ist auf jeden Fall zu empfehlen. Alle Pläne, Grundrisse und durchaus unterhaltsame Features wie ein «Sport-Talk» aus der Vogelperspektive zeigen ein umfassendes Bild der geplanten neuen Sportanlage. Fazit: Ein modernes, funktionales und doch repräsentatives Sportzentrum in angemessener Bündner Bescheidenheit. Selbst die letzten Sportmuffel der Stadt dürften bei einem Besuch der Ausstellung überzeugt werden, dass die Churer Sportvereine die Anlage nicht nur brauchen, sondern dass sie auch einen echten Mehrwert für die Stadt bedeutet. Und da auch der Steuerzahler nicht zusätzlich zur Kasse gebeten wird, dürfte diesmal einem wuchtigen Ja nichts im Weg stehen. 

Info

Die Ausstellung zum Generationenprojekt Rasen-/Eissport Obere Rathaushalle im Rathaus an der Poststrasse 33 in Chur ist noch bis Mittwoch von 8-12 Uhr und von 13.30-17 Uhr zu sehen. Wer sich aus erster Hand informieren möchte: Stadtpräsident Urs Marti stellt das Projekt heute Montag, Stadtrat Tom Leibundgut morgen Dienstag (jeweils von 19.00 bis 21.00 Uhr mit anschliessendem Apéro) vor. 

 

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(Bilder: GRHeute)