Am United Gameday vergangenen Jahres fiel mir in der Begegnung zwischen Chur Basket und Opfikon Basket eine Akteurin auf, die mit viel Begeisterung und grossem Einsatz jedem Ball nachjagte und ein absolutes Vorbild für den talentierten Nachwuchs darstellte. Wer ist diese unübersehbar mit dem Basketballvirus infizierte Sportlerin?

 

Wie kamst Du zum Basketball und von wem hast Du am meisten profitiert?

Eine Schulkollegin nahm mich in der zweiten Klasse ins Basketballtraining mit. Damit war mein von den Eltern ignorierter Wunsch, Balletttänzerin zu werden, gestorben. Am meisten profitiert habe ich von den Trainern Urs Marti, dem heutigen Churer Stadtpräsidenten und Ueli Krättli, der zwar sehr viel gefordert hat, aber dadurch auch erfolgreich war. Unter ihm errangen wir einst an einer Nachwuchs-SM den ausgezeichneten dritten Platz.

Wann begann Deine Karriere und wie verlief sie?

Ab 1981 trainierte und spielte ich zuerst beim BTV Chur, ab 1985 bis 1993 und von 1996 bis 2000 bei Chur Basket. Von 2001 bis 2008 folgte, aufgrund der Heirat mit Reto Friberg einer längeren Reise nach Hawaii und der Geburt meiner 3 Töchter, eine sportliche Pause. Nach einem Jahr Plauschbasketball beim BTV Chur kehrte ich 2009 wieder zu Chur Basket zurück, bei dem ich immer noch als Spielerin und Trainerin aktiv bin. Eine Saison habe ich in der NLB gespielt. Obwohl wir abgestiegen sind, war es eine coole Erfahrung.

Steckbrief

Name: Friberg-Sprecher
Vorname: Susanne
Jahrgang: 1974
Zivilstand: Verheiratet, 3 Kinder
Körpergrösse: 174 cm
Verein: Chur Basket  (1. Liga-Team)
Lieblingsposition: Forward
Lieblingsspieler: Scottie Pippen

Wie sieht aus sportlicher Sicht eine Woche aus?

Am Montag von 18:40 bis 20:00 Uhr Leitung des U12-Trainings und von 20:30 bis 22:00 Uhr Training mit dem 1. Liga-Team. Am Dienstag eine Stunde Pilates. Am Mittwoch von 17:00 bis 18:40 Uhr Leitung des U12-Trainings. Am Donnerstag von 20:00 bis 22:00 Uhr Training mit dem 1. Liga-Team. Zusätzlich am Wochenende oftmals 1. Liga-Spiele und Coaching der U12 an Turnieren. Was in diesem Jahr aus zeitlichen Gründen und wegen mangelnder Motivation fehlt, ist regelmässiges Joggingtraining.

Wie bringst Du Familie und Sport unter einen Hut?

Das ist nur möglich durch eine perfekte Organisation und dank des Verständnisses meines ebenfalls sportbegeisterten Gatten, der mich auch unterstützt. Ich bin zudem Vorbild für meine Töchter, die es mir mit grosser Selbständigkeit danken. Manchmal ist die Belastung allerdings schon grenzwertig.

Warst Du öfters verletzt?

Nein. Bis jetzt habe ich Glück gehabt, denn Basketball weist bekanntlich wie Eishockey und alle Ballsportarten ein hohes Verletzungsrisiko auf. Die einzigen Blessuren waren nur Verstauchungen der Finger und des Fussgelenks.

Warum hat Basketball in unserer Region einen geringen Stellenwert und was kann man dagegen unternehmen?

Basketball ist technisch, taktisch und von den Regeln her sehr anspruchsvoll. Man muss daher diese attraktive Sportart (NBA, Dream Team etc.) unter die Leute bringen bzw. die Öffentlichkeit darüber informieren. Die Basketballschule Graubünden fördert sie ganz gezielt und setzt sich vor allem für die Ausbildung von Kindern und Jugendlichen im Alter von 8 bis 14 Jahren ein. Dieses Angebot wird bereits rege genutzt. Zudem wird auch die Basketballschüeli wieder jeweils Ende November durchgeführt.

Welche Auswirkungen hatte der abrupte Trainerwechsel auf das 1. Liga-Team?

Die Stimmung ist eindeutig besser als anfangs Saison. Wir sind jetzt trotz grossen Altersunterschieden wieder ein Team, in dem sich jede Spielerin für die andere einsetzt. Für mich stellt der Abgang von Sefkija Kalic aber auch eine verpasste Chance dar, wobei nebst anderen Problemen wohl hauptsächlich die Sprachbarriere sowie unterschiedliche Vorstellungen ausschlaggebend waren. Allerdings hat sich das kurzfristig eingesprungene Trainerduo Sascha Haas und Reto Friberg nur bis Ende der Qualifikation verpflichtet, was für uns Spielerinnen logischerweise nicht gerade beruhigend ist.

Wie schätzt Du die gegenwärtige Tabellensituation ein?

Unser primäres Ziel ist bekanntlich das Erreichen der Aufstiegsrunde in die NLB, wodurch wir aller Abstiegssorgen entledigt wären und somit die zweite Saisonhälfte doch deutlich lockerer angehen könnten. Mit dem derzeit dritten Tabellenplatz und zehn Punkten aus acht Partien sind wir trotz einer unnötigen Niederlage in Zürich mehr oder weniger im Soll. Der Vorteil ist, dass wir die Qualifikation in den eigenen Händen haben und zudem noch dreimal unsere Heimstärke ausspielen können. Der Druck ist zwar da, aber nicht riesig, denn die Teilnahme an der Abstiegsrunde wäre schliesslich auch kein Weltuntergang.

Was erwartest Du vom eigentlichen Schlüsselspiel vom kommenden Samstag um 18 Uhr in der Turnhalle Türligarten gegen den Tabellennachbarn und direkten Konkurrenten Opfikon Basket, den man in der Auftaktpartie knapp hat bezwingen können? 

Es dürfte zweifellos eine äusserst schwierige Aufgabe werden, diesen unberechenbaren Gegner, der uns allerdings liegt, nochmals zu schlagen. Wir werden zwar nicht ganz in Bestbesetzung antreten können. Ich persönlich hoffe aber, dass ich nach einer kurzen Verletzungspause wieder fit genug sein werde, um mein Team tatkräftig zu unterstützen.

Wie sieht Deine sportliche Zukunft und diejenige von Chur Basket aus?

Ende Saison kommt es in unserem Team zu einem gröberen personellen Umbruch. Fünf bis sieben Spielerinnen stehen aus verschiedenen Gründen (Studium, Rücktritt etc.) vor dem Absprung. Auch ich überlege mir ernsthaft, zukünftig vor allem auch der Familie mehr Zeit zu widmen und anderen Hobbys zu frönen zu können. Gegenwärtig ist der Fokus aber noch ganz klar auf unser sportliches Abschneiden gerichtet.

Herzlichen Dank und viel Erfolg!

 

(Bild: bsgr.ch/Erwin Keller)

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