Der Montagskommentar auf GRHeute.

Der Bündner Sport trägt Trauerflor. Seit vier Jahren schon. Den Anfang machte das Aus des Swiss Bike Masters 2012, ein Mountainbike-Klassiker seit 1994, der den Sommer-Tourismus im Prättigau praktisch im Alleingang befeuerte. 2014 folgte das Volks-Nein zu Olympischen Spielen im Kanton und das Nein zum neuen Gemeindesportanlagenkonzept in Chur. Und vor kurzem musste auch der Graubünden Marathon auf der Lenzerheide die Segel streichen. Und noch immer gibt es Nachwuchs-Teams, die wegen fehlender Trainingskapazitäten am Samstagvormittag um 6 Uhr trainieren müssen und Sportklubs, die in einigen Fällen jährliche Infrastrukturkosten im sechsstelligen Bereich zu tragen haben. Kosten, die meist in ehrenamtlicher Arbeit erwirtschaftet werden müssen.

Seit der verlorenen Gesak-Abstimmung findet das Thema Sportförderung in der öffentlichen Diskussion praktisch nicht mehr statt. Dies ist umso störender, als sich gerade in Chur vor den Grossratswahlen 2015 noch zahlreiche Politiker für eine aktive Sportförderung ausgesprochen hatten. Seither ist es still geworden im Kanton. In Davos wurden Rufe nach einer Unterstützung durch die öffentliche Hand bei der Sanierung des HCD-Eistempels wach. In Landquart werkelt man am Projekt einer multifunktionalen Halle. Nach wie vor verbringen Tausende Bündner Kinder jedes Wochenende mit ihren Eltern auf Fussballplätzen, in Eishallen, auf Rennstrecken oder in Turnhallen. Unzählige sichern mit Fronarbeit das Überleben der Vereine, in denen oft wenige sehr viel leisten – und dafür grösstenteils ehrenamtlich ihre Freizeit opfern.

Wenig politische Fürsprache

Von kantonaler Seite unterstützt Graubünden Sport die Vereine zwar nach Kräften mit Sport-Toto-Gelderm. Auch schulische Projekte wie «Graubünden bewegt», die von der Abteilung Gesundheitsförderung und Prävention durchgeführt werden, feiern beachtliche Erfolge. Und trotzdem scheint die Stimme für den Sport – insbesondere was die Infrastruktur betrifft – in Graubünden in den letzten 18 Monaten praktisch verstummt zu sein. Auch von Sportminister Martin Jäger sind nach seinen wenig motivierenden Auftritten vor den erwähnten Urnengängen keine Inputs zur Sportförderung mehr zu erwarten. Erst 2018 darf der Bündner Sport wieder auf einen echten Interessensvertreter in der Bündner Regierung hoffen.

Kulturschaffende in der Offensive

In der Kulturpolitik herrscht hingegen Aufbruchstimmung. Angefeuert von verschiedenen Kulturkommentaren wird einigermassen forsch nach mehr Geld verlangt. Der Kanton hat sich bisher zwar zur Aussage durchgerungen, besonders auf Leuchtturmprojekte setzen zu wollen. Das Wachstum an kulturellen Angeboten im Kanton führt nun aber dazu, dass die Kuchenstücke für die Kleinen noch kleiner werden und der Ruf nach weiteren Fördergeldern deshalb aus Sicht der Kulturschaffenden verständlich ist. Wobei man sich natürlich fragen kann, ob jede kleine CD-Produktion an einem Heimcomputer in Hinterpagig eine finanzielle Unterstützung braucht.

Subventionen in Millionenhöhe

Dass sich die Kulturszene für einen Ausbau der Förderung einsetzt ist nachvollziehbar: Überall werden die Budgets gekürzt, und auch der Kultur gehts an den Kragen. In Zürich geriet beispielsweise das Opernhaus vor einigen Jahren unter Beschuss, als der Tages-Anzeiger berichtete, dass jedes Eintrittsticket ins Opernhaus mit 277 Franken subventioniert werde. Nur zum Vergleich: Die knapp 80 Millionen, die der Kanton Zürich dem Opernhaus pro Jahr zahlt, würde locker reichen, um die kompletten Vereinsbudgets der Grasshoppers, dem FC Zürich, den Kloten Flyyers und den ZSC Lions zu decken – inklusive der kompletten Nachwuchsförderung. Der Sport aber muss die Mittel grösstenteils in der Wirtschaft besorgen und ist zwingend auf ein gutes Produkt angewiesen, sind die Zuschauereinnahmen doch die Basis für den jährlichen Überlebenskampf. Die vier erwähnten Sportteams unterhalten jährlich übrigens doppelt so viele Besucher wie das Opernhaus.

Natürlich kann man argumentieren, das Opernhaus habe eine andere internationale Ausstrahlung als ein Sportteam. Es mehren sich aber auch die Stimmen, die diese Haltung als elitär und nicht mehr zeitgemäss abtun. Der Tages-Anzeiger schrieb dazu: «Das Dilemma der grössten Schweizer Oper, der Oper generell, ist seit Jahrzehnten dasselbe: Die Allgemeinheit der Steuerzahler finanziert der winzigen Minderheit der Liebhaber einen millionenteuren Kunstgenuss.»

Kultur braucht’s – Sport aber auch

Auch in Graubünden ist die Thematik nicht viel anders. Während die kulturellen Leuchttürme wie beispielsweise das Theater Chur städtische und kantonale Subventionen im siebenstelligen Bereich erhalten, darf beispielsweise der HC Davos Jahr für Jahr springen, um die Löchern in der Vereinskasse zu stopfen. Wer im Vergleich Theater Chur-HCD die grössere nationale und internationale Ausstrahlung hat, bleibe mal dahingestellt. Die rund 26’000 Zuschauer, die das Theater Chur jährlich anlockt, erreicht der HCD an zwei Spengler-Cup-Tagen.

Dies soll nicht heissen, dass die Kulturbeiträge nicht gerechtfertigt sind – ohne Frage ist die kulturelle Vielfalt ein integraler Bestandteil von Graubünden. Dass aber im Gegenzug die Sportförderung in Graubünden eine derart ungünstige Entwicklung nimmt, ist fatal. Da können auch sportliche Leuchttürme wie Dario Cologna oder Carlo Janka nicht darüber hinwegtäuschen.