Noch vor nicht all zu langer Zeit war der Champy Cup eine feste Institution im Unihockey-Kalender: In den letzten Jahren ist das Interesse am Saison-Vorbereitungsturnier aber merklich gesunken.

Begleitet von Schimpftiraden des OK-Präsidenten Hermann Eggler in Richtung der Stadt-Verantwortlichen in Chur zog der Champy Cup 2012 in die Halle Lust nach Maienfeld. Die Churer Stadtherren hatten den Champy-Cup gemäss Eggler mit einer drastischen Mieterhöhung praktisch vertrieben und auch sonst „immer mehr gefordert und weniger geboten“. Der Umzug in die Unihockey-Hochburg in Maienfeld hat sich für das OK zuletzt aber nicht bezahlt gemacht, trotz grosser Namen im Teilnehmerfeld. Am letzten Sonntag am Champy Cup 2015 verlor sich eine überschaubare Zuschauerzahl in die Halle Lust, die Atmosphäre machte deutlich, was der Champy Cup im Grunde ist: ein Saison-Vorbereitungsturnier. Nicht weniger, aber auch nicht viel mehr. Trotz beachtlicher medialer Berichterstattung und gewohnt gekonnter Inszenierung der Alligator-Organisation ist der Champy Cup kein Spengler Cup der Unihockey-Szene. Obwohl man fairerweise zugeben muss, dass das Turnier dieses Jahr auch etwas unglücklich verlief: Alligator schien früh aus, Chur schlug sich wacker auf Platz 3, Helsingborg gewann letztlich, ohne das grosse Feuerwerk gezündet zu haben.

Einer der Hauptgründe für den Zuschauerrückgang ist sicher das Überangebot an zu Marketingepen empor stilisierten Sport- und Unihockeyevents. Genoss der Champy Cup vor zehn Jahren noch den Ruf eines exklusiven Sport-Szene-Anlasses, haben die verwöhnten Unihockeyfans heute die Qual der Wahl: Da gibt es vor Saisonbeginn den Supercup zwischen Meister und Cupsieger im Zürcher Hallenstadion, während der Saison den Cupfinal und (noch einmal super) den Super-Final, ein einziges Finalspiel, das die Schweizer Unihockey-Meisterschaft entscheidet. Dazwischen kommen noch Europacup- und Nationalmannschaftsspiele, und mit Piranha Chur zieht in Chur mittlerweile auch Damen-Unihockey einige Fans ab, die vor einer Dekade noch Unihockey-hungrig den Champy Cup besuchten. Zu allem ‚Übel’ sind die erwähnten Anlässe im Gegensatz zum Champy Cup auch noch sportlich relevant.

Angesichts dieser Realitäten wird es der Champy Cup zukünftig schwer haben, sich als fantastisches Sport-Spektakel zu verkaufen. Als interessantes internationales Vorbereitungsturnier für Hardcore-Fans verdient er sich seinen Platz aber auf jeden Fall – dies ist nur schon seiner Tradition und der grossen Arbeit der Verantwortlichen geschuldet. Ob er jemals wieder mehr wird als ein nettes Einlauf-Turnier vor Saisonbeginn, scheint indes fraglich.