Just auf die Feriensaison hin hat sich der Franken zum Euro deutlich aufgewertet. Die Parität, das Umtauschverhältnis von eins zu eins zwischen Euro und Franken rückt somit immer näher. Ein Szenario, welches sich die Touristiker auf keinen Fall wünschen. Denn für die Konsumenten wird das Shoppen in den grenznahen Gebieten wie Konstanz und Como wieder günstiger. Ebenso die Ferien im Ausland. Nach dem Franken-Schock vom 15.01.2011 hat sich die Tourismuswirtschaft in der Schweiz durch einige Preisdifferenzierungen ein Stück weit zurückgekämpft in der Gästegunst. Doch die Margen sind vielerorts zu gering und der wieder erstarkte Franken wird es noch schwieriger machen. Was tun? Weiter die Preise senken? Das ist bei den bis zu 30 Prozent höheren Produktionskosten gegenüber unseren direkten Mitkonkurrenten illusorisch. Auf Massen- und Billigtourismus setzen – ist für den über Jahrzehnte aufgebauten Qualitätstourismus der Schweiz die «Todeserklärung».

 

Ein gutes Produkt ist das beste Marketing

Es gibt nur eine Strategie: weiter in die Angebotsentwicklung investieren – und zwar jetzt erst recht. Denn ein gutes Produkt ist das beste Marketing. Die Mund-zu-Mund Propaganda das effektivste, glaubhafteste Promotionsinstrument. Es ist bekannt, dass positive Ferienerlebnisse im Schnitt sieben mal weitererzählt werden, negative dagegen bis zu fünfzehn Mal.

 

Unbürokratische, mutige Finanzhilfen

Damit wir unser Tourismusprodukt stärken, ausbauen und weiterentwickeln können, benötigen wir eine leistungsfähige Förderpolitik, welche Risikobereitschaft belohnt. Die diversen Finanzierungstöpfe des Bundes und der Kantone wie beispielsweise jener der  Schweizerischen Gesellschaft für Hotelkredite oder Innotour, der vom SECO betreute Fonds zur Förderung von Innovation, Zusammenarbeit und Wissensaufbau im Tourismus, sind gut gefüllt. Es mangelt grundsätzlich auch nicht an Projekten und innovativen Ideen aus der Basis. Es fehlt jedoch der Mut «der Säckelmeister», Geschäftsideen zu fördern und zu unterstützen, bei welchen die Erfolge nicht bereits im Vorfeld zu 100 Prozent garantiert und monetär beziffert werden können. Es braucht einen Abbau von administrativen Hürden und Regulatoren, die es den Innovatoren ermöglicht, die benötigten Startkapitalien auszulösen. Wir brauchen tourismusfreundliche, gesetzliche Rahmenbedingungen, die unsere Konkurrenzfähigkeit fördern und neue Produkte und Infrastrukturen entstehen lassen. Beispielsweise für Umnutzungsmöglichkeiten bestehender Bauten wie Militärbunker oder die Möglichkeit, die Speicherseen der Bergbahnen auch im Sommer zu einem Bergerlebnis zu machen. Und zwar lieber heute als morgen! Darum werde ich mich zusammen mit der CVP in der nächsten Legislatur für eine konsequente Förderung des Tourismus einsetzen.

Am 20. Oktober wird in der Schweiz das neue Parlament gewählt. Im Politforum von GRHeute diskutieren bis zu den Wahlen verschiedene Kandidaten über Themen, die ihnen unter den Nägeln brennen. Heute: Yvonne Brigger Geschäftsführung Interessengemeinschaft Tourismus Graubünden

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