Im Rahmen einer Vertiefungsarbeit interviewte Andrin Ehrler den Churer SVP-Politiker Marco Kalberer zur Abstimmung über die Direktverbindung Brambrüesch. Eine kritische Meinung zur Abstimmung vom Wochenende. 

 

Sie sind gegen eine Direktverbindung. Laut des Verwaltungsrates wird eine Direktverbindung nach 8 Jahren billiger sein als nur eine Ersetzung der oberen Sektion. Ist dies für Sie immer noch ein Grund Nein zu sagen?

Marco Kalberer: Man muss bedenken, dass in der Berechnung des Verwaltungsrates keine zukünftigen Beiträge an die BCD AG seitens der Stadt Chur mehr enthalten sind. Aufgrund der kritischen finanziellen Lage fast aller kleinen Naherholungsgebiete (schwarze Zahlen werden nur in Ausnahmefällen geschrieben) erachte ich das Wegfallen dieser Beiträge für sehr unrealistisch. Es ist nicht davon auszugehen, dass die BCD AG nur aufgrund einer neuen Bahn 900‘000 Franken pro Jahr mehr einnimmt. Denn die Jahresrechnung 2017/18 zeigt, dass obwohl mehr Gäste nach Brambrüesch fuhren (+22%), der EBITDA um 12 Prozent abgenommen hat. Ein Ausgleich des Verlusts wäre nur mit einer Erhöhung der Preise möglich. Doch dann werden viele Gäste, die wegen des günstigen Preises nach Brambrüesch fuhren, in ein anderes Gebiet wechseln. Die Rechnung geht also nicht auf.

 

Eine Ersetzung der oberen Sektion würde für mindestens ein Jahr den Betrieb lahmlegen. Finden Sie das verantwortbar?

Leider ist es so, dass der Ersatz der oberen Sektion zu einem Betriebsausfall führen wird. Allerdings hat dieser auf das Ergebnis nur einen kleinen Einfluss. Dies zeigt der Vergleich des Geschäftsberichts 2006/07 mit dem von 2017/18 (Differenz CHF – 170‘000). Zudem zeigen Erfahrungen anderer Gebiete, dass bei guter Planung die Inbetriebnahme einer Ersatzbahn zwischen Frühling und Herbst möglich ist. Die Brambrüeschbahn hat übrigens schon öfters mit Busersatzfahrten den Betrieb ersetzt (z.B. bei Higa oder bei Defekten). Das ist besonders in der schneefreien Zeit also gut möglich.


In Ihrem Text auf der Website der SVP Chur schreiben Sie, dass Sie für einen Lift bis auf den Riedboden sind. Dies wäre allerdings fast nicht möglich, da es Einsprüche der Ferienhausbesitzer hageln würde. Was wäre Ihre Variante?

Davon ist auszugehen und genau deshalb bringt die Direktverbindung gar keinen richtigen Mehrwert. Denn auch mit der Direktverbindung ist die Bergstation nicht am richtigen Ort, nämlich beim Riedboden. Im Übrigen werden auch bei einer Direktverbindung Einsprachen folgen. Man denke beispielsweise nur an die Rodung, die notwendig ist. Ich glaube kaum, dass Umweltverbände vor einer 25-30 Meter breiten neuen Schneise hiervor einfach die Augen verschliessen.

Die Gondelbahn muss bis spätestens 2026 ersetzt werden. Da die Variante Riedboden wegen möglicher Einsprachen der Ferienhausbesitzer schlecht möglich sein wird und bis 2026 kaum genügend Zeit für eine alternative Lösung besteht, spreche ich mich für die bisherige Streckenführung aus. Denn wie gesagt, sind auch bei anderen Linienführungen Einsprachen nicht zu vermeiden.


Die Stadt Chur schrieb im letzten Jahr schwarze Zahlen. Weshalb sollte man das vorhandene Geld nicht in eine zukunftsfähige Bahn investieren?

Die Stadt Chur investiert in den nächsten Jahren gleich in mehrere Grossprojekte (u.a. Sportanlagen, neue Schulanlage und Bahnhof West). Diese Grossprojekte sind nötig, das ist unbestritten. Wichtig ist jedoch, dass diese zweckmässig sind. Es müssen keine Luxusbauten sein. Denn mit einem Teil des Geldes, welches für die Vergoldung gespart werden kann, könnte man sich beispielsweise eine bessere Ausstattung leisten. Das nenne ich zweckmässig! So könnte man anstatt der edlen Direktverbindung die Gondelbahn ersetzen und beispielsweise noch Attraktionen und Events auf Brambrüesch finanziell unterstützen. Klar ist es angenehmer als Gast auf einem Ledersitz nach Brambrüesch zu fahren, als in der Pendelbahn zu stehen. Doch viel wichtiger ist es mir, ein attraktives Angebot auf Brambrüesch vorzufinden.


Die heutige Bahn Känzeli-Brambrüesch hat zwar eine Konzession bis 2026. Es sind aber bereits jetzt keine Ersatzteile mehr erhältlich. Das heisst, dass die Bahn von einem auf den anderen Tag stillstehen könnte. Ist das der Stadt Chur, der BCD und dem Churer Tourismus dienlich?

Diese Gefahr war längstens bekannt. Es wäre die Aufgabe der BCD AG gewesen, einen genügenden Vorrat an Ersatzteilen bis zum Ablauf der Konzession sicherzustellen. Das ausgerechnet die Verantwortlichen mit diesem Szenario drohen, finde ich deshalb unangebracht. Doch leider ist das Problem Tatsache. Deshalb ist auch unbestritten, dass die Gondelbahn ersetzt werden muss. Die SVP schlug vor, die Variante Ersatz Gondelbahn gemeinsam mit der Direktverbindung zur Abstimmung zu bringen. Leider wurde dieser Antrag abgelehnt. Bei einem Nein zur aktuellen Vorlage muss der Gemeinderat daher handeln und dem Stadtrat den Auftrag erteilen, eine Botschaft für die Variante Ersatz Gondelbahn vorzulegen, welche dann dem Volk unterbreitet wird. Ich bin überzeugt, dass die SVP-Fraktion sofort einen solchen Auftrag einreichen würde und diese bei der Stimmbevölkerung mehrheitsfähig wäre.


Wenn man, wie Sie vorschlagen, nur die Sektion Känzeli- Brambrüesch ersetzt, ist immer eine der Bahnen veraltet. Somit käme alle paar Jahre die Frage auf: Wie weiter mit Brambrüesch. Macht diese Salamitaktik Sinn?

Diese Frage müssen wir sowieso spätestens in 40 Jahren wieder beantworten. Mit der Ersatzbahn-Variante wäre dies dann halt 10 Jahre früher der Fall. Es ist zu hoffen, dass die Churerinnen und Churer auch dann noch für Brambrüesch einstehen.


Ihre Partei SVP Chur hat für dieses Projekt Stimmfreigabe beschlossen. Weshalb?

Das ist richtig. Unsere Partei ist sich zwar bezüglich des Weiterbestehens von Brambrüesch einig, aber nicht bezüglich der vorgeschlagenen Variante. Dies zeigen auch die beiden Abstimmungskomitees. Wir haben Parteimitglieder die im Ja-, aber auch solche, die im Nein-Komitee mitwirken. Daher wurde nicht – wie von vielen erwartet – die Nein-Parole, sondern eine Stimmfreigabe beschlossen.


Falls die vorliegende Variante abgelehnt wird, wären Sie bereit die Verantwortung zu übernehmen und dem Verwaltungsrat beizutreten?

Kann ich gleich morgen anfangen? Spass beiseite. Zurzeit absolviere ich mein Studium in Rechtswissenschaften in Luzern und arbeite zusätzlich noch Teilzeit. Mein Motto ist: Wenn man sich engagiert, dann richtig! Deshalb käme zum jetzigen Zeitpunkt ein solches Mandat nicht infrage.


Wie wird Ihrer Meinung nach die Abstimmung ausgehen?

Die Stimmung in der Bevölkerung ist sehr gespalten. Es wird vermutlich eine knappe Angelegenheit.

 

 

Info

Andrin Ehrler interviewte Marco Kalberer zur Abstimmung über die Direktverbindung Brambrüesch im Rahmen einer Vertiefungsarbeit.

 

(Bild: Marco Kalberer / zVg./Facebook)