Es gibt viele Geschichten in Graubünden, die noch nicht erzählt worden sind. Eine davon ist die Strasse von Bergün nach Filisur, wofür das erste Mal im Kanton Sprengstoff verwendet wurde. Antonia Bertschinger hat sich dieser Geschichte angenommen und sie in einen historischen Roman verpackt.

Drei Anläufe brauchte es, um die Strasse von Bergün nach Filisur in den Bergünerstein zu schlagen. Der erste fand 1603 statt. Allerdings scheiterte das Projekt schon bevor es begonnen hatte, warum, ist nicht bekannt. Erst 60 Jahre später kam es zu einem neuen Versuch; auch er scheiterte aus unbekannten Gründen. Es sollte noch über 30 Jahre dauern, bis Peter Zur und Peter Tescher dem Bergünerstein mit Sprengstoff zu Leibe rückten und die Strasse gebaut werden konnte.

Man könnte, wenn man die Jahreszahlen ausser Acht lässt, durchaus davon ausgehen, dass diese Geschichte so in den letzten Jahren statt gefunden hätte. Hat sie aber nicht: Die Geschichte von der Strasse am Bergünerstein fand im Jahrhundert der  Bündner Wirren statt, einem sehr realen Ereignis, das Graubünden bis heute prägt. Und sie ist wahr.

Antonia Bertschinger, gebürtige Zürcherin, träumte schon lange davon, ein Buch über Bergün zu schreiben. Ihr schwebte eines Abends, als sie im Garten ihres Ferienhauses sass und die Fledermäuse über ihr flogen, ein blutrünstiger Krimi vor, in dem eine Karde aus dem Ortsmuseum eine wichtige Rolle spielte. Damit war jemand brutal ermordet worden, das Dorf war eingeschneit und der Mörder nicht zu fassen. «Dann stiess ich bei den Recherchen auf die Geschichte vom Bergünerstein und beschloss, daraus einen Roman zu schreiben», sagt Antonia Bertschinger.

Aus dem Roman wurde eine Trilogie; der erste Teil soll nächsten Sommer erscheinen. Antonia Bertschinger hat grad Zeit zum Schreiben – die gebürtige Zürcherin lebt derzeit mit ihrem Lebenspartner in der britischen Universitätsstadt Cambridge, wo er ein Forschungsstipendium absolviert. Für die studierte Kriegswissenschaftlerin gab es keine Arbeit, was ihr aber sehr entgegen kommt: «So habe ich endlich Zeit für mein Buch.»

Das erste Manuskript ist schon fast fertig; jetzt fehlt es noch an der Finanierung: Wie so viele Autoren in diesen Tagen will Antonia Bertschinger auf Crowdfunding zählen. Produktion und Druck des Buches kosten rund 50’000 Franken; 22’00 davon möchte Antonia Bertschinger durch Crowdfunding decken. Bisher sind knapp über 1000 Franken zusammen gekommen. Für den Rest bleiben Antonia Bertschinger sieben Wochen Zeit. Wer sie unterstützen will: wemaikeit.ch.

Auf der Projektwebseite Bergünerstein.ch ist das ganze Projekt mit vielen Hintergrundinfos zu lesen. Es lohnt sich auch, wenn man sich «nur» für Bündner Geschichte interessiert.

(Bilder: zVg)