Sie sind die Fun Punk-Koryphäen in Graubünden und doch musste sich ihre Fangemeinde lange in Geduld üben. Anfang März erscheint nun endlich das zweite Album von Head Smashed. Wir haben mit Roman Wilhelm über das neue Werk «President Nathaniel» gesprochen.


Erstmals wie froh seid ihr über das Ende der Fasnacht? Ist Däscher schon wieder nüchtern?

Ja, ist er, es spielt aber keine Rolle. Sein Verhalten ist immer gleich daneben.

Fast drei Jahre sind vergangen seit eurem Debüt. Was hat sich alles verändert seit dann?

Wir haben uns schweren Herzens von unseren Headsets getrennt. Da wir nach praktisch jedem Konzert das Feedback bekamen, dass man unsere Stimmen nicht gehört hat und die Mischer den Headsets die Schuld gaben, war es aber eine gute Entscheidung. Ob es allerdings gut ist, dass man uns nun singen hört, ist noch offen.

 

Welche neuen Wege seid ihr in der Produktion gegangen? Wurde wieder im Raum aufgenommen?

Puh, das ist eine lange Geschichte. Es gibt gute Gründe, wieso das zweite Album so lange auf sich warten liess. Mit den Aufnahmen haben wir bereits 2015 begonnen und gingen, wie bei unserem ersten Album vor. Einige Aufnahmen im Bandraum, andere im Wallis oder in München. Mixing und Mastering in Amerika.

Als die ersten Songs fertig waren, waren wir aber mit der Qualität nicht zufrieden und entschieden uns, alles nochmals von vorne zu starten. Wir produzierten die Songs neu und fanden in Schweden mit Dino Medanhodzic einen genialen Produzenten.

Dazwischen schob sich der Song «Far Away» ein, den wir mit Maestro Lou im Klangstark Studio in Chur produzierten.

Bei eurem Debüt wurden kritische Stimmen laut, es wäre gar ein wenig kurz geraten. Habt ihr euch das zu Herzen genommen?

Oh ja, das ärgerte uns auch. Unser erstes Album war zuerst als EP mit etwa fünf Songs geplant. Da wir uns aber von keinem der insgesamt neun Songs verabschieden konnten, veröffentlichten wir es kurzerhand als Album. Daher auch nur 27 Minuten Spielzeit.

Beim neuen Album haben wir auf ein Konzept geachtet, das sich als roter Faden durch die Scheibe zieht. Am Ende erreichen wir mit unseren 13 Songs eine Spielzeit von 42 Minuten. Das ist für ein Pop Punk Album wohl ganz passabel.

Was bedeutet der Name eures Werks?

Wir wollten wieder eine neue Head Smashed-Kreatur. Nach unserem Maskottchen und Logo «Mortimer» und dem ersten Cover «Benjamin» wurde also Nathaniel geboren.

In Anlehnung an gewisse Staatsoberhäupter und der Tatsache, dass heute offenbar jeder Trottel Präsident werden kann, kürten wir Nathaniel auch zum Präsidenten. So entstand der vollständige Name «President Nathaniel». Wir entschieden uns dann schlussendlich aber doch, das Haar-Toupet wegzulassen… 😉

Wird es wieder Videoclips geben?

Auf jeden Fall. Der Clip zu Far Away wurde bereits im November zusammen mit der Single veröffentlicht. Der nächste wird noch vor dem Album veröffentlicht. Weitere sind in Arbeit und werden im Laufe des Jahres veröffentlicht.

Ihr zieht live jeweils ziemlich viel Publikum an. Was ist euer Geheimrezept?

Wir geben jeweils unsere ganze Gage aus und engagieren damit professionelle Fans, die diesen Anschein erwecken und die Illusion aufrecht halten. In Wirklichkeit hatten wir schon seit Jahren keine Zuschauer mehr.

Apropos Spass: Was ist dein liebster Musikerwitz?

Kommt die Tochter nach Hause und erzählt ihren Eltern, dass sie einen neuen Freund hat und dieser Schlagzeuger einer Punkband ist. Die Mutter ist völlig entsetzt. Doch der Vater entgegnet nur: «Könnte schlimmer sein, es hätte auch der Bassist sein können.»

Wie kam die Popnummer vergangenes Jahr eigentlich so an?

Sehr gut. Da sie es leider nicht in die RSO Rotation schaffte, flog sie hier in Chur etwas unter dem Radar. Jedoch schaffte es der Song, sich bis heute in den Rotations von Radio Swiss Pop, RTR und Radio 1 regelmässig zu halten.

Zudem fand der Song auch grossen Anklang in Deutschland, wo er unter anderem zum Song des Monats eines Berliner Radiosenders gewählt wurde. Auch in England konnten wir überraschend einige Hörer gewinnen.

Sind weitere solche Ausflüge geplant oder war das eine einmalige Geschichte?

Der Song zwang uns dazu. Wir wollten erst einen simplen Acoustic-Song komponieren, der dann immer weiter produziert und immer besser wurde. So war schnell klar, dass wir die falschen Stimmen dafür haben und entschieden uns, die Chance zu nutzen und mit anderen Künstlern zusammenzuarbeiten.

Wird Amir auch im Kulturhaus auftreten?

Bei seiner Generation weiss man das nie so genau. Aber er sollte, ja… 😉

Einer von euch (Moritz) arbeitet bei einer Bank. Ist das noch Punkrock?

Er legt Wert darauf, nicht als Bänker angesehen zu werden, sondern als Programmierer. Er ist also ein Nerd, hat bleiche Haut und betrinkt sich ziemlich oft. Ja, das ist noch Punkrock.

Trotz all des Funs schlägt ihr auch hin und wieder ernstere Töne an. Wenn ihr etwas mit euer Musik zum besseren wenden könntet, was wäre es?

In der Welt läuft heute vieles verkehrt. Der Hass gegen Ausländer wächst, in Amerika wird ein Neandertaler gewählt und in der Schweiz rütteln wir an den Grundpfeilern des Solidaritätsprinzips. Wir wollen aber bewusst mit unserer Musik keine politischen Statements machen, da man Musik vor allem als Form der Kunst geniessen soll und nicht erst überlegen muss, ob die Band jetzt die gleiche politische Einstellung vertritt.

Von Anfang an habt ihr eure Lieder in Englisch geschrieben. War Mundart nie ein Thema?

Wir machen grundsätzlich nur, was uns Spass macht. Sollte uns also irgendwann danach sein, wird es auch einen Mundart Song geben.

Ausserdem haben wir in unserem Live-Set bereits jetzt manchmal einen Mundart-Song.

Was muss ein Coversong beinhalten, dass er bei euch ins Set kommt?

Er muss bekannt sein, da es keinen Sinn macht, einen Coversong zu spielen, bei dem das Publikum denken könnte, es sei ein eigener Song. Ich persönlich liebe es, allseits gehasste Lieder neu zu definieren. So entstand auch unser Abklatsch vom alten Sommerhit «Dragostea din tei».

In Graubünden gibt es doch die eine oder andere Punk- oder Skaband. Wer sind eure musikalischen Vorbilder im Kanton?

Ganz klar NoFuture. Ich bin schon seit Jahren ein grosser Fan von ihnen und ein persönliches Highlight war es, an ihrer Plattentaufe als Support aufzutreten. Die Jungs sind echt cool und ihre Musik seit Jahren Top! Deshalb freut es mich sehr, dass über die Jahre eine gute Freundschaft zwischen unseren Bands entstanden ist.

Nehmen sich Bündner Musiker ein wenig zu ernst?

Ja, leider. Deshalb liebe ich Gimma. Er macht, worauf er Bock hat, egal was die Leute davon halten.

Euer Merch-Sortiment ist riesig. Was ist so das lustigste mit eurem Namen drauf, was es aktuell gibt?

Das lustigste sind sicher unsere «Crew»-Pullover die wir jeweils nur auf persönliche Anfrage produzieren. Diese werden dann jeweils auch mit Spitznamen wie «Bandmutti» oder «Mr. Cool» beschriftet.

Was wolltet ihr unbedingt noch an Merch produzieren, was kein anderer Act hat?

Ich habe schon immer sehr viel Wert auf qualitativ hochwertiges Merchandise gelegt und hoffe, dass unsere Fans dies auch bemerken. Ich hasse T-Shirts, die in der Wäsche eingehen oder Turnbeutel, deren Schlaufen beim ersten Open Air abreissen. Deshalb gibt es bei uns Turnbeutel, die eine Festival-Saison unbeschadet überstehen und das ist «proved by Ro» ;-).

Was ich schon lange suche, sind bedruckbare Kondome, denn Head Smashed steht für Spass & Sicherheit… 😉

Live habt ihr ziemlich aufgerüstet. Wie kam es zur Idee eure Show so auszubauen?

Für uns standen schon immer Live-Shows im Mittelpunkt. Als unbekannter Künstler ist es aber schwer, an gute Konzertslots zu kommen, wenn man nichts Aussergewöhnliches zu bieten hat. Mit unserer selbst entwickelten «Rocket Show» werden wir dieses Konzerterlebnis auf ein neues Level heben. Erstmals haben mit diesem frei und öffentlich verfügbaren-Projekt auch Bands, die nicht über dutzende Techniker wie Metallica verfügen, die Chance, eine Liveshow mit Video-, Licht- und Spezialeffekten ohne viel Aufwand aufzuwerten. Zu viel will ich aber noch nicht verraten.

Was erwartet eure Fans am 3. März im Kulturhaus?

Wie gerade erwähnt die Premiere unserer neuen Live-Show. Ich kann jetzt schon versprechen, dass das Publikum so etwas noch nie gesehen hat. So etwas war bis anhin mit den verfügbaren Mitteln einer kleineren Band gar nicht umsetzbar.

Es wird bestimmt ein toller Abend mit genialen Bands aus der Umgebung und ich hoffe, dass man sich noch lange daran erinnern wird.

Welche Vorgruppen habt ihr gepickt und warum?

The Melodic Eggs werden den Abend eröffnen. Die Formation ist bereits seit Jahren unterwegs und hat bislang viel zu wenig Aufmerksamkeit erhalten. Mir gefällt ihre Musik sehr gut und deshalb hoffe ich, ihnen dadurch eine gute Plattform zu bieten.

Danach werden Marked with Lipstick den Saal zum Kochen bringen. Ihr neues Album ist eines der besten in der Region in unserem Genre und ich hoffe, dass unsere neue Platte da mithalten kann.

Abgerundet wird der Abend vom Rock DJ John Doe, welcher jeweils zwischendurch und nach unserem Konzert auflegen wird. Wer ihn kennt weiss, dass für gute Musik bis um 3:00 Uhr morgens gesorgt ist!

Wird es eine Tour zum Album geben?

Wir versuchen vor allem, im Sommer auf einigen Open Airs zu spielen. Einige Konzerte sind schon fix, wir dürfen aber noch nichts kommunizieren.