21 Schulklassen besuchten das Davoser Heimatmuseum und setzten sich mit der Davoser Migrationsgeschichte und dem Thema Flucht in der heutigen Zeit auseinander. Ein Projekt von Annina Oliveri, unterstützt vom Schulteam des Heimatmuseums und dem Verein IG offenes Davos.

Die Fotografin und Ethnologin Annina Oliveri begleitete die Bewohner des Transitzentrums Landhaus in Davos Laret über mehrere Jahre mit der Kamera. Ihre Fotos, die einen intimen Einblick in den Alltag im Heim geben, stellte sie seit August 2016 im Davoser Heimatmuseum in der Sonderausstellung „Migration in Davos – früher und heute“ aus. Passend zur Ausstellung entwickelte sie zudem ein Konzept für Schulprojektwochen, um Davoser Schülerinnen und Schülern sowie den Schülern aus dem Transitzentrum das Thema Migration näher zu bringen. Das Angebot stiess auf reges Interesse: Im November 2016 und März 2017 nahmen daran insgesamt 21 Klassen aus verschiedenen Schulstufen teil.

Die Davoser Geschichte ist geprägt von Migration

„Die Schüler und Schülerinnen haben das Thema „Flucht und Migration“ mit den Fotos von Annina Oliveri und vor allem durch die Begegnungen mit den Flüchtlingen viel unmittelbarer erfahren“, sagt Peter Luzi, Klassenlehrer an der Davoser Sekundarschule. „So bleibt viel mehr hängen, als wenn ich einen Text austeile.“ Im etwa zweistündigen Programm thematisierten die Mitarbeiterinnen vom Schulteam des Heimatmuseums zunächst die Geschichte von Davos, die eng mit dem Thema Migration verknüpft ist. Dabei ging es nicht nur um die Walser, die um 1280 aus dem Wallis kamen und Davos besiedelten. Dass beispielsweise einer der wichtigen Männer in der Davoser Geschichte, Alexander Spengler, ein asylsuchender Deutscher war, der als Landschaftsarzt nach Davos immigrierte, erstaunte die Kinder ebenso wie die Erkenntnis, dass auch Willem Jan Holsboer, Mitbegründer des ersten Davoser Kurhaus, ein Immigrant war.

Fotos thematisieren Migration heute

Von der Davoser Geschichte schlug Annina Oliveri anschliessend die Brücke zur Migration von heute. Hierfür entwickelte sie ein Rollenspiel, in welchem die Kinder und Jugendlichen sich in die Situation einer bzw. eines Asylsuchenden hineinversetzten. Die in Gruppen arbeitenden SchülerInnen erhielten dazu das Foto einer asylsuchenden Person, die Annina Oliveri für ihr Fotoprojekt „Laret – Transitzentrum Landhaus“ porträtiert hatte. Anhand ihrer Fantasien und Vorstellungen konstruierten die Schülerinnen und Schüler eine mögliche Identität der abgebildeten Person. „In meinem Zimmer ist es eng. Drei Stockbetten stehen dicht beieinander. Ich bin nachdenklich“, beschrieb ein Mädchen die Situation auf dem Foto aus der Perspektives des Mannes, der darauf abgebildet ist.  Bei einer Führung durch ihre Fotoausstellung „Laret – Transitzentrum Landhaus“ löste Annina Oliveri anschliessend die wahre Identität der Personen auf. Mit ihren Fotos und gefilmten Interviews vermittelte sie den Kindern und Jugendlichen nicht nur einen Eindruck von den Wohnverhältnissen im Asylzentrum, sondern auch von den Hoffnungen, Sorgen und Geschichten der porträtierten Personen. „Ich hätte nie gedacht, dass man es in seinem eigenen Land so schlimm finden kann“, schrieb einer der Schüler in seinem Feedback. “Die Geschichten und das Interview, das wir zum Schluss angeschaut haben, fand ich sehr berührend.“

Vorurteile reflektieren

Ziel der Schulprojektwochen ist neben dem Kontakt von Davoser Schülern mit Schülern aus dem Transitzentrum, sich spielerisch mit dem Thema Migration auseinanderzusetzen. Bei höheren Stufen geht es auch darum, eigene Ideen und eventuelle Vorurteile gegenüber Migranten und Asylsuchenden zu reflektieren.

„Ich bin mit den Schulprojektwochen hier in Davos sehr zufrieden“, sagt Annina Oliveri. „Die teilnehmenden Kinder und Jugendlichen waren engagiert dabei und mir schien, dass ihnen das Programm und die Aktivitäten wirklich gefallen haben“. Dafür sprechen auch die vielen positiven Feedbacks, welche die Fotografin von den Lehrpersonen erhalten hat. Sie hat vor, die Fotoausstellung in Kombination mit den Projektwochen auch weiteren Schulen an anderen Orten anzubieten. Die Ausstellung im Davoser Heimatmuseum ist noch bis zur Finissage am 12.4. geöffnet.

 

(Bild: zVg.)