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Piranha Chur ist und bleibt die Nummer 1 im Schweizer Frauen-Unihockey: GRHeute hat gestern, einen Tag nach dem grossen Penalty-Schocker im Superfinale gegen Dietlikon, mit Sportchef Thomas Handl gesprochen.

Thomas Handl, wie fühlen Sie sich als Sportchef von Piranha Chur am Tag nach dem grossen Sieg?

Es war wirklich ein ganz verrücktes Spiel, eins mit ganz vielen Wendungen, das am Schluss in einer Disziplin, dem Penaltyschiessen, beendet wurde, bei der wir die letzten Jahre nicht brilliert haben. Seit gestern wissen wir, dass wir auch so gewinnen können. Unsere Spielerinnen sind stark im Kopf. Selbst Dietlikons sicherste Schützen, die sonst wie blind treffen, sind gescheitert. Es hat einfach gepasst.

Piranha ist Mitte Saison in ein ziemliches Loch inklusive Trainerwechsel gefallen. Welchen Anteil am Erfolg haben Trainer Mirco Torri und seine Staff, die das Steuer wieder zum Positiven umgerissen haben?

Ein Riesen-Verdienst. Man muss sich vorstellen, das Team war wirklich in einem Riesenloch, völlig verunsichert. Dafür gab es viele Gründe, es lag nicht allein am Trainer. Acht Nationalspielerinnen kamen müde von der WM zurück, dann gab es Verletzte, den Wechsel – es kam einfach alles zusammen. Torri und sein Team haben es hervorragend gemacht. Es war ein Steigerungslauf, mit dem Superfinale als absoluten Höhepunkt.

Der Superfinal endete dramatisch. Erst im 15. Versuch traf ihre Finnin Katri Luomaniemi. Wie haben Sie das erlebt?

Wahrscheinlich war es der letzte Torschuss in ihrer Karriere. Das sind Geschichten, die nur der Sport so schreiben. Für mich war dies etwas vom Schönen vom Samstag, dass sie das Spiel entscheiden konnte. Es war schon sehr nervenaufreibend. Die Penalty-Quote im Unihockey liegt normalerweise bei etwa 50%, so war es schon sehr unüblich, dass gleich 14 Torschützinnen verschossen. Das lag sicher daran, dass beide Goalies hervorragend waren, aber auch, dass die Spielerinnen nicht präzis genug schossen.

Dietlikon ist schon vor dem Samstag viermal in Serie im Final an Piranha gescheitert. Welche Rolle spielte dies?

Eine sehr grosse, es war definitiv eine Kopfsache. Das haben wir auch schon im Vorfeld gespürt. Unsere Spielerinnen reden immer davon, mental stark zu sein. Als Dietlikon 3:1 vorne lag, hatten sie es eigentlich im Griff und hätten das Spiel heimbringen müssen. Nach dem 3:2-Anschlusstor merkte man aber, wie es begann, in ihrem Kopf zu kurbeln. Und wir glaubten immer mehr daran.

Wie kommt es, dass Piranha mental so stark ist?

Wir haben speziell daran gearbeitet. Ruedi Kunz ist diese Saison in die Staff eingetreten, er weiss, wovon er spricht und ist eine Legende in unserem Sport. Er hat sich speziell den «Köpfen» der Frauen angenommen. Ich glaube, sagen zu können, dass wir mental so stark waren wie nie zuvor.

Rund 6000 Zuschauer haben den Frauen-Final verfolgt. Wie ist es, vor einer solchen Kulisse zu spielen?

Schon speziell. Wir hatten in allen Heimspielen zusammen nicht so viele Zuschauer wie im Superfinal auf einmal. Das haut natürlich schon um. Keine läuft da rein und sagt, das mache nichts aus. Das stimmt einfach nicht. Aber uns hat’s vielleicht etwas weniger beeinflusst als Dietlikon. Es gibt auch Möglichkeiten, damit umzugehen und das auszublenden. Aber cool und abgezockt ist bei dieser Kulisse niemand. Aber wenn man die Körpersprache gesehen hat, dann hat man von Anfang an gemerkt, dass wir da besser aussehen. Aber dass ist ja aufgrund der Vorgeschichte zwischen uns und Dietlikon ja irgendwie auch normal, dass sich das in den Köpfen auswirkt.

Sie gehören mit fünf Meistertiteln in Serie zu den erfolgreichsten Sportteams Graubündens. Woran liegt es, dass Piranha in Chur nicht mehr Zuschauer anzieht?

Das fragen wir uns auch immer. Es ist uns ein Rätsel. Generell ist es erstaunlich, dass nicht mehr Leute Unihockey schauen gehen, auch bei den Männern. Ich sehe mein ganzes Leben schon Sport, und ich kenne nicht viele spannendere Sportarten. Ich bin selbst eigentlich Fussballer, aber wenn ich mir da ein Spiel über 90 Minuten anschaue, dann schläft mir manchmal das Gesicht ein. Da ist Unihockey schon viel schneller und dynamischer. Wir haben schon vieles probiert, offenbar bringt man in Chur nicht mehr als 250-300 Zuschauer hervor. Und das sind die grössten Zahlen im Damen-Unihockey in der Schweiz. Auch bei den Männern sind die Zuschauerzahlen an vielen Orten nicht so hoch, aber zu einem Superfinale kommen die Massen. Vielleicht müsste man mehr Spiele so gross aufziehen, ich weiss es nicht.

Und wie sieht die Zukunft von Piranha Chur aus?

Wir werden nächstes Jahr, wie dieses Jahr, zwei Ziele haben: Zweimal in den Final zu kommen, im Schweizer Cup und in der Meisterschaft, was höhere Priorität geniesst. Natürlich würden wir auch im Europacup gerne einmal ins Finale, dies blieb uns bisher verwehrt. Und klar wollen wir den Europacup eines Tages auch einmal gewinnen, aber das ist schon eine andere Kiste. Wenn man nur schon an die skandinavischen Teams denkt. Vor allem gegen die Schwedinnen weht halt wirklich ein ganz anderer Wind. Zuletzt konnten wir gegen sie zwar über weite Strecken auf Augenhöhe spielen, am Ende hat’s aber wieder nicht gereicht. Angreifen werden wir aber auf jeden Fall wieder. Im Moment müssen wir noch viele Gespräche führen. Sicher ist nur, dass Piranha Chur auch nächste Saison wieder mit einem Topkader antreten wird.

Interview mit Piranha-Goalie und Matchwinnerin Lara Heini nach Spielschluss.

 

Telegramm

UHC Dietlikon – Piranha Chur 4:5 (1:1; 1:0; 2:3)

Swiss Arena Kloten – 5920 Zuschauer – SR: Schatz/Walter

Tore: 04:44 Seraina Ulber 0:1, 09:21 Michelle Wiki (Petra Weiss) 1:1, 36:44 Petra Weiss (Isabelle Gerig) 2:1, 44:28 Karin Güttinger (Petra Weiss) 3:1, 46:22 Sonja Putzi (Ramona Ludwig) 3:2, 48:14 Manuela Dominioni (Seraina Ulber) 3:3, 53:22 Priska Von Rickenbach (Katri Luomaniemi) 3:4, 57:30 Linn Lundström (Petra Weiss) 4:4.

Strafen: keine

UHC Dietlikon: Monika Schmid; Linn Lundström, Laura Mertsalmi; Andrea Streiff, Christine Zimmermann; Laura Bürgi, Rahel Zellweger; Isabelle Gerig, Petra Weiss, Michelle Wiki; Evelyne Ackermann, Rebecca Hermann, Ann-Sofie Sundholm; Andrea Gämperli, Karin Güttinger, Linda Pedrazzoli

Piranha Chur: Lara Heini; Flurina Marti, Ladina Sgier; Nadine Handl, Chiara Gredig; Chiara Campa, Lorena Girelli; Manuela Dominioni, Seraina Ulber, Katrin Zwinggi; Ramona Ludwig, Katri Luomaniemi, Sonja Putzi; Anja Dellagiovanna, Hanka Lackova, Priska Von Rickenbach

Bestplayer: Seraina Ulber / Petra Weiss

 

(Bild: Screenshot SRF)