Unten grün, oben weiss – das macht nicht alle glücklich. Weil es im Unterland schon fast Frühling ist, fehlen auf den Pisten die Wintersportler. Die Destinationen hoffen jetzt auf die kommenden Sportwochen.

Petrus ist definitiv kein Bündner. Zumindest in diesem Jahr nicht. Was der diesem Kanton alles antut! Zwar liess er es früh schneien, doch bis zum ersten Meilenstein, den Weihnachtsferien, war schon wieder fast alles weg. Und bei Halbzeit ist es im Unterland schon so grün, dass alle lieber am See flanieren anstatt in die Berge Skifahren gehen.

Das wirkt sich natürlich auf die Statistik aus. In einer Medienmitteilung gab der Branchenverband der Bündner Bergbahnen BBGR letzte Woche bekannt, dass die Bündner Bergbahnunternehmen im Januar 2016 fast ein Viertel weniger Gäste verzeichnen mussten. Besonders betroffen war die Region Mittelbünden/Arosa, wo es viele kleine Bergbahnunternehmen gibt.

Ist es wirklich so und wenn ja, hatte das Konsequenzen? «Es ist hart», sagt Richard Adam von den Bergbahnen Oberengadin. «Wir haben beste Verhältnisse, aber die Leute haben wenig Lust auf Skiferien. Dabei bieten wir beste Verhältnisse!» Stellen mussten deswegen keine gestrichen werden, und das Angebot einschränken kommt sowieso nicht in Frage – wer ins Oberengadin fährt, der erwartet einen bestimmten Service, und den muss man als Destination bieten können. Adam ist froh, dass jetzt die Sportwochen beginnen: «Es sieht gut aus. Wir haben frischen Schnee und traumhafte Kulissen. Alles was jetzt kommt, wird gut.»

Umbau Mottahütte muss verschoben werden

Auch auf der Lenzerheide wurde das Personal trotz mieser Bedingungen nicht eingespart. Dafür muss das Projekt «Umbau Restaurant Mottahütte» um ein Jahr verschoben werden, wie Peter Engler erklärte. «Wir haben unser Bestmöglichstes gemacht.» Zwei bis drei schöne Wochenenden würden genügen, um den Rückstand wieder etwas gut zu machen, auch wenn der in dieser Saison nicht mehr aufgeholt werden kann.

Auch nicht gut sieht die Situaton auf dem Corvatsch aus. Dort sind die Zahlen sogar schlechter als der Bündner Durchschnitt, wie Franco Furger sagte – weil über Weihnachten ein paar Pisten nicht geöffnet werden konnten. Dieses Manko wurde dank Petrus in der Zwischenzeit behoben. Anders als auf der Lenzerheide gibt es am Corvatsch aber keinen Investitionsstop: «Es gibt eine neue Sechser-Sesselbahn inklusive neuer Beschneiung auf den entsprechenden Pisten.» Und weil am Corvatsch die Saison bis am 1. Mai dauert und es das am höchsten gelegene Skigebiet von Graubünden ist, hofft man jetzt, dass man das Verlorene damit noch ein wenig aufholen kann.

Gemäss dem «Bündner Tagblatt» haben 22 Betriebe einen Antrag auf Kurzarbeit gestellt – das ist fast die Hälfte aller Bergbahnen. Dazu kommen acht Gastrounternehmen und drei Sportfachgeschäfte. Die betroffenen Unternehmen beschäftigen laut einer Statistik des Kiga 482 Angestellte. Gemäss Amtsleiter Paul Schwendener sind dabei sowohl kleinere als auch grössere Unternehmen betroffen.

 

(Bild: Mottahütte Lenzerheide)

Open Popup