In diesen Tagen ist der siebtgrösste Verein weltweit, der Fussballclub Borussia Dortmund, wieder im Trainingslager in Bad Ragaz. Der BVB hat in einem Trainingsspiel mehr Zuschauer als ein Damen- Weltcuprennen in St. Moritz. Tausende Fans reisen ihrem BVB und dessen Fussballstars von Deutschland in die Schweiz nach, um Spieler wir Reuss, mit einem geschätzten Transferwert von 72 Millionen, trainieren zu sehen. Die Jungmillionäre des BVB wohnen nicht etwa in einem Sportzentrum sondern im 5- Sternhotel Quellenhof.

Einige gewaltige Industrie steht hinter diesem Verein und die grossen Fussballclubs haben in den vergangenen Jahren jährlich Millionenerträge erzielt. Der Spielunterbruch während Corona hat die Geldmaschinerie ins Stocken gebracht. Aufgrund der Einlassregelungen in die Stadien wird der Fussball nicht mehr die gleichen Umsätze erzielen.

Das stösst auch einigen Chefs der Schweizer Fussballclubs sauer auf. Letzte Woche wurde der Direktor des Bundesamtes für Sport, Matthias Remund von FCZ Boss Canepa in den Medien hart kritisiert. Das Parlament hat 200 Millionen Franken A-fonds-perdu-Beiträge für den Breitensport gesprochen und bis Ende Jahr folgen weitere 30 Millionen an Rückzahlungen für J&S-Lager, die nicht haben stattfinden können. Das Paket, das für die Schweizer Liga geschnürt wurde, sei falsch, sagen die Vertreter der Schweizer Fussballclubs und das BASPO habe auf der ganzen Linie versagt.

Der Fussball hätte gerade jetzt die Chance, die übertriebenen Spielergehälter nach unten zu korrigieren. Damit würde der Fussballsport an Ansehen gewinnen und mancher Schweizer könnte sich auch wieder mit unseren Nationalspielern identifizieren.

Wenn Fussballclubs in Spanien und Italien ihren Stars Millionenbeträge nachwerfen und die beiden Länder von der EU stark subventioniert werden müssen, um das Überleben der Wirtschaft zu garantieren, so müssen auch die EU und der internationale Fussball über die Bücher gehen. So gesehen ist die Corona-Krise ein positiver Markteingriff in ein System, in dem in den letzten Jahren die Verhältnisse aus den Fugen geraten sind.

Im Politforum von GRHeute kommentieren Bündner Politikerinnen und Politiker aller Parteien über aktuelle Themen. Heute: Gaudenz Bavier, Präsident GLP Graubünden.

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