Lehrlingslager mal anders

Das traditionelle Lehrlingslager der Ems-Chemie fand wegen der Corona-Situation nicht als externes Lager in einer entlegenen Bündner Gemeinde statt, sondern praktisch „vor der Haustür“. 35 EMS-Lernende des ersten Lehrjahres unterstützten die Gemeinden Domat/Ems, Felsberg und Tamins beim Instandstellen von Wanderwegen, Aufräumen von Wäldern und Feldern sowie beim Bekämpfen von Schädlingspflanzen.

Wegen Corona dieses Jahr Arbeitseinsätze in der Region

Das Lehrlingslager der EMS-CHEMIE AG gibt es bereits seit über 40 Jahren. Für EMS- Lernende gehört es während der Lehrzeit dazu, dass sie im ersten Lehrjahr während einer Woche einen Helfereinsatz im Kanton Graubünden leisten. Diese tatkräftige und kostenlose Unterstützung wird von den Gemeinden sehr geschätzt. Normalerweise findet das Lager in einer Gemeinde etwas weiter entfernt von Domat/Ems statt – in den vergangenen Jahren im Bergell, in Arosa und in Bever. Aufgrund der Corona-Situation und der in einem Lagerhaus schwieriger einzuhaltenden Schutzmassnahmen erbrachten die EMS-Lernenden dieses Jahr viele kleine Helfereinsätze im Einzugsgebiet des Werkplatzes Domat/Ems und übernachteten zuhause. Die Vorfreude der EMS-Lernenden auf das Lehrlingslager blieb aber ungetrübt: „Auch wenn es kein richtiges Lager sein wird, freue ich mich, die anderen Lernenden der verschiedenen Lehrberufe kennenzulernen und für einmal nicht am PC, sondern mit Schaufel und Pickel an der frischen Luft arbeiten zu dürfen“, meinte Valeria Bossi, Kauffrau im 1. Lehrjahr am ersten Tag des Lehrlingslagers.

Altholz wegräumen, Schädlingspflanzen vernichten und Wanderwege ausbessern

So besammelten sich die EMS-Lernenden jeden Morgen beim Werkplatz der Ems- Chemie in Domat/Ems und fuhren in Gruppen zu ihren Arbeitsplätzen in Domat/Ems selber, in Tamins und in Felsberg. Unter Anleitung von Gemeindevertretern befreiten sie Wald- und Wiesenabschnitte von wildwuchernden, fremden Schädlingspflanzen (Neophyten), sodass die heimischen (Nutz-) Pflanzen sich besser entfalten können. Sie bewirtschafteten und pflegten Jungwälder, um den Waldbestand aufrechtzuerhalten. Oder sie halfen den Bauern vor Ort beim Heuen und Wegräumen von Geäst auf den Feldern und Wiesen. Auch Wanderwege galt es aufzuräumen und für die Sommerferien wieder instand zustellen. Hier gab es zu stark gewachsene Büsche zurückzuschneiden, grosse Steine zu entfernen und Löcher zu füllen. „Bei Wind und Wetter draussen in der Natur zu arbeiten, das nenn ich Abwechslung. Anstatt in meiner gewohnten Umgebung in der Fahrzeughalle der Logistik, sorge ich hier dafür, dass die Wanderwege wieder sicher begehbar sind. Vielleicht mache ich ja bald selber eine Wanderung über unsere neuen Wege“, erzählte Severin Caduff, Lernender Logistiker im 1. Lehrjahr. Diese Aufgaben forderten die EMS-Lernenden körperlich anders, als sie sich das während ihrer Ausbildung gewohnt sind. Aber es benötigte nicht nur Muskelkraft zur Bekämpfung von Schädlingspflanzen, die Lernenden lernten auch neue Werkzeuge und Techniken für die Bodenbearbeitung und Forstwirtschaft kennen.

Lernende als Botschafter

Im Lehrlingslager 2020 leisteten die 35 EMS-Lernenden mit 5 EMS-Berufsbildnern rund 200 Tage harte Arbeit. Das entspricht in etwa so viel, wie ein Mitarbeiter der Gemeinde in einem ganzen Jahr zu leisten vermag. Die Gemeinden Domat/Ems, Felsberg und Tamins begrüssten die tatkräftige Unterstützung der EMS-Lernenden sehr. „Wir hatten eine tolle Woche. Die EMS-Lernenden stellten sich sehr geschickt an. Wir schätzen ihren tatkräftigen und unentgeltlichen Unterstützungseinsatz auf den Wiesen und im Wald sehr“, so Matthiu Cathomen, Revierförster der Gemeinde Tamins über den Einsatz der fleissigen EMS-Helfer. Zum Dank offerierten die drei Gemeinden deshalb sehr gerne den gemeinsamen Grillplausch auf dem Benis Boden in Tamins am Ende des Lehrlingslagers.

Initiative EMS Lehrlingslager

Nach dem Lawinenwinter im Jahr 1975 hatten Lehrlingsausbildner der Ems-Chemie die Idee, die stark in Mitleidenschaft gezogenen Gemeinden beim Wiederaufbau zu unterstützen. Lernende meldeten sich freiwillig für einen Arbeitseinsatz. Diese erfolgreichen Einsätze werden seither fortgeführt, vor allem in entlegenen Gemeinden im Kanton. Inzwischen leisten alle Lernenden am Ende des ersten Lehrjahres während einer Woche ihren tatkräftigen Beitrag vor Ort.

(Bild: Ems-Chemie)