Am Mittwoch wird an einer Ligaversammlung die Zukunft des Schweizer Eishockey verhandelt. Aus Davos kommt ein Vorschlag einer Salär-Obergrenze, der sich an den nordamerikanischen Sport-Ligen orientiert. 

Das Problem ist bekannt, nicht nur im Eishockey: Geld regiert die (Sport-)Welt – zumindest in Europa. Wer sich die besten Spieler leisten kann, hat auch die besten Chancen, Titel zu gewinnen. Was exemplarisch im internationalen Fussball längst Tatsache ist – so stehen in der Champions League stets mehr oder weniger dieselben Teams in der Endausmarchung – zeichnet sich auch im Schweizer Eishockey ab. Für die einen ist die National League zwar die schönste Hockey-Liga der Welt. Ausgeglichen ist sie aber nur auf den ersten Blick: Fakt ist, dass es in den letzten 20 Jahren nur vier verschiedene Meister gab (Davos, Bern, Zürich, Lugano) und sich die Finanzschere in dieser Zeit weiter öffnete.

Gegenüber der Sonntagszeitung befürchtete HCD-Präsident Gaudenz Domenig gestern, dass die Ungleichheit durch die Corona-Krise weiter erhöht werde, worunter früher oder später die Attraktivität der National League leiden werde. Deshalb wird der Rekordmeister am Mittwoch einen Antrag in die Ligaversammlung einbringen, der eine Art Gehaltsobergrenze für die Klubs fordert – obwohl der HCD-Präsident betont, dass es sich nicht um eine Salary Cap nach NHL-Vorbild handelt: «Es gibt eine obere Limite für die Lohnsumme pro Team. Wer sie überschreitet, muss einen Solidaritätsbeitrag in gleicher Höhe in einen Topf einzahlen.»

 

Domenig anerkennt zwar, dass eine Lohnobergrenze rechtlich heikel sei – aber machbar. Gegenüber der Sonntagszeitung meinte er: «Als Ultima Ratio hätten wir die Möglichkeit, eine Ausnahmegenehmigung beim Bundesrat zu beantragen.» Der Davoser Vorschlag stösst nicht überall auf Gegenliebe: Während beispielsweise Berns Geschäftsführer Marc Lüthi einen Financial-Fairplay-Vorschlag in dieser Richtung unterstützt (aber gleichzeitig eine Lockerung der Ausländerbeschränkung fordert), erteilt ZSC-CEO Peter Zahner dem Vorschlag eine deutliche Absage: «Solch gravierende Einschnitte in der Unternehmensführung der Klubs sind der völlig falsche Ansatz. Kein Verein wird gezwungen, zu hohe Löhne zu zahlen, man kann auch Nein sagen.» Auch Jonas Hiller, Präsident der Spielergewerkschaft, steht dem Financial Fairplay skeptisch gegenüber. Für den ehemaligen NHL-Goalie ist dies «vor allem ein Werkzeug, um die General Manager vor sich selber zu schützen». Über die praktische Umsetzbarkeit einer solchen Marktregulierung gehen die Meinung weit auseinander.

Am Mittwoch werden an der Ligaversammlung verschiedene Vorschläge über die Zukunft des Schweizer Eishockeys besprochen, im August darüber abgestimmt. Gemäss einem Artikel der NZZ wird bezüglich des Financial Fairplay eine Gesamtlohnsumme von 7 Millionen Franken pro Saison ohne Sozialabgaben diskutiert, die ab der Saison 2021/22 über die folgenden drei Jahre schrittweise eingeführt werden soll. Ob dieser grosse Wurf gelingt, bleibt allerdings – Corona-Krise hin oder her – fraglich. Aber wer weiss: Vielleicht ist auch im Schweizer Eishockey der Wind für revolutionäre Veränderungen angekommen.

 

(Archivbild: GRHeute)