Wenn ich einen Medienbericht für den Tourismus schreiben darf, ist das immer eine grosse Freude. Die Touristiker in Graubünden haben das grosse Privileg, eine der besten Tourismusprodukte der Welt zu verkaufen: Graubünden. Da fällt es nicht schwer schöne Worte zu finden. Bei der Beschreibung der Surselva gerate ich daher immer schnelle ins Schwärmen, insbesondere wenn ich von unseren Skigebieten Obersaxen und Brigels, der Rheinschlucht, die Greina, die Werke von Alois Carigiet und Gion A. Caminada, das Open Air Lumnezia und die opera viva Obersaxen usw. schreibe. Und wenn die Übernachtungszahlen wie in den letzten Jahren stetig nach oben klettern, dann lässt dies natürlich das Herz jedes Tourismusdirektors höherschlagen.

 

Wie wir alle wissen, hat der touristische Höhenflug im März 2020 ein jähes Ende genommen. Als Tourismusorganisation hat der Lockdown in einer ersten Phase geheissen: Veranstaltungen absagen, Übernachtungtornierungen bearbeiten, Informationsschalter schliessen, Social Distancing Massnahmen einleiten und die Mitarbeiter im Homeoffice platzieren. Da blutet das Touristiker-Herz.

 

Die Lockdown-Zeit dauert nun bereits über sechs Wochen. In dieser Zeit laufen bei Surselva Tourismus die Vorbereitungen für den Start des Tourismusbetriebs auf Hochtouren. Die Zeit wird auch genutzt, um der Tourismusorganisation eine Fitnesskur zu unterziehen und längst vorgesehene Projekte umzusetzen, welche in normalen Tourismuszeiten oft wegen dem hektischen operativen Tagesbetrieb zu kurz kommen. Was jedoch für uns, aber insbesondere für die touristischen Leistungsträger bis heute nicht klar ist: Wann können wir wieder mit dem Tourismus beginnen und in welcher Form? Die Grundvoraussetzungen für den Tourismus bei uns ist zwar auch in Lockdown-Zeiten vorhanden, nämlich die wunderbare Naturlandschaft. Ein zentraler Bestandteil des Tourismus ist jedoch die wirtschaftliche Komponente. Zu einem schönen Ferienaufenthalt zählen neben sportlichen Aktivitäten wie Wandern und Biken insbesondere auch der kulinarische Genuss in einem Restaurant, ein unbeschwerter Aufenthalt in einem Hotel, auf dem Campingplatz oder in einer Ferienwohnung und der Besuch von Kulturveranstaltungen und Konzerten. Als Fortbewegungsmittel dienen neben den eigenen Füssen und dem Bike insbesondere Bergbahnen und Wanderbüsse. All dies ist derzeit aber nicht möglich. Zudem ist nicht klar, ab wann und wie es wieder möglich sein wird. Ohne Möglichkeiten in den Ferien Geld auszugeben, können die touristischen Leistungsträger nicht überleben. Und ohne touristische Leistungsträger gibt es keinen Tourismus.

 

Trotz dieser schwierigen Ausganglage bin ich zuversichtlich, dass seitens des Bundesrats rasch Klarheit über den Zeitplan geschaffen wird und die Tourimusbranche endlich die gewünschte Planungssicherheit erhält. Zudem bin ich mir sicher, dass alle touristischen Akteure gemeinsam diese Herausforderungen meistern können. Erinnern wir uns daran, dass die Tourismuswirtschaft den Euroschock bis Anfangs März 2020 überwunden hatte und der Bündner Tourismusmotor auf Volltouren lief. Der Bündner Tourismus ist fähig Herkulesaufgaben zu lösen. Dies werden wir gemeinsam auch dieses Mal unter Beweis stellen. Das Bedürfnis nach unserem Topprodukt – dem wunderbaren Graubünden – ist nach wie vor vorhanden. Wir müssen mit Zuversicht in die Zukunft gehen, hart arbeiten, kreativ sein, Neues wagen und mit Freude unsere Gäste verwöhnen. Dann kommt es wieder gut, vielleicht bereits schneller als wir es heute glauben. Gemeinsam schaffen wir das!

Die Tourismus-Total-Expertenrunde von GRHeute berichtet einmal wöchentlich über aktuelle Tourismusthemen für Graubünden. Heute für Sie unverblümt und direkt von der Front: Kevin Brunold, Geschäftsführer der Surselva Tourismus AG.

(Bild: zVg)