Für das Zusammenleben in unserer Gesellschaft ist das Vereinsleben von zentraler Bedeutung. Es gibt Statistiken, die besagen, dass in der Schweiz mehr unbezahlte als bezahlte Arbeit geleistet wird, dies vorab in den Vereinen. Im Jahr 2016 sollen Menschen ab 15 Jahren insgesamt 9.2 Milliarden Stunden an Freiwilligenarbeit geleistet haben. Der Geldwert dieser unbezahlten Arbeit wird auf 408 Milliarden Franken geschätzt. Eine unglaubliche Zahl. Es ist aber gleichzeitig auch bekannt, dass unsere Vereine immer mehr Schwierigkeiten haben, neue Mitglieder zu finden und weiterhin ein aktives Vereinsleben aufrecht zu erhalten. Dies hängt nicht zuletzt mit dem geänderten Freizeitverhalten in den letzten Jahren zusammen. Die Gesellschaft wird immer individueller. Man will sich nicht mehr mit einer Mitgliedschaft an einen Verein binden. Vielmehr neigt man dazu, projektbezogen zusammenzuarbeiten und anschliessend die (lose) Vereinigung wieder aufzulösen. Diese Entwicklung kann man gut finden oder nicht. Sie ist auf jeden Fall eine Tatsache.

Für den Staat gilt es dabei, möglichst gute und einfache Rahmenbedingungen für ein aktives Vereinsleben zu schaffen. Unsere Vereine – gerade in den ländlichen Gebieten – haben eine enorme Bedeutung – sowohl in kultureller, gesellschaftlicher, aber auch in ökonomischer Hinsicht. Ich denke da an Turn-, Musik-, Theater-, Sport-, Samariter-, kulturelle, ja sogar politische oder andere Vereine. Man trifft sich, man diskutiert und tauscht sich aus und verfolgt gemeinsam einen Vereinszweck. Die Vereine machen unser Zusammenleben wertvoll und vielfach sind die Vereinsaktivitäten nicht auf die Vereinsmitglieder beschränkt. Von einem aktiven Musik-, Turn- oder Theaterverein profitiert vielfach das ganze Dorf mit Aufführungen oder Veranstaltungen. Vor allem im ländlichen Gebiet kennt man sich; ein Verein schafft Identität und Zusammengehörigkeitsgefühl. Neuzuzüger finden in Vereinen rasch Anschluss. Ich kenne kaum jemanden, der nicht selbst in einem oder mehreren Vereinen aktiv ist. Man kann für die geleistete Arbeit kaum genug danken und diese wertschätzen, sei dies, indem man selbst Aktiv- oder Passivmitglied ist oder die Veranstaltungen besucht. Was den Staat betrifft, gilt es, die erforderlichen Rahmenbedingungen so zu setzen, dass Vereine ihre Veranstaltungen und Proben möglichst unkompliziert, einfach und kostengünstig durchführen können oder indem das Vereinswesen auch finanziell unterstützt wird. Ein Dorf mit aktiven Vereinen lebt. Und dazu müssen wir Sorge tragen!

Im Politforum von GRHeute kommentieren Bündner Politikerinnen und Politiker aller Parteien über aktuelle Themen. Heute: Reto Crameri, Grossrat CVP Graubünden.

(Bild: GRHeute)